Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.04.2017

09:14 Uhr

US-Wahlkampf-Affäre

Neue Belege für Zahlungen aus Kiew

2016 tauchte sein Name in einem „Schwarzen Kassenbuch“ in der Ukraine auf. Trotzdem behauptete Paul Manafort, Ex-Wahlkampfmanager von Donald Trump, keine Zahlungen der früheren prorussischen Regierung erhalten zu haben.

Der Ex-Wahlkampfchef Donald Trumps trat nach Vorwürfen über Zahlungen aus Kiew von seinem Amt zurück. AP

Paul Manafort

Der Ex-Wahlkampfchef Donald Trumps trat nach Vorwürfen über Zahlungen aus Kiew von seinem Amt zurück.

WashingtonDer Vorwurf war so schwer, dass er von seinem Job als enger Berater von Donald Trump zurücktreten musste: Auf dubiosen Wegen sollte Paul Manafort über Jahre hinweg etliche Millionen Dollar vom kremlnahen Expräsidenten der Ukraine bekommen haben. Handfeste Beweise lagen zunächst nicht vor. Doch nachdem im März bereits eine Rechnung mit der Adresse des Amerikaners aufgetaucht war, liegen der Nachrichtenagentur AP nun Dokumente vor, die in zwei Fällen auch die erfolgte Überweisung der angegeben Summen belegen.

Konkret geht es um zwei Zahlungen von insgesamt etwa 1,2 Millionen Dollar (heute etwa 1,1 Millionen Euro) in den Jahren 2007 und 2009. Mit großer Wahrscheinlichkeit besteht also kein direkter Zusammenhang mit dem im vergangenen Jahr zwischenzeitlich von Manafort geleiteten Wahlkampf Trumps. Es zeigt aber, dass Firmen des Politikberaters tatsächlich entsprechend eines „Schwarzen Kassenbuchs“ bezahlt wurden. Manaforts öffentlich geäußerte Zweifel an der Authentizität dieser Liste aus Kiew dürften sich damit erübrigt haben.

Auf Anfrage der AP bestritt Manafort nicht mehr, Geld aus der Ukraine erhalten zu haben. Er ließ aber mitteilen, dass die von seiner Firma empfangenen Überweisungen „rechtmäßige Entlohnungen für tatsächlich geleistete Politikberatungsdienste“ gewesen seien. „Ich habe meinen Kunden Rechnungen gestellt“, hieß es in einer Stellungnahme. Zudem wurde betont, dass Manafort bei der Bezahlung die „von seinen Klienten bevorzugten Finanzinstitute und Modalitäten“ akzeptiert habe.

Ex-Wahlkampfmanager: Trump will nichts von Manaforts Russland-Verbindung gewusst haben

Ex-Wahlkampfmanager

Trump will nichts von Manaforts Russland-Verbindung gewusst haben

US-Präsident Donald Trump hat laut Angaben des Weißen Hauses nichts von der Verbindung seines früheren Wahlkampfchefs Paul Manafort zu einem russischen Milliardär gewusst. Manafort selbst fühlt sich unfair behandelt.

Am Mittwoch ließ Manafort mitteilen, dass er sich beim US-Justizministerium rückwirkend für seine ukrainische Lobby-Arbeit als ausländischer Interessenvertreter registrieren werde. Damit würde er einräumen, seine Tätigkeit für die ukrainische Regierung nicht wie vom Gesetz vorgeschrieben gemeldet zu haben.

Vor dem Auftauchen der neuen Dokumente hatte Manaforts Sprecher Jason Maloni behauptet, dass das „Schwarze Kassenbuch“ aus Kiew eine Fälschung sei und dass es keine Beweise dafür gäbe, dass Manafort oder andere der aufgeführten Personen tatsächlich irgendwelche Zahlungen erhalten hätten. Die ukrainische Antikorruptionsbehörde geht nach eigenen Angaben davon aus, dass das Kassenbuch aus der Zeit von Präsident Viktor Janukowitsch echt ist. Zuletzt hatte sie aber betont, dass nicht überprüft werden könne, ob die angegebenen Zahlungen auch erfolgt seien.

Im vergangenen Monat hatte der ukrainische Abgeordnete Serhij Leschtschenko eine Rechnung des Unternehmens „Davis Manafort“ über 750 000 Dollar (heute 710 000 Euro) für 501 Computer präsentiert. Die AP fragte den Berater daraufhin, ob die Zahlung zum genannten Zeitpunkt unter der angegebenen Kontonummer angekommen sei. Manafort erklärte dazu lediglich, dass er dies nicht mehr prüfen könne, da seine Bank die Daten nach sieben Jahren routinemäßig gelöscht habe.

Den Vertrag über die vermeintliche Lieferung der Computer bezeichnete Manafort am Dienstag zudem als „Fälschung“. „Die Unterschrift ist nicht von mir, und ich habe keine Computer verkauft“, hieß es in einer Stellungnahme. „Offensichtlich ist dagegen, dass bestimmte Personen aus politischen Motiven heraus unterschiedliche Informationsbrocken nehmen und ihre Bedeutung im Rahmen einer Kampagne voller Hetze und Unterstellungen verzerren.“

Trump und Russland - eine Geschichte mit vielen Unbekannten

Trumps eigene Kontakte

1986 will der Geschäftsmann in New York den damaligen sowjetischen Botschafter Juri Dubinin kennengelernt haben. Daran knüpften sich ein Besuch in Moskau und erste Pläne für ein Hotel, so schildert es Trump in seinem Buch „The Art of the Deal“. Wie oft der Unternehmer seitdem in Russland war, ist nicht bekannt.

Geschäftsbeziehungen

Belegbar ist, dass sich in den 2000er Jahren viele zu Geld gekommene Russen in Trump-Immobilien eingekauft haben. Aufsehen erregte 2008 der Verkauf eines Anwesens in Florida an den russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew für 95 Millionen US-Dollar (knapp 90 Millionen Euro). 2013 fand der von Trump veranstaltete Schönheitswettbewerb Miss Universe in Moskau statt. Trump-Firmen waren auch auf Moskauer „Millionärsmessen“ für Luxusgüter vertreten.

Trumps Umfeld

Trumps erster Wahlkampfmanager Paul Manafort machte PR-Arbeit für den moskautreuen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, bis dieser 2014 gestürzt wurde. Nach Korruptionsvorwürfen wegen dieses Einsatzes schied Manafort aus Trumps Team aus. Der künftige US-Sicherheitsberater Michael Flynn tritt für bessere Beziehungen zu Moskau ein. Er ließ sich zum Jubiläum des staatlichen Senders RT (Russia Today) einladen und saß dort neben dem Kremlchef.

Putins mögliches Interesse an einem Präsidenten Trump

Die Lesart vieler russischer Experten ist, dass der Kreml eigentlich einen Sieg der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton erwartet hatte. Die Ex-US-Außenministerin wäre für Putin ein hartes, erfahrenes, aber berechenbares Gegenüber gewesen. Trump ist dagegen unberechenbar. Aber der Republikaner hat bessere Beziehungen zu Moskau versprochen, die Rede war sogar davon, die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland anzuerkennen. Aus Putins Sicht dürfte der unerfahrene neue US-Präsident als lenkbar erscheinen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×