Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.08.2014

22:06 Uhr

USA-Afrika-Gipfel

"Afrika kann Handelsplatz der Zukunft werden"

US-Außenminister Kerry ist sich sicher, dass Afrika großes Potential neben seinen Rohstoffen hat. Der Kontinent müsse seine größte Ressource, seine Bevölkerung, stärken. Dazu gehörten Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

US-Charmeoffensive: Außenminister John Kerry (3. v. r.) bei einer Pressekonferenz am vierten August 2014 auf dem USA-Afrika-Gipfel in Washington D.C. AFP

US-Charmeoffensive: Außenminister John Kerry (3. v. r.) bei einer Pressekonferenz am vierten August 2014 auf dem USA-Afrika-Gipfel in Washington D.C.

WashingtonMit Blick auf die boomenden Märkte Afrikas hat die Regierung von US-Präsident Barack Obama Delegationen aus fast 50 Ländern des Kontinents in Washington empfangen. Der am Montag begonnene USA-Afrika-Gipfel ist das größte Treffen dieser Art, das bislang in den Vereinigten Staaten stattgefunden hat. US-Außenminister John Kerry hob das Potenzial des Kontinents hervor, auf dem große Teile der Bevölkerung in Armut leben.

"Afrika kann der Handelsplatz der Zukunft sein", sagte Kerry zum Auftakt des dreitägigen Treffens. Die Wirtschaft des Kontinents verzeichnet seit Jahren ein kräftiges Wachstum, für 2014 sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Anstieg in Afrika südlich der Sahara um 5,4 Prozent voraus.

"Das ist eindeutig ein Moment der Möglichkeit für alle Afrikaner", sagte Kerry bei einer Veranstaltung zu der US-afrikanischen Handelsvereinbarung AGOA. Der Außenminister rief die afrikanischen Länder auf, sich nicht nur auf ihren Rohstoffreichtum zu verlassen. Die "größte Ressource" des Kontinents sei "das Talent und die Fähigkeit und die Bestrebungen seiner Bevölkerung".

Rohstoffe aus Nordafrika

Mali

In dem Land, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, werden Bodenschätze vor allem im Norden vermutet. Abgebaut wird bisher nur Gold, weltweit belegt das Land hier den 18. Rang. Doch in der Region zwischen den bisherigen Islamistenhochburgen Kidal und Gao gibt es auch Uran. "Es handelt sich um eine ähnliche geologische Formation, wie die, die im benachbarten Niger die Uranminen des französischen Atomkonzerns Areva beherbergt", sagte die Afrikaexpertin Gaelle Aerson vor einiger Zeit dem Deutschlandfunk. Erdöl- und Erdgas-Projekte wurden laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) inzwischen wieder eingestellt.

Niger

Das Land stand 2011 bei der Uranproduktion weltweit an vierter Stelle, wie aus einer Energiestudie 2012 der Deutschen Rohstoffagentur hervorgeht. Frankreich, der größte Atomstromproduzent Europas, ist von dem Rohstoff abhängig. Und auch für die französischen Atomwaffen ist Uran unerlässlich. Nach Kasachstan ist Niger für Frankreich das zweitwichtigste Land, um seinen Uran-Bedarf zu decken. Deutschland wiederum deckt einen guten Teil seines Uranbedarfs aus Frankreich.

Im Niger baut der staatliche französische Atomkonzern Areva, 2011 der zweitgrößte Uran-Produzent weltweit, seit 40 Jahren Uran ab. Ende 2014 will Areva dort eine dritte Mine eröffnen, die nach Unternehmensangaben zur zweitgrößten weltweit werden soll. Derzeit sind vier Franzosen, die bei der Uranmine Arlit im Norden des Landes im September 2010 entführt wurden, nach wie vor Geiseln von Al-Kaida in Nordafrika (Aqmi). Neuerdings sichern auch Spezialkräfte der französischen Armee diese Areva-Anlagen. Mit den Minen machte Areva 2011 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.

Darüber hinaus gibt es im Niger auch Erdöl, das von einer chinesischen Firma gefördert wird. China ist dort auch im Uran-Abbau aktiv.

