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16.01.2005

17:00 Uhr

USA lassen in Afghanistan Gefangene frei

"Wir sind misshandelt und gefoltert worden"

Die US-Streitkräfte haben 81 Häftlinge aus ihren Militärgefängnissen in Afghanistan entlassen. Sie waren im Gefolge des Afghanistan-Kriegs Ende 2001 von den US-Truppen und ihren Verbündeten als „feindliche Kämpfer“ festgenommen worden. Einige der Männer sagten nun, sie seien während ihrer Gefangenschaft misshandelt und gefoltert worden.

HB KABUL. Blass und müdewirkend verließen die zwischen 19 und 64 Jahre alten Männer am Sonntag das Gebäude des Obersten Gerichts. „Wir werden ihnen Kleidung geben und sie nach Hause schicken“, sagte der Präsident des Gerichtshofes, Fasl Hadi Schinwari. Seinen Angaben zufolge kamen die Männer vom US-Luftwaffenstützpunkt Bagram nördlich der Hauptstadt Kabul. Kurz vor ihrer Freilassung hatte Schinwari die Männer aufgerufen, nicht über ihre Zeit im Gefängnis zu sprechen. Dies könne den verbliebenen Insassen schaden.

„Ich wurde auf Grund falscher Informationen abgeholt“, sagte der 19-jährige Schad Alim der Nachrichtenagentur Reuters. „Sie haben mich mit Wasser überschüttet, am Schlafen gehindert und während der Befragung als Teil ihrer Folter geschlagen“, berichtete er. „Ich habe wirklich sehr schlechte Erinnerungen an die Verhöre, denn sie folterten uns“, sagte auch der 35-jährige Abdul Manan. „Aber als die Zeit der Verhöre vorbei war, war alles in Ordnung“, fügte er hinzu. Beide Männer stammen aus der Provinz Kunar im Osten Afghanistans.

Vorwürfe über Folter und die Misshandlung von Häftlingen durch US-Soldaten im Irak und auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba hatten weltweite Entrüstung ausgelöst und dem Ansehen der USA massiv geschadet. In Afghanistan hatten US-Streitkräfte nach ihrem Einmarsch und dem Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001 hunderte Männer unter dem Vorwurf verhaftet, Kämpfer der radikal-islamischen Taliban zu sein. Gefangene, die als großes Sicherheitsrisiko betrachtet wurden, wurden nach Guantanamo gebracht.

Dem Gerichtspräsidenten zufolge wollen die USA weitere Gefangene freilassen. „Es gibt weitere 400 Taliban in Bagram und das US-Militär hat versprochen, alle Taliban aus Bagram und Guantanamo Bay freizulassen“, sagte Schinwari. Berichten zufolge führt die Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zurzeit Friedensverhandlungen mit Vertretern der Taliban.

Die von den USA angeführten Truppen hatten das Regime der radikal-islamischen Taliban gestürzt, weil diese sich geweigert hatten, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden auszuliefern. Der Moslem-Extremist ist der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington. Noch immer suchen rund 18 000 US-Soldaten in Afghanistan nach flüchtigen Anhängern Al-Kaidas und der Taliban.

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