Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.11.2012

09:34 Uhr

US-Wahlkampf

Romney, der Räuber

In seinem Wahlkampf verkauft sich Romney gerne als Vorstandschef und versucht mit Wirtschaftskompetenz zu punkten. Doch die Realität sieht ganz anders aus.

Mitt Romney.

Mitt Romney.

New YorkGraue, gepflegte Haare, blaue Bluse. Noch heute sieht Cindy Hewitt aus, als ob sie in einer Personalabteilung eines Konzerns arbeiten würde. Aber ihren Job in der Personalabteilung von Dade Behring hat sie längst gekündigt. Der Grund: Mitt Romney.

Zuerst musste 1997 eine Fabrik von Dade Behring in Puerto Rico dran glauben. Das kommt vor, sagte sich Hewitt damals. Dann holte die Firma ein Dutzend Manager aus Puerto Rico zur Produktionsstätte nach Miami, wo Hewitt arbeitete. Aber nur wenige Wochen später wurde auch diese Fabrik geschlossen.

Auch das konnte Hewitt noch verstehen: Manchmal müssen harte Entscheidungen gefällt werden. Als sie aber den nach Florida geholten Mitarbeitern helfen wollte, zurück in ihr Heimatland zu gehen, stieß sie auf Granit: Das Unternehmen weigerte sich und verlangte stattdessen Tausende Dollar an Umzugskosten zurück, die es den Mitarbeitern erstattet hatte.

Das Team hinter Romney

Matt Rhoades

Romneys Wahlkampfmanager hat die Aufgabe, hinter den Kulissen für einen geschmeidigen Ablauf der Kampagne zu sorgen. Der 37-Jährige gilt als öffentlichkeitsscheuer und gewiefter Taktiker mit exzellenten Verbindungen zu konservativen Medien. Rhoades arbeitete bereits im Team des früheren US-Präsidenten George W. Bush für dessen Wiederwahl 2004. Bei Romneys erfolglosem Anlauf auf die republikanische Kandidatur 2008 fungierte er als Kommunikationsdirektor. Zwischenzeitlich war er bei der Lobbyfirma und Politikberatung DCI Group in Washington tätig.

Bob White

White gehörte in den 80er Jahren zu den Gründern der Investmentfirma Bain Capital und ist seitdem ein enger Vertrauter und Freund Romneys. Der Harvard-Absolvent war bereits bei Romneys gescheitertem Versuch dabei, dem mittlerweile verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy 1994 dessen Sitz in Massachusetts abzunehmen. Auch wenn White im Wahlkampf 2012 keine offizielle politische Rolle ausfüllt, dürfte das Wort des treuen Wegbegleiters für Romney großes Gewicht haben.

Beth Myers

Die "Washington Post" beschrieb Myers kürzlich als Romneys "Büro-Ehefrau" und meinte damit die enge berufliche Beziehung, die beide verbindet. Während Romney von 2003 bis 2007 in Massachusetts als Gouverneur amtierte, war Myers seine Kabinettschefin. Vor vier Jahren nahm sie die Rolle der Wahlkampfmanagerin ein. Derzeit hat sie die Aufgabe, einen geeigneten Vize-Kandidaten für Romney auszusuchen. Ihre politischen Sporen verdiente sich Myers einst im Wahlkampfteam von Ronald Reagan im Jahr 1980.

Eric Fehrnstorm

Der gelernte Journalist ist ebenfalls einer der engsten Berater, der seit der Gouverneurszeit in Massachusetts zu Romneys innerem Kreis gehört. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen vor allem die Wahlkampfspots. Im März leistete er sich einen Patzer, als er Romneys Kampagne mit einer Zaubertafel verglich - und damit den Eindruck erweckte, sein Chef könnte nach der Nominierung die erzkonservativen Töne aus dem Vorwahlkampf wegwischen und einfach durch moderatere Positionen ersetzen.

Peter Flaherty

Der frühere Staatsanwalt aus Boston arbeitete zunächst in Massachusetts und dann während der Präsidentschaftsbewerbung 2008 für Romney. Anschließend gründete er mit Myers und Fehrnstrom eine Politikberatung in Washington. Im Wahlkampfteam ist er dafür zuständig, Romneys Image bei der erzkonservativen und religiösen Wählerschaft aufzupolieren.

Spencer Zwick

Der erst 32-Jährige wacht über die Wahlkampfkasse von Romney, bereits vor vier Jahren war er für dessen Finanzen verantwortlich. Zwick lernte den Politiker als ehrenamtlicher Helfer bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City kennen, bei denen Romney Cheforganisator war. Beide verbindet mittlerweile ein fast familiäres Band: Romney und seine Frau Ann beschreiben den Mormonen als ihren "sechsten Sohn".

Die Verantwortung trug der heutige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Der Präsidentschaftskandidat baute 1984 die Private-Equity-Tochter der Wirtschaftsberatung mit Sitz in Boston auf. In 15 Jahren investierte er in 150 Firmen, Dade Behring war einer seiner größten Investments.

Unter seiner Leitung setzte der Medizinausrüster Kostensenkungen um, die in ihrer Gnadenlosigkeit Experten und Mitarbeiter erstaunten. Zugleich erhöhte Romney die Schuldenlast des Unternehmens stark, um sich hohe Dividenden auszahlen zu lassen.

