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15.04.2017

08:58 Uhr

USA-Nordkorea-Konflikt

Nordkorea droht mit Vergeltung

Der Streit zwischen den USA und Nordkorea droht zu eskalieren. Die Führung in Pjöngjang droht mit „härtesten Gegenmaßnahmen“, sollte die USA sie angreifen. China und Russland rufen zur Mäßigung.

Der nordkoreanische Machthaber verdeutlichte zuletzt, nicht von seinem Kurs abrücken zu wollen. Das sorgt für geopolitische Unsicherheit. dpa

Kim Jong Un

Der nordkoreanische Machthaber verdeutlichte zuletzt, nicht von seinem Kurs abrücken zu wollen. Das sorgt für geopolitische Unsicherheit.

Washington/PekingNordkorea hat den USA mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht, sollten sie ihre Provokationen“ gegen das kommunistisch regierte Land nicht einstellen. Die „militärische Hysterie“ der Regierung von Präsident Donald Trump habe eine „gefährliche Phase erreicht, die nicht länger übersehen werden kann“, hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. „Unsere härtesten Gegenmaßnahmen gegen die USA und ihre Vasallen-Kräfte werden in einer solch gnadenlosen Weise ergriffen, dass sie ein Überleben der Aggressoren nicht zulassen.“

Gleichzeitig präsentierte das Militär auf einer Parade anlässlich des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung offenbar neue Langstrecken- und U-Boot-gestützte Raketen. Derweil nahm ein nukleargetriebener US-Flugzeugträger samt Flottenverband weiter Kurs auf die Region.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

Ausgerechnet China ruft im Nordkorea-Konflikt angesichts der Machtdemonstration der USA und Drohungen aus Pjöngjang zur Zurückhaltung auf. Es dürfe nicht so weit kommen, dass die Spannungen ein „unumkehrbares und nicht zu beherrschendes Stadium“ erreichten, sagte Außenminister Wang Yi am Freitag in Peking. Gleichzeitig geht China auf Distanz zu Nordkorea. Die staatliche Fluggesellschaft Air China hat ihre Flüge von Peking nach Pjöngjang gestrichen. In Berichten staatlicher Medien hieß es am Samstag, das sei eine wirtschaftliche Entscheidung aufgrund geringer Flugbuchungen. Eine am Samstag erreichte Mitarbeiterin einer Buchungs-Hotline sagte, es werde im April keine Flüge nach Pjöngjang geben. Laut Flugplan werde die Verbindung wieder im Mai, Juni und Juli bedient. Tickets dafür könnten jetzt aber noch nicht gekauft werden.

Seit das US-Militär mit Bombenabwürfen in Syrien und Afghanistan eingegriffen hat, wachsen die Sorgen, Präsident Donald Trump könne ähnliche Pläne für Nordkorea hegen. Er hat bereits den Flugzeugträger „Carl Vinson“ in die Region um die koreanische Halbinsel beordert. Ein Vertreter der US-Regierung wies aber einen Bericht über die Vorbereitung eines Präventivschlages gegen Nordkorea zurück. Allerdings gibt es auch Befürchtungen, Nordkorea könnte einen sechsten Atomwaffentest oder neue Raketentests unternehmen. Der „Tag der Sonne“, der 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung am Samstag, könnte dafür einmal mehr Anlass sein.

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Erstmals hat die USA die sogenannte „Mutter aller Bomben“ eingesetzt. Die Riesenbombe tötete in Afghanistan mindestens 36 IS-Kämpfer. Lobende Worte gab es von höchster politischer Stelle – doch es bleiben offene Fragen.

Neben China mahnte auch Russland zur Mäßigung. „Wir rufen alle Länder zur Zurückhaltung auf“, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow in Moskau. „Wir rufen alle Länder auf, auf alle Aktionen zu verzichten, die zu Provokationen führen könnten.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für ein gemeinsames Vorgehen der USA und Chinas aus. „Ich setze nicht auf militärische Mittel, sondern darauf, dass von verschiedenen Seiten starker politischer Druck auf Nordkorea ausgeübt wird“, sagte sie der Funke-Mediengruppe. Wenn dies China und die USA gemeinsam täten, werde das nicht ohne Wirkung bleiben.

China ist der einzige wichtige Verbündete Nordkoreas, lehnt aber dessen Atomwaffenprogramm strikt ab und dringt auf Verhandlungen. „Wir rufen alle Parteien auf, von gegenseitigen Provokationen und Drohungen abzusehen – seien sie in Wort oder Tat“, sagte Außenminister Wang.

Am Donnerstag hatte es in einem Leitartikel der unter staatlicher Schirmherrschaft erscheinenden „Global Times“ geheißen: „Sobald Nordkorea sich an Chinas erklärten Rat hält und Atomaktivitäten aussetzt, wird China aktiv daran arbeiten, die Sicherheit einer entnuklearisierten nordkoreanischen Nation und des Regimes zu schützen.“ Dies sei die beste Option der Führung in Pjöngjang.

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