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29.08.2015

08:53 Uhr

USA und die Flüchtlingsfrage

Trump träumt von einer Berliner Mauer

VonAxel Postinett

Nicht nur Europa, auch die USA haben ein Einwanderungsproblem: An der Grenze zu Mexiko spitzt sich die Lage immer weiter zu. Dort sterben täglich Menschen – und die politischen Schuldzuweisungen werden immer drastischer.

Ihre Flucht ist gescheitert: Grenzpolizisten halten Mexikaner fest, die in die USA fliehen wollten. AFP

An der Grenze

Ihre Flucht ist gescheitert: Grenzpolizisten halten Mexikaner fest, die in die USA fliehen wollten.

New YorkDie Bilder des LKW aus Österreich, in dessen Laderaum die Leichen von 71 Flüchtlingen gefunden wurden, sind in den USA kaum eine Nachricht wert. Denn so etwas ist in Amerika seit vielen Jahren traurige Realität. Wer in Texas morgens in Richtung mexikanische Grenze fährt, muss auf das Schlimmste gefasst sein. So wie Mike „Doc“ Vickers aus Brooks County, wenn er als Tierarzt bei dem Vieh seiner Kunden nach dem Rechten sieht. Er hat Fotos gemacht, von denen er einige – nicht die Grausigsten – der britischen „Daily Mail“ gezeigt hat.

Da ist der halbverweste Mann mit blankem Oberkörper, mit dem Rücken an einen Baum gelehnt, die Augenhöhlen leer. Die Falken waren schon da. „Er musste sich offenbar ausruhen, hat sich an den Baum gesetzt, und da ist er dann auch gestorben.“

Vickers ist Mitglied der Organisation „Texas Border Volunteers“, die versuchen zu retten, was zu retten ist. Oft vergeblich. Alleine von 2012 bis Mitte 2014 haben sie in Süd-Texas die Leichen von 259 Menschen gefunden, die illegal die Grenze in die USA überqueren wollten. Und nicht nur das: „Es sind unglaublich viele Frauen dabei.“ Frauen und Kinder – die Schwachen sterben zuerst.

Nicht nur Europa, auch Amerika hat ein Einwanderungsproblem. Die Flüchtlinge kämpfen sich bei Nacht durch die Wüstengrenze zwischen den USA und Mexiko, zu Fuß oder in klapprige Lastwagen gepfercht. Am Tag verdursten sie in der erbarmungslosen Hitze, werden von Schleppern im Stich gelassen, missbraucht oder als Sklaven in die Prostitution verkauft.

Wer das überlebt, der wird von amerikanischen Grenzpolizisten mit Hubschraubern und Drohnen gejagt, verhaftet oder deportiert. Erst im