Algerien

Das nördliche Nachbarland Malis, in dem im Januar ein islamistisches Kommando hunderte Menschen in einer Gasanlage als Geiseln nahm, gehört für die deutsche Wirtschaft unter den zehn wichtigsten Ländern Afrikas für Raffinerieproduktion. Zwar liegen bei der Erdölproduktion weltweit andere Länder wie Saudi-Arabien weit vor Algerien. Doch für das nordafrikanische Land machen der Export von Erdöl, Erdgas und Raffinerieprodukten laut Auswärtigem Amt rund 98 Prozent seiner Deviseneinnahmen aus. Zudem verläuft von dort aus eine wichtige Pipeline zur Versorgung Südeuropas mit Erdgas.

Der Angriff der Islamisten auf das Gasfeld von In Aménas in Südalgerien wurde denn auch als Attacke auf die vitalen Interessen und als Versuch einer Destabilisierung Algeriens angesehen.

Libyen

Ähnlich ist die Lage in Libyen. Auch dort machen Energieexporte fast den gesamten Erlös im Außenhandel aus. Nach dem Umsturz im Jahr 2011 hat sich laut einem Bericht der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft die Erdölproduktion Anfang 2012 wieder weitgehend normalisiert. Die Produktion von Erdöl und Erdgas soll künftig deutlich ausgeweitet werden. Rund 40 Prozent der Landesfläche gelten demnach noch als unerforscht, es werden noch große Vorkommen in Libyen vermutet. Viele Großprojekte stehen wegen der politischen Unsicherheit aber still.

Derzeit vergeht in Libyen kaum ein Tag ohne einen Anschlag oder Angriff von Islamisten, die oft mit Gruppen in Algerien, Mali oder Niger zusammenarbeiten.

Quelle: dpa

Der USA-Afrika-Gipfel besteht aus zahlreichen Veranstaltungen, die bis Mittwoch an verschiedenen Orten in Washington stattfinden. Die Spannbreite der Themen bei den Diskussionsforen am Montag reichte von Nahrungsmittelsicherheit in Zeiten des Klimawandels über die Gesundheitspolitik bis zum Kampf gegen die Wilderei.

Der Dienstag steht im Zeichen des US-afrikanischen Wirtschaftsforums, das die beiderseitigen Handelsbeziehungen stärken soll. Anschließend lädt Obama die afrikanischen Staats- und Regierungschefs zu einem Abendessen ins Weiße Haus ein, ehe der Präsident am Mittwoch beim eigentlichen Gipfeltreffen mit seinen Gästen in drei Arbeitssitzungen über die künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit, Sicherheitsfragen wie den Kampf gegen den Terrorismus sowie gute Regierungsführung sprechen will.

Mit dem Gipfel reagieren die Vereinigten Staaten auf den wachsenden chinesischen Einfluss in Afrika. Bislang sind die USA nur drittwichtigster Handelspartner der afrikanischen Länder hinter der Europäischen Union und China. "Wir wollen und wir werden hart arbeiten, damit mehr amerikanische Firmen in Afrika investieren", sagte Kerry. Der US-Energieriese General Electric kündigte am Rande des Gipfels am Montag Investitionen in Höhe von insgesamt zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2018 in Afrika an.

Bereits vor einem Jahr hatte Obama während der ersten Afrika-Reise seiner Amtszeit mit Stationen im Senegal, in Tansania und in Südafrika für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen geworben. "Ich sehe Afrika als die nächste große Erfolgsstory der Welt - und die USA wollen ein Partner bei dem Erfolg sein", hatte der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten damals erklärt.

Kritiker werfen der US-Regierung vor, bei dem Gipfel Menschenrechtsfragen hinter die Wirtschaftsinteressen zurückzustellen. Kerry sprach das Thema am Montag vor Vertretern der Zivilgesellschaft aber an. "Eine starke Zivilgesellschaft, Respekt für die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte - das sind nicht nur amerikanische Werte, das sind universelle Werte", sagte er. Dabei versprach er den Einsatz der USA für die Pressefreiheit und die Rechte von Homosexuellen in Afrika.

Das Treffen in Washington wird überschattet von der Ebola-Epidemie in Westafrika, der bislang mehr als 880 Menschen erlagen. Die US-Regierung hatte angekündigt, die anreisenden Delegierten gründlich zu kontrollieren.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×