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09.01.2016

17:17 Uhr

US-Wahlkampf

Muslimin wegen stillen Protests von Trump-Kundgebung verbannt

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump scheint mit Kritik nicht gut umgehen zu können. Bei einer Wahlkampfveranstaltung ließ er eine muslimische Demonstrantin entfernen – weil sie still ein Kopftuch trug.

Nach dem Rauswurf durch den US-Milliardär wurde die junge Muslimin ausgebuht. Reuters

Veranstaltung in Rock Hill

Nach dem Rauswurf durch den US-Milliardär wurde die junge Muslimin ausgebuht.

Rock HillEine Muslimin ist von einer Wahlveranstaltung des republikanischen US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump verbannt worden, nachdem sie schweigend im Stehen gegen seine Äußerungen protestiert hatte. Der Fernsehsender CNN zeigte, wie die Frau mit Kopftuch von einem Polizisten am Freitagabend (Ortszeit) aus der Arena geführt wurde, während Trump-Anhänger sie ausbuhten.

Zuvor hatte sie sich CNN zufolge zusammen mit einem anderen Mann bei der Veranstaltung in Rock Hill (South Carolina) vom Sitz erhoben und schweigend dagestanden, nachdem Trump in seiner Rede syrische Flüchtlinge mit der IS-Terrormiliz in Verbindung gebracht hatte. Beide hatten einen Davidstern an ihre Kleidung geheftet – ähnlich dem, den Juden während des Holocaust tragen mussten.

Fahrplan bis zur Präsidentschaftswahl 2016

Die Ausgangssituation

Im November 2016 wählen die USA den Nachfolger von Präsident Barack Obama. Während bei Obamas Demokraten die frühere Außenministerin und ehemalige First Lady Hillary Clinton als große Favoritin für die Kandidatur gilt, zeichnet sich bei den Republikanern ein spannendes Nominierungsrennen ab.

Erstes Abtasten der Bewerber

Bei Demokraten und Republikanern hat das Rennen um das Weiße Haus in den vergangenen Monaten Fahrt aufgenommen. Die Bewerber sammelten Spenden, reisten zu Kundgebungen quer durch das Land und traten in parteiinternen TV-Debatten gegeneinander an. Die Präsidentschaftsanwärter konzentrieren sich vor allem darauf, die Basis der eigenen Partei von sich zu überzeugen.

Vorentscheidung beim Super-Dienstag

Am 1. Februar finden traditionell im ländlich geprägten Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen die ersten Vorwahlen statt, gefolgt von den Abstimmungen in New Hampshire am 9. Februar. Die Ergebnisse aus Iowa: Bei den Demokraten lag Hillary Clinton hauchdünn vor Bernie Sanders, die Republikaner sehen Ted Cruz vor Milliardär Donald Trump.

Nach und nach stellen sich die republikanischen und demokratischen Bewerber in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Juni, meist stehen die Mehrheitsverhältnisse aber schon vorher fest. Eine Vorentscheidung könnte beim sogenannten Super-Dienstag am 1. März fallen, wenn 13 Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

„Primary“- und „Caucus“-System

Bei manchen Vorwahlen dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, andere sind offen für alle Wahlberechtigten. Unterschieden wird je nach Bundesstaat auch zwischen dem „Primary“-System, bei dem Bürger den ganzen Tag ihre Stimme in einem Wahllokal abgeben können, und dem „Caucus“-System, bei dem sich Parteimitglieder zu abendlichen Diskussionsrunden auf Ortsebene treffen und dabei abstimmen.

Kandidatenkür bei den Parteitagen

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei ins Rennen schicken. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden.

Die Republikaner halten ihre Convention vom 18. bis 21. Juli in Cleveland im Bundesstaat Ohio ab. Der Nominierungsparteitag der Demokraten findet vom 25. bis 28. Juli in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Heiße Wahlkampfphase

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In drei Fernsehduellen am 26. September, 9. Oktober und 19. Oktober debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einem „October Surprise“ – einem unerwarteten Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

„Es herrscht ein Hass gegen uns, der unglaublich ist“, kommentierte Trump CNN zufolge den Protest. „Es ist ihr Hass, nicht unser Hass.“ Die 56-Jährige hatte dem Sender vor dem Vorfall gesagt, sie gehe zur Trump-Kundgebung, weil sie glaube, dass die meisten seiner Anhänger noch nie einer Muslimin begegnet seien. Sie wolle ihnen nun die Gelegenheit dazu geben. Trump, der Umfragen zufolge im republikanischen Bewerberfeld klar führt, hatte bereits zuvor ein vorläufiges US-Einreiseverbot für Muslime gefordert.

Von

dpa

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