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16.09.2012

19:16 Uhr

US-Wahlkampf

Obama überholt Romney bei Wirtschaftskompetenz

Noch bleibt Mitt Romney etwas Zeit, das Blatt zu wenden. Doch während Präsident Obama sich als Staatsmann inszenieren kann, fehlen Romney die Sympathiewerte. Nun zweifelt die US-Bevölkerung sogar an seiner Kernkompetenz.

Mitt Romney ist nun auch in seinem Kernkompetenzgebiet unter Druck geraten. Reuters

Mitt Romney ist nun auch in seinem Kernkompetenzgebiet unter Druck geraten.

WashingtonDie jüngsten Ausschreitungen in der arabischen Welt haben den Wahlkampf in den USA ordentlich durcheinandergebracht. Vor allem der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney will den Schwerpunkt auf die schleppende Konjunktur legen und sich als erfahrener Wirtschaftslenker gegen Amtsinhaber Barack Obama positionieren. Die blutige Protestwelle gegen ein islamfeindliches Schmähvideo passte dem Herausforderer da gar nicht: Nach den Angriffen auf US-Botschaften in Libyen, Sudan und Tunesien konnte sich Obama als entschlossener Präsident zeigen, dem Herausforderer blieb nur die Zuschauerrolle.

Obama nahm am Freitag die Leichen der in Libyen getöteten Diplomaten in Empfang, während Romney ihm vorwarf, seit Jahren in aller Welt eine falsche Botschaft über die US-Außenpolitik zu verkünden. Sein Herausforderer "scheint dazu zu neigen, erst zu schießen und dann zu zielen", ließ der Präsident daraufhin wissen.

Auch die jüngsten Meinungsumfragen in den USA signalisieren einen Schwenk in Richtung des demokratischen Amtsinhabers Barack Obama. Die Mehrzahl der Forschungsinstitute melden einen wachsenden Vorsprung des Amtsinhabers. Anfang der Woche hatte zunächst der Nachrichtensender CNN mit einer Umfrage überrascht, nach der der Präsident mit sechs Prozent vor seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney liegt. Weitere Befragungen in den letzten Tagen bestätigten zumindest in der Tendenz einen größer werdenden Vorsprung Obamas.

Nach einer von Sender CBS und der "New York Times" in Auftrag gegebenen Umfrage hat Romney inzwischen auch seinen Kompetenzvorsprung bei der Wirtschaftspolitik verloren. Demnach liegt erstmals seit Monaten bei einem größeren Anteil der Wähler (47 Prozent) der amtierende Präsident bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Ankurblung der Wirtschaft vor Romney (46 Prozent). Lediglich im Umgang mit dem Haushaltsdefizit traut demnach noch eine Mehrheit dem republikanischen Bewerber mehr zu, auf allen anderen Feldern bis hin zur Außenpolitik liegt Obama klar vorne. Und in der Beurteilung der eigenen wirtschaftlichen Lage wie auch der Zukunft des Landes wächst in den Umfragen die Minderheit, die etwas optimistischer nach vorne blickt.

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Bedrohlich sind für Romney darüber hinaus die Ergebnisse in Ohio, Virginia und Florida. In allen drei US-Staaten liegt Obama nach jüngsten, vom "Wall Street Journal" und NBC dort durchgeführten Umfragen, vorne, in Ohio sogar deutlich mit 50 zu 43 Prozent. Sollte Obama zwei dieser Staaten für sich gewinnen können, ist ihm nach Einschätzung fast aller Wahlforscher der Wiedereinzug ins Weiße Haus kaum noch zu nehmen. Er hätte dann in jedem Fall die notwendige Zahl von Wahlmännern erreicht.

In Florida zeigt vor allem die Kampagne der Demokraten zur Krankenversicherung für Rentner Wirkung. Die Umfragen geben Obama auf diesem Gebiet einen klaren Kompetenzvorsprung. Und in Ohio könnte das Schicksal der amerikanischen Autoindustrie den Ausgang entscheiden. Obamas Rettungsprogramm hat dem Staat eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote beschert. Pennsylvania, einer der Staaten, der vor einigen Wochen noch für Romney erreichbar schien, gilt inzwischen mit einem Vorsprung von bis zu elf Prozent als sichere Demokratenhochburg.

Kommentare (3)

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Europaeer

16.09.2012, 16:32 Uhr

Da sich Romney mit der Tea-Party im eigenen Lager herumschlagen muss, sehe ich für ihn keine Chance bei der Wahl zum Präsidenten.

Es mag ja sein, dass die US-Amerkaner zum Teil anders ticken als die Europäer, aber die Strategie der konservativen Rechten, eine Politik der völligen Blockade zu betreiben und der übermächtige Wunsch, Obama einfach nur scheitern sehen zu wollen, wird im heutigen Amerika keine Mehrheit mehr bekommen.

Wenn sich die Republikaner nicht darauf besinnen, bei der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gesundung der USA aktiv mitzuwirken, werden sie auf absehbare Zeit keine Präsidenten mehr stellen.

Die Anhänger der Tea-Party mögen sich gut dabei fühlen, wenn sie völlig übertrieben auf alles eindreschen, was irgendwie nach sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit aussieht. Sie erweisen der republikanischen Partei und ihrem Kandidaten Romney aber einen Bärendienst und verprellen alle halbwegs gemäßigten Wähler.

Account gelöscht!

16.09.2012, 18:12 Uhr

@Europaeer

Romney hat scheinbar noch weniger Konzept als Obama. Aber nochmals vier Jahre den Schuldenkoenig Obama und den Gelddrucker Bernanke - hoffentlich nicht. Die Bubbles sind zum Bersten gefuellt.

Nicht dass ich von Romney begeistert bin. Aber vielleicht wird es mit ihm durch Zufall besser - auf mehr kann man bei diesen Kandidaten ja nicht hoffen. Aber als der Oberguru Greenspan weg war, dachte ich auch, es kann nur besser werden. Ich haette nie gedacht, dass es mit dem Bernanke noch viel, viel schlimmer kommen koennte ;-)

Account gelöscht!

17.09.2012, 22:23 Uhr

Also einige Umfragen sehen Romey vorne und ABC sieht beide etwa gleich auf - schon seit Tagen. Florida, Virginia, Colorado usw....alles knappe Geschichten. Also ganz nachvollziehbar ist der Artikel nicht. Auch klar, dass die US- Medien überwiegend im Demokratenboot sitzen, genauso wie bei uns die Medien sehr linkslastig sind. Würde man Ökonomen fragen wer mehr Ahnung von Wirtschaft hat, der Harvard BWLer (+Recht) der schon hunderte Unternehmen bewertet hat u. in der freien Wildbahn zum Multimillionär wurde- oder ein ebenfalls gut ausgebildeter Berufspolitiker der den Spzialismus predigt - dann müsste man nicht lange über die Frage nachdenken.

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