Dieses Abkassieren lebte auch nach Romneys Amtsniederlegung 1999 weiter. Das ist das Fazit einer dem Handelsblatt vorliegenden Studie der Private-Equity-Experten der Goethe Universität Frankfurt. Sie untersuchten Investitionen von Bain Capital in namhaften Unternehmen wie Fast-Food-Ketten Burger King und Domino's Pizza oder Musikproduzent Warner Music.

Die Bilanz der Autoren Sven Fürth und Christian Rauch: Bain Capitals Restrukturierungsmechanismen würden "ausschließlich dem Zweck dienen, Rendite für Fundinvestoren zu generieren", schreiben Rauch und Fürth. Das sei an sich nicht weiter schlimm, so die Autoren, aber Bain würde das Ziel um jeden Preis verfolgen und daher "Portfoliofirmen massiven wirtschaftlichen Schaden" zufügen.

Die Studie zeigt laut James Angel, Private-Equity-Experte und Gastprofessor an der Georgetown University, "auf interessante Weise, wie Bain Capital Geld verdient".

Das Ganze ist nicht ohne Ironie. Denn in seinem Wahlkampf verkauft sich Romney gerne als den Vorstandschef, der durch seine wirtschaftliche Kompetenz Amerikas Wirtschaft wieder richten will. Gerne greift er Präsident Barack Obama als Schuldenmacher an, der den US-Haushalt in die roten Zahlen getrieben habe.

Dabei verschuldete Romney und seine Untergebenen bei Bain Capital ihre Gesellschaften bis zum Anschlag. Noch lange Zeit profitierte Romney auch nach seinem Abgang 1999 von den Sonderdividenden, wie die Autoren Rauch und Fürth herausfanden: "Er hielt Anteile an den entsprechenden Investmentfunds".

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.11.2012, 10:25 Uhr

Nicht wirklich überraschend: Romney und seine Gesellen als Männer für's Grobe, die in den Unternehmen diejenigen Verbrechen begehen, vor denen andere - in ihren Augen Unfähige - zurückgeschreckt haben. Aber bemerkenswert, dass sie offenbar noch Dümmere gefunden haben, von denen sie zeitweise Kredit aufnehmen konnten. Raubtiere fressen halt einander. Konservative Ideologie: Zuhause die Familie hochleben lassen und draußen kämpfen, messern, abschlachten dass sich die Balken rotfärben. Auf sauber machen aber verlogen bis in´s Knochenmark. Halt ein richtig symphatischer Mann, eine Bereicherung für diese Welt. Aber Mormonen arbeiten ja auf die Belohnung im Jenseits hin. Ist ja seit 9/11 auch von andern Religionen bekannt geworden.

Account gelöscht!

04.11.2012, 10:50 Uhr

mondahu hat den amerikanischen Wahlkampf gestern im HB wie folgt kommentiert:

'Expansion zieht sich wie ein roter Faden seit dem Unabhängigkeitskrieg durch die nordamerikanische Geschichte.
Ausgehend von den damals 13 Gründerstaaten haben die USA im 19. Jhdt zügig über den Kontinent expandiert, eine Versiebenfachung des Staatsgebiets. Als der Pazifik nachhaltig erreicht war, gab es 1890 eine schwere Wirtschaftskrise, aus der die USA erst wieder auftauchten als sie mit dem spanisch-amerikanischen Krieg die Welt außerhalb ihrer Grenzen entdeckten und interessant fanden. Im 20. Jhdt folgte dann die Expansion über die ganze Welt, wirtschaftlich gesehen von ähnlicher Dimension. Mit dem Ende der UdSSR 1989 war auch da die natürliche Grenze erreicht. Weiter expandieren? Ja, aber wie und wohin? Die USA haben es mit dem virtuellen Raum versucht (dot.com-Blase) und sind damit aufs Gesicht gefallen. Seitdem kannibalisieren sie sich selbst, anders kann man die zwischenzeitliche wirtschaftliche und politische Entwicklung garnicht bezeichnen.
Wären die USA ein Wirtschaftsunternehmen, würde man konstatieren, daß ganz einfach die Geschäftsidee und ein seriöser business plan fehlen. Beide Präsidentschaftskandidaten bieten da nicht den geringsten Ansatz dafür.'

Dem ist nichts hinzuzufügen, insbesondere was die letzten drei Sätze betrifft.

Novaris

04.11.2012, 11:21 Uhr

Welchen Sinn haben in den USA Wahlen, wenn im Ergebnis immer das gleiche herauskommt? Beide Kandidaten – Obama und Romney – vertreten die Interessen Israels und nicht die Interessen der USA. Beide Kandidaten vertreten die Interessen des militärischen Sicherheitskomplexes, der Agrargroßkonzerne und der Unternehmen, die alles auslagern. Sie stehen für die Unterdrückung der Gewerkschaften, die Abschaffung der Bürgerrechte und die Aushebelung der Verfassung, die einer uneingeschränkten Machtbefugnis der Regierung im Wege steht.
In den USA von heute regiert die Macht des Geldes. Nichts anderes zählt. Warum sollte man wählen, und so mit seiner Stimme die eigene Ausbeutung weiter unterstützen? Jedes Mal, wenn US-Amerikaner zur Wahlurne gehen, stimmen sie für ihre eigene Entmachtung und Entrechtung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×