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03.12.2015

02:43 Uhr

USA

355 Massenschießereien in 336 Tagen

VonAxel Postinett

Der alltägliche Wahnsinn: Es vergeht praktisch kein Tag mehr, an dem nicht irgendwo in den USA eine Massenschießerei verübt wird – je nach Statistik. Über die Ursachen ist wenig bekannt. Aus politischen Gründen.

In einem Waffenladen in den USA (Archivfoto): Waffengegner versuchen zu belegen, dass Massenschießereien in den USA zum Alltag werden. dpa

Waffenladen in den USA

In einem Waffenladen in den USA (Archivfoto): Waffengegner versuchen zu belegen, dass Massenschießereien in den USA zum Alltag werden.

Los AngelesErneut erschüttert eine Massenschießerei die USA. Rund 100 Kilometer östlich von Los Angeles starben am Mittwoch mindestens 14 Menschen im Kugelhagel, noch mehr wurden offenbar verletzt.

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Doch während nach jedem Flugzeugabsturz staatliche Behörden penibel versuchen, die Ursachen aufzuklären, passiert das nach Massenschießereien nicht. Seit 1996 ist es den US-Gesundheitsbehörden verboten, staatliche Mittel für Ursachenforschung zu Waffengewalt zu verwenden.

Stattdessen hält die Webseite "Mass Shooting Tracker" das Grauen seit Jahren in nüchternen Zahlen fest. Da zeigt sich schnell: Die Schießerei in San Bernadino am Mittwoch ist alles andere als ein Einzelfall. Am frühen Mittwochmorgen starb bei einer Schießerei in Savannah in Georgia bereits eine Frau, drei Männer wurden verletzt. Doch solche Meldungen schaffen es in den USA schon gar nicht mehr über die lokalen Medien hinaus.

Ein neuer Tag, ein neue Massenschießerei? Das ist eine Frage der Definition. So zeichnen etwa die Statistiken der Anti-Waffen-Aktivisten, die sich in einer Gruppe der Diskussionsplattform Reddit.com organisiert haben, ein dramatischeres Bild als die offiziellen Zahlen der Bundesbehörde FBI.

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Denn das FBI spricht erst von einer Massenschießerei, wenn vier oder mehr Menschen in einem zeitlich eng begrenzten Zwischenfall getötet werden. Der Fall in Savannah taucht demnach in der Statistik gar nicht auf. Schließlich haben drei der Opfer überlebt.

Die Internetgruppe mit dem Namen „Guns are Cool“ dagegen will nicht auf Tote warten. Als Untergrenze für die statistische Relevanz definiert sie vier oder mehr Menschen, die getötet oder verletzt wurden. Nach dieser Definition hat das Jahr 2015 die Chance, als neues Rekordjahr in die Geschichte der amerikanischen Waffengewalt einzugehen. Als ein Hintergrund für die steigende Zahl der Opfer gilt, dass die Täter immer öfter mit legal erhältlichen, halbautomatischen Schnellfeuergewehren bewaffnet sind.

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