Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.09.2014

08:50 Uhr

USA fliegen neue Angriffe

Auch die Bundeswehr startet in den Irakkrieg

Deutschland rüstet die Kurden im Irak mit Waffen für den Kampf gegen die IS aus. Die Eröffnung einer zweiten Front in Syrien kommt im Uno-Sicherheitsrat zur Sprache. Und der Brite Cameron stimmt sein Land auf Krieg ein.

Besatzung einer Bundeswehr-Transall (Archivbild): Panzerfäuste, Gewehren und Munition. Reuters

Besatzung einer Bundeswehr-Transall (Archivbild): Panzerfäuste, Gewehren und Munition.

DüsseldorfDie deutsche Waffenhilfe für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak läuft am Mittwoch an. Von Leipzig aus (ca. 13.30 Uhr) soll eine erste Maschine mit Panzerfäusten, Gewehren und Munition über die Hauptstadt Bagdad in das nördlich gelegene Kurdengebiet.

Dort sollen die Waffen an die Peschmerga-Armee übergeben werden. Diese hält dort seit Wochen dem IS-Vormarsch stand, obwohl sie bislang schlechter ausgestattet ist als die Truppen der Extremisten, die zahlreiche Arsenale geplündert und Waffen erbeutet haben. Insgesamt werden 10.000 kurdische Kämpfer mit Waffen für 70 Millionen Euro aus Bundeswehrbeständen ausgerüstet.

Mit dem internationalen Vorgehen gegen die Dschihadisten befasst sich am Mittwoch auch der Uno-Sicherheitsrat unter Leitung von US-Präsident Barack Obama. Die Krise dürfte zudem das beherrschende Thema der am selben Tag in New York beginnenden Generaldebatte der Vollversammlung der Vereinten Nationen sein.

Die USA hatten in der Nacht auf Dienstag gemeinsam mit fünf arabischen Verbündeten erstmals IS-Stellungen in Syrien beschossen. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden dabei 70 IS-Extremisten getötet. Zudem starben 50 Kämpfer der weitgehend unbekannten Chorasan-Gruppe, die mit dem syrischen Al-Kaida-Ableger verbunden ist. Chorasan soll nach Angaben des Pentagon kurz vor einem Terroranschlag in den USA oder Europa gestanden haben.

Am Mittwoch setzten die USA ihre Luftangriffe gegen IS-Ziele im Norden Syriens fort. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtergruppe für Menschenrechte wurden am Mittwoch Ziele nahe der Stadt Kobani an der türkischen Grenze angegriffen. Die Kampfflugzeuge hätten die Ziele aus Richtung Türkei angesteuert, es habe sich nicht um syrische Maschinen gehandelt.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Die US-Luftwaffe beschoss anschließend im Irak und in Syrien drei weitere Ziele. Es seien zwei Stellungen der Extremisten in Syrien südwestlich von Dair as-Saur bombardiert worden, teilte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida) mit. Im Irak gab es demnach einen weiteren Angriff nordwestlich der Hauptstadt Bagdad.

Die Angriffe in Syrien sind nach US-Angaben auf irakischen Wunsch erfolgt. „Die irakische Regierung hat die USA gebeten, internationale Maßnahmen anzuführen, um Stellungen und militärische Hochburgen des IS in Syrien anzugreifen“, schrieben die Vereinigten Staaten in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Irak habe um den Schutz seiner Bürger gebeten und um Hilfe bei der Sicherung seiner Grenzen.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

24.09.2014, 09:08 Uhr

Bundeswehr im Krieg? da die Luftwaffe keine Flugzeuge hat, die fliegen können, die Kapitäne sich weigern ihre Aufgaben, Auftrag zu erfüllen bleibt ja nur der Einsatz unserer Armee.

Herr C. Falk

24.09.2014, 09:30 Uhr

Von der Leyen übersieht wieder einmal, dass erst die gewollte Destabilisierung von Assad den Aufstieg von IS begünstigt hat. Der IS ist nicht vom Himmel gefallen sondern wurde von intessierter Seite istalliert,um den säkularen Assad, unter dessen Regime die verschiedenen Religionen in Syrien, die Sunniten, Schiiten, Christen,Jesiden, Alawiten, Drusen fiedlich zusammen lebten zu desstabilisieren.

Die Giftgasangriffe von Assad sind lediglich behauptet aber nicht bewiesen.

Von der Layen ist in ihrer Argumentation nicht seriös,sondern verkennt die Komplexität der Verhältnisse in der Region und offenbart nichts anderes als ihre pol. Unwissenheit und Naivität.

Herr walter danielis

24.09.2014, 10:05 Uhr

Herr C. Falk

Sie haben sicher recht. Allerdings unterstelle ich bei Frau v. d. Leyen nicht Naivität sondern Kalkül und Propaganda

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×