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05.03.2013

19:14 Uhr

USA und China einig

Nordkorea erwarten harte Sanktionen

Noch in dieser Woche wollen die UN besonders scharfe Strafmaßahmen gegen Nordkorea beschließen. Die Sanktionen sollen das Atomprogramm empfindlich treffen. Indes droht das Regime gar mit Kündigung des Waffenstillstands.

Die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice, nach der Sitzung des Sicherheitsrats. dpa

Die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice, nach der Sitzung des Sicherheitsrats.

New York/SeoulVor dem Hintergrund des jüngsten nordkoreanischen Atomtests haben sich die USA und China im UN-Sicherheitsrat auf neue Sanktionen gegen Pjöngjang verständigt. Über einen Resolutionsentwurf werde noch in dieser Woche abgestimmt, sagte die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice, am Dienstag in New York. Die Strafmaßnahmen sollen sich gegen nordkoreanische Diplomaten und den Zahlungsverkehr mit dem abgeschotteten Land richten.

Rice sagte nach einer Sitzung des Sicherheitsrats, dass die Resolution die Sanktionen gegen Nordkorea „auf die nächste Ebene“ heben werde. Erstmals würden die „illegalen Aktivitäten“ der Diplomaten Pjöngjangs, die Bankbeziehungen Nordkoreas sowie der „gesetzwidrige Transfer von Bargeld“ ins Visier genommen.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

„Wir müssen die Möglichkeiten Pjöngjangs zur Aufrüstung unterbinden“, sagte US-Botschafterin Rice. Die Sanktionen würden Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm empfindlich treffen. „Und sie beinhalten unsere Bereitschaft, sie weiter zu verstärken, wenn es zu einem neuen Raketenstart oder Atomtest kommt.“ Rice sagte, sie hoffe auf eine Annahme der Resolution noch in dieser Woche. „Die internationale Gemeinschaft ist einig und sehr entschlossen. Wenn Pjöngjang dagegen vorgeht, wird es sich nur noch weiter isolieren.

Pjöngjang hatte am 12. Februar einen unterirdischen Nuklearwaffentest unternommen und damit weltweit Sorge und Empörung ausgelöst. Nach 2006 und 2009 war es der erste Atomtest unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un, der Nordkorea seit dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011 mit eiserner Hand führt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte den Atomtest bereits in einer Erklärung als „eindeutige Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit“ verurteilt. Ende Januar hatten die 15 Mitglieder des Gremiums außerdem die Sanktionen gegen Pjöngjang verschärft, nachdem das Land im Dezember eine Langstrecken-Rakete getestet hatte.

Die Resolution als Antwort auf einen nordkoreanischen Atomtest vor drei Wochen soll in den nächsten Tagen zur Abstimmung gestellt werden. Eine Annahme gilt als sicher, weil selbst China als engster Verbündeter Pjöngjangs sie befürwortet. Peking kann als eines der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates jede Aktion mit einem Veto blockieren, selbst gegen eine 14:1-Mehrheit.

Nordkorea hatte indes unmittelbar vor der Sitzung des Sicherheitsrates mit Aufhebung der Waffenstillstandsvereinbarung gedroht, die seit 60 Jahren die explosive Lage auf der Halbinsel bändigt. Pjöngjang begründet seine Drohung vor allem mit einem Militärmanöver der US-Streitkräfte mit Südkorea. „Wenn die Übungen nach dem 11. März in ihre Hauptphase treten, wird der Waffenstillstandsvertrag, der nur dem Namen nach bestanden hat, beendet sein“, wurde die Armee von Staatsmedien zitiert.

Kommentare (3)

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stefan14

05.03.2013, 21:48 Uhr

Linke sind genauso gefährlich wie rechte Ideolien. Nordkorea, Korea und Stalin sind Beweise. Rechte und Linke haben genug angerichtet. Also, nicht nur die NPD, sondern auch die Linke verbieten. Leider fehlt durch die Gier die ideele Klärung.

meerwind7

05.03.2013, 21:52 Uhr

Das wichtigste Datum fehlt in der Chronologie: Der Zeitpunkt des Beitritts zum Atomwaffen-Sperrvertrag. Erst dadurch verstösst Nordkorea gegen das Völkerrecht. Ebenso Iran, anders Israel.

Account gelöscht!

06.03.2013, 00:14 Uhr

Linke wie Rechte,bitte nicht nur die jede art von extreme sind gefährlich wie Islamisten

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