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13.04.2015

12:09 Uhr

USA

Pläne für Anti-IS-Kämpferausbildung stoßen auf Kritik

Zur Unterstützung der Luftangriffe gegen den Islamischen Staat wollen die USA mit Unterstützung der Türkei innerhalb von drei Jahren insgesamt 15.000 Kämpfer ausbilden. Experten bezweifeln, dass das sinnvoll ist.

US-Verteidigungsminister Ash Carter (L) und Außenminister John Kerry. Die US-Pläne stoßen auf Gegenwind. Reuters

Kerry und Carter

US-Verteidigungsminister Ash Carter (L) und Außenminister John Kerry. Die US-Pläne stoßen auf Gegenwind.

IstanbulDer Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hat mit einem Pakt zwischen den USA und der Türkei zur Ausbildung und Bewaffnung syrischer Aufständischer neuen Auftrieb erhalten. Doch zwei Monate nach Abschluss des Pakts ist das Programm noch nicht richtig in Gang gekommen, die Stimmung ist skeptisch. Türkische Regierungsvertreter, syrische Rebellen und sogar frühere US-Berater bezweifeln offen, ob das Projekt jemals einen entscheidenden Einfluss auf das Gefechtsgeschehen haben kann.

Das US-Verteidigungsministerium arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an einer Liste potenzieller Kämpfer, die im Rahmen des Programms mit einem Volumen von 500 Millionen Dollar (470 Millionen Euro) ausgebildet werden sollen.

Ziel ist, die Luftangriffe gegen den Islamischen Staat (IS) durch eine schlagkräftige Bodentruppe zu unterstützen. Türkische Regierungsbeamte, die den Start des Programms ursprünglich mit März angegeben hatten, streben nun einen Beginn im Mai an.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Sie sagen, sie erwarteten von den USA noch eine Strategie, wie die ausgebildeten Kämpfer in Syrien stationiert oder geschützt werden sollen. US-Vertreter sagen zwar, sie behielten die Strategie für sich, um dem Feind keine Hinweise zu geben, doch amerikanische Beobachter, die mit den Planern gesprochen haben, sind skeptisch.

„Mein Gefühl ist, sie haben keine echte Strategie im Sinn von etwas, womit tatsächlich ein Ziel erreicht werden könnte“, sagt Frederic Hof, ein früherer Berater der Regierung von US-Präsident Barack Obama für den Übergang in Syrien. Hof, heute ein Fellow des Atlantikrats mit Sitz in Washington, bezeichnet das Programm als Platzhalter für den Fall, dass die Regierung den Kampf in Syrien forcieren will.

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