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09.08.2012

17:19 Uhr

US-Wahlkampf

Romney wird die Steuer-Debatte nicht los

VonAstrid Dörner

Mitt Romney und die Steuern: Es ist kein gutes Kapitel in seinem Wahlkampf. Die Diskussion überlagert andere wirtschaftspolitische Themen. Auch das Dressurpferd seiner Frau ist Teil des Steuer-Streits.

Wegen der Steuer-Debatte kann Mitt Romney bei Wirtschaftsthemen weniger punkten als erwartet. Reuters

Wegen der Steuer-Debatte kann Mitt Romney bei Wirtschaftsthemen weniger punkten als erwartet.

New YorkVielleicht ist es nur ein Bluff. Aber er funktioniert! Es ist eine gute Woche her, als der Demokratische Senator Harry Reid in einem Interview offenbarte: Er habe aus einer "extrem glaubwürdigen Quelle" erfahren, dass Mitt Romney zehn Jahre lang gar keine Steuern gezahlt habe.

Die Nachricht sorgte für ein Beben im politischen Washington. Und es ist genau das, was der Verbündete von US-Präsident Barack Obama damit erreichen wollte: Reid hat es so geschafft, die skurrile Diskussion um Romneys Steuerunterlagen in den Mittelpunkt zu rücken. Selbst an Tagen, an denen ein Anstieg der Arbeitslosenquote gemeldet wird, kann der republikanische Präsidentschaftskandidat nicht mit seiner Wirtschaftskompetenz glänzen. Denn alle reden nur über eines: Das Geheimnis um seine Steuerunterlagen.

Das Team hinter Romney

Matt Rhoades

Romneys Wahlkampfmanager hat die Aufgabe, hinter den Kulissen für einen geschmeidigen Ablauf der Kampagne zu sorgen. Der 37-Jährige gilt als öffentlichkeitsscheuer und gewiefter Taktiker mit exzellenten Verbindungen zu konservativen Medien. Rhoades arbeitete bereits im Team des früheren US-Präsidenten George W. Bush für dessen Wiederwahl 2004. Bei Romneys erfolglosem Anlauf auf die republikanische Kandidatur 2008 fungierte er als Kommunikationsdirektor. Zwischenzeitlich war er bei der Lobbyfirma und Politikberatung DCI Group in Washington tätig.

Bob White

White gehörte in den 80er Jahren zu den Gründern der Investmentfirma Bain Capital und ist seitdem ein enger Vertrauter und Freund Romneys. Der Harvard-Absolvent war bereits bei Romneys gescheitertem Versuch dabei, dem mittlerweile verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy 1994 dessen Sitz in Massachusetts abzunehmen. Auch wenn White im Wahlkampf 2012 keine offizielle politische Rolle ausfüllt, dürfte das Wort des treuen Wegbegleiters für Romney großes Gewicht haben.

Beth Myers

Die "Washington Post" beschrieb Myers kürzlich als Romneys "Büro-Ehefrau" und meinte damit die enge berufliche Beziehung, die beide verbindet. Während Romney von 2003 bis 2007 in Massachusetts als Gouverneur amtierte, war Myers seine Kabinettschefin. Vor vier Jahren nahm sie die Rolle der Wahlkampfmanagerin ein. Derzeit hat sie die Aufgabe, einen geeigneten Vize-Kandidaten für Romney auszusuchen. Ihre politischen Sporen verdiente sich Myers einst im Wahlkampfteam von Ronald Reagan im Jahr 1980.

Eric Fehrnstorm

Der gelernte Journalist ist ebenfalls einer der engsten Berater, der seit der Gouverneurszeit in Massachusetts zu Romneys innerem Kreis gehört. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen vor allem die Wahlkampfspots. Im März leistete er sich einen Patzer, als er Romneys Kampagne mit einer Zaubertafel verglich - und damit den Eindruck erweckte, sein Chef könnte nach der Nominierung die erzkonservativen Töne aus dem Vorwahlkampf wegwischen und einfach durch moderatere Positionen ersetzen.

Peter Flaherty

Der frühere Staatsanwalt aus Boston arbeitete zunächst in Massachusetts und dann während der Präsidentschaftsbewerbung 2008 für Romney. Anschließend gründete er mit Myers und Fehrnstrom eine Politikberatung in Washington. Im Wahlkampfteam ist er dafür zuständig, Romneys Image bei der erzkonservativen und religiösen Wählerschaft aufzupolieren.

