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21.10.2014

14:43 Uhr

USA diskutiert Manager-Gehälter

Fed-Vertreter wollen Bonus-Regeln für Banker verschärfen

William Dudley, Präsident der Fed in New York, glaubt nicht das die Finanzkrise nur auf das Konto „einiger schwarzer Schafe“ geht. Er will Änderungen beim Prinzip der Manger-Boni. Da ist er nicht allein.

William Dudley, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, will das zukünftig nicht mehr die Aktionäre die Strafen der Banken bezahlen müssen. Dafür möchte er das Prinzip der Manger-Boni ändern. Reuters

William Dudley, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, will das zukünftig nicht mehr die Aktionäre die Strafen der Banken bezahlen müssen. Dafür möchte er das Prinzip der Manger-Boni ändern.

New YorkAuch in den USA nimmt die Debatte um Millionen-Boni für Banker Fahrt auf. Der Präsident des Notenbank-Bezirks von New York, William Dudley, preschte auf einer Konferenz vor, die Boni erst mit zehn Jahren Verzögerung auszuzahlen und gegebenenfalls mit Strafen für das Geldhaus zu verrechnen.

Der bei der Federal Reserve für die Bankenregulierung zuständige Gouverneur Daniel Tarullo schlug auf der gleichen Veranstaltung vor, Banker nicht nur für zusätzliche Erlöse zu belohnen, die sie ihrem Institut brächten, sondern auch dafür, dass sie Verluste vermeiden oder Risiken frühzeitig erkennen.

Dudley, selbst bis 2007 ein führender Manager bei der Investmentbank Goldman Sachs, ging mit der Finanzbranche hart ins Gericht. „Ich halte nichts von dem Märchen, dass der heutige Zustand Ergebnis von Taten isolierter, skrupelloser Händler oder einiger schwarzer Schafe innerhalb der Unternehmen ist.“ Die größten Banken hätten seit 2008 zusammen weit mehr als 100 Milliarden Dollar Strafen bezahlt. Sie hätten das Vertrauen der Öffentlichkeit weitgehend eingebüßt.

Eine Lösung sei, als Boni nicht Aktien auszugeben, sondern in Form spezieller Anleihen, schlug Dudley am Montag vor. Dann könnten Strafen aus diesem Topf bezahlt werden, ohne die Aktionäre zur Kasse bitten zu müssen. „Wenn es zu einer Strafe kommt, würden die Anleihen verfallen“, sagte Dudley auf der von seinem Fed-Bezirk veranstalteten Konferenz über den Kulturwandel in der Branche.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Zudem sprach sich Dudley für ein branchenweites Zentralregister für Händler und andere Banker aus. Damit könne verhindert werden, dass Mitarbeiter, die ständig gegen die Regeln verstießen, sich einfach mit dem Wechsel des Arbeitgebers aus der Affäre zögen. Tarullo verwies darauf, dass die Aufseher in den USA zwar nicht als Strafverfolger tätig werden könnten, aber die Degradierung und Entlassung schwarzer Schafe erwirken und sogar Berufsverbote verhängen könnten.

Politik und Aufseher in Europa sind gedanklich schon weiter. Die EU-Kommission will die Boni vom nächsten Jahr an auf das Doppelte des jährlichen Fixgehaltes deckeln, sofern die Aktionäre zustimmen. Zahlreiche Banken zahlen Boni schon jetzt mit zum Teil mehrjähriger Verzögerung aus, um zu erkennen, ob die damit belohnten Erfolge sich als nachhaltig erweisen.

Von

rtr

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