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13.08.2017

08:32 Uhr

USA

Mann rast bei Ultrarechten-Treffen in Gegen-Demo

Ausnahmezustand in der US-Stadt Charlottesville: Ein Treffen von Rechtsextremisten artet in Gewalt aus, es gibt ein Todesopfer. Präsident Trump wendet sich gegen Hass und Vorurteile – aber nennt die Schuldigen nicht beim Namen.

Rechtsextremismus in den USA

So eskalierte die Demo in Charlottesville

Rechtsextremismus in den USA: So eskalierte die Demo in Charlottesville

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CharlottesvilleEine Kundgebung von Rechtsextremisten in Charlottesville (US-Staat Virginia) ist am Samstag in Gewalt eskaliert. Nach Angaben der Polizei starb eine 32-jährige Frau, als ein Fahrzeug vermutlich absichtlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten raste und an einer Kreuzung zwei Autos rammte. Der Fahrer wurde nach Polizeiangaben festgenommen.

Bereits zuvor hatten sich Kundgebungsteilnehmer schwere Schlägereien mit Gegendemonstranten geliefert. Insgesamt wurden 35 Menschen verletzt, dem Sender CNN zufolge befanden sich fünf von ihnen am Samstagabend (Ortszeit) in kritischem Zustand. Zwei weitere Menschen kamen zudem beim Absturz eines Polizeihubschraubers bei Charlottesville ums Leben. Über die Ursache wurde zunächst nichts bekannt.

Die Alt-Right-Bewegung in den USA

Radikal und ultrarechts

Der Name „Alt Right“ in den USA ist eine Abkürzung der Website AlternativeRight.com und bedeutet in etwa „alternative Rechte“. Die ultrarechte Bewegung zählt einige tausend Anhänger. Sie ist offen rassistisch und bedient sich rechtsradikaler Ideologien.

„Überlegenheit der weißen Rasse“

Die Alt-Right-Bewegung spricht von einer auch intellektuellen „Überlegenheit einer weißen Rasse“, die sie gleichwohl von Nicht-Weißen bedroht sieht. Sie spricht sogar von einem Genozid an Weißen und hat einen rein weißen „Ethnostaat“ zum Ziel. Die Alt-Right-Bewegung sieht die USA von sogenannten Kulturfremden unterwandert. Sie beklagt ein Schrumpfen christlicher Weltanschauungen. Das Weltbild ist auch antisemitisch.

Tiefe Wurzeln

Unter dem in Amerika hochgehaltenen Schutz der Rede- und Meinungsfreiheit hat es immer auch rechtsradikale Gruppierungen und Ansichten gegeben, aber meist eher versprengt etwa in Milizen. Rassismus hat in der amerikanischen Kultur tiefe Wurzeln, aber seit dem Beginn der Bürgerrechtsbewegung hat es in den USA keine offen rassistische Bewegung größeren Umfangs mehr gegeben.

Im Aufwind

Die Alt-Right-Bewegung sieht sich im gesellschaftlichen Klima unter US-Präsident Donald Trump im Aufwind. Sie will die Mitte der Gesellschaft erreichen und bekennt sich auf Konferenzen und mit erheblicher Nutzung sozialer Medien offen und werbend zu ihrer ultrarechten Ideologie. Eine zentrale Figur ist Richard Spencer.

Präsident Donald Trump verurteilte zwar die „ungeheuerliche Gewalt“ vom Samstag, „Hass und Vorurteile“, aber nannte dabei die Kundgebung der Rechtsextremisten nicht direkt. Stattdessen sprach er pauschal von „Gewalt von vielen Seiten“.

Kommentatoren in verschiedenen Fernsehsendungen äußerten scharfe Kritik an der nach ihrer Ansicht nach laschen Reaktion des Präsidenten, dessen Wahl in rechtsextremen Kreisen bejubelt worden war. Kritiker haben Trump bereits in der Vergangenheit angelastet, sich nicht genügend von den Rechten distanziert zu haben.

Reaktionen auf Trumps Bermerkungen zu Charlottesville

Donald Trump

US-Präsident Donald Trump machte „viele Seiten“ für die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremisten und Gegendemonstranten in Virginia verantwortlich. Indes betonte er, dass es entsprechende Gewalt schon länger im Land gebe und gemeinsam entschlossen dagegen vorgegangen werden solle. „Wir verurteilen (...) diese unerhörte Zurschaustellung von Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten“, so Trump. „Das geht schon seit einer ganzen Weile so in unserem Land. Nicht (unter) Donald Trump. Nicht (unter) Barack Obama. Es geht schon seit einer langen, langen Zeit.“

Cory Gardner

Cory Gardner, republikanischer Senator aus Colorado via Twitter: „Mr. President - wir müssen das Böse beim Namen nennen. (...) Das war inländischer Terrorismus.“

Marco Rubio

Marco Rubio, republikanischer Senator aus Florida via Twitter: „Nichts ist patriotisch an #Nazis, dem #KKK oder #WhiteSupremacists Es ist das direkte Gegenteil von dem, was #America versucht zu sein.“

Orrin Hatch

Orrin Hatch, republikanischer Senator aus Utah: „Wir sollten das Böse bei seinem Namen nennen. Mein Bruder gab sein Leben nicht im Kampf gegen Hitler, damit Nazi-Ideen hier zu Hause unangefochten stehen können.“

Chris Christie

Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey und Trump-Unterstützer: „Wir lehnen Rassismus und Gewalt von weißen Nationalisten wie jenen in Charlottesville ab. Jeder in der Führung muss sich dagegen aussprechen.“

Michael Signer

Michael Signer, der Bürgermeister von Charlottesville und Demokrat: „Ich lege die Verantwortung für vieles, was Sie heute in Amerika sehen, direkt vor die Haustür des Weißen Hauses und Menschen um den Präsidenten.“

Mark Herring

Mark Herring, Justizminister im US-Staat Virginia und Demokrat: „Gewalt, Chaos und der Verlust von Leben in Charlottesville ist nicht die Schuld „vieler Seiten“. Es ist die von Rassisten.“

Adam Schiff

Adam Schiff, demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus via Twitter: „Es gibt nicht „viele Seiten“ hier, nur richtig und falsch.“

Bill Clinton

Ex-Präsident Bill Clinton via Twitter: „Auch wenn wir das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlung schützen, müssen wir Hass, Gewalt und White Supremacy verurteilen.“

Der Ausdruck „White Supremacy“ bezeichnet eine Bewegung, die die Vorherrschaft von Weißen in der Gesellschaft zum Ziel hat. Vertreter dieser Ideologie der Überlegenheit gehören jenem Spektrum an, in dem auch Rechtsextremisten und Nationalisten zu finden sind.

Notiert wurde auch, dass sich Trump am Samstag überhaupt erstmals – via Twitter – zur Gewalt in Charlottesville äußerte, nachdem Dutzende andere Politiker auch aus republikanischen Kreisen sie bereits stark verurteilt hatten. Dazu zählten der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, sowie die prominenten Senatoren Marco Rubio und Orrin Hatch.

Auch der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, richtete eine äußerst scharf formulierte Botschaft an die Rechtsextremisten. „Ihr seid hier nicht willkommen“, sagte er auf einer Pressekonferenz. „Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gibt hier keinen Platz für euch, und es gibt keinen Platz für euch in Amerika.“

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