Spencer Zwick

Der erst 32-Jährige wacht über die Wahlkampfkasse von Romney, bereits vor vier Jahren war er für dessen Finanzen verantwortlich. Zwick lernte den Politiker als ehrenamtlicher Helfer bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City kennen, bei denen Romney Cheforganisator war. Beide verbindet mittlerweile ein fast familiäres Band: Romney und seine Frau Ann beschreiben den Mormonen als ihren "sechsten Sohn".

Seit Wochen kann der ehemalige Chef der Private-Equity-Firma Bain Capital die unangenehme Diskussion um sein Vermögen nicht abschütteln. Selbst die eigene Partei hat erkannt, dass Romneys Geheimniskrämerei gefährlich ist und wichtige Wählerstimmen zu kosten droht. Mehrere Unterstützer haben ihn deshalb bereits öffentlich aufgefordert, weitere Steuererklärungen zu veröffentlichen.

Romney spielt ein riskantes Spiel. Eigentlich wollte er ganz mit der US-Wahlkampftradition brechen und gar keine Steuerunterlagen veröffentlichen. Dabei war es ausgerechnet sein Vater George, der 1967 in seinem glücklosen Rennen ums Weiße Haus als Vorbild vorangegangen war. Die Unterlagen aus zwölf Steuerjahren präsentierte Romney senior damals der Öffentlichkeit - mit dem Argument: Wer nur die Unterlagen aus einem Jahr veröffentliche, könne viel einfacher tricksen.

Der erfolgsverwöhnte Mitt gab schließlich nach: Zähneknirschend legte er die Unterlagen für das Jahr 2010 vor und eine Schätzung für 2011. Der Inhalt war ein gefundenes Fressen für Obamas Team: 2010 hatte Romney noch drei Millionen Dollar auf einem Schweizer Bankkonto, das ein Jahr später jedoch aufgelöst wurde. Andere Teile seines auf rund 250 Millionen Dollar geschätzten Vermögens liegen in Steuerparadiesen wie den Bermudas und den Cayman Islands. Der Steuersatz betrug 2010 13,9 Prozent und damit deutlich weniger als die 35 Prozent, die viele andere Amerikaner zahlen müssen.

"Wie kann Romney das Thema wechseln?", wurde sogar in der Frühsendung des Fernsehsenders MSNBC diskutiert. Wie es scheint, derzeit nicht mit positiven Schlagzeilen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung sprach der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner unter Bezug auf den tödlichen Amoklauf an einem Sikh-Tempel von einem "Scheich-Tempel" und den "Scheich-Leuten" (englisch: sheik). Er sagte, er komme gerade aus Illinois, wo er an einer Schweigeminute zu Ehren der Menschen teilgenommen habe, die ihr Leben "an diesem Scheich-Tempel" verloren haben.

Er habe darauf hingewiesen, dass das Verbrechen aus vielen Gründen eine Tragödie sei, unter anderem deswegen, weil diese Menschen, "die Scheich-Menschen", zu den friedlichsten und liebenswürdigsten Personen zählten, die man sich vorstellen könne. Bei der Veranstaltung in Illinois hatte Romney den Namen der Sikh-Religion noch korrekt ausgesprochen.

Sein Sprecher Rick Gorka erklärte, der Kandidat habe "ähnlich klingende Wörter falsch ausgesprochen". Es liege ihm fern, gläubige Sikhs zu beleidigen.

Kommentare (6)

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09.08.2012, 21:55 Uhr

Scheich-Menschen ... Was kann man von College-Alumni in den USA eigentlich noch erwarten? Offensichtlich nicht viel! In puncto Allgemeinbildung stecken unsere Freunde anscheinend schon länger in der Rezession.

Liberaler

09.08.2012, 22:36 Uhr

Na was wäre die Welt/Deutschland ohne so tolle, kluge und perfekte Mitmenschen wie Sie. Letztens noch gelesen wie viele Weltkonzne in den USA in den letzten 30 Jahrn gegründet worden sind. Was haben Sie da zu bieten als Deutscher? Also außer Ihrem Amerika-Hass bzw Ihrer Überheblichkeit?

Account gelöscht!

09.08.2012, 23:14 Uhr

Da haben sie was falscher verstanden, wir hassen nur die Lügner, Betrüger und Mörder - egal aus welchem Land die kommen. Leider gibt es davon auch welche in den USA.

Was Romney angeht - er ist schon durch die Welt gereist und hatte mit allen wichtigen Staatsoberhäuptern gesprochen - meinen Sie das hätte er getan, wenn nicht schon feststeht, dass er der nächste Präsident wird?

Immer wenn ein Präsidentschaftskandidat das in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, wurde er der nächste Präsident.

Zufälle gibt's ^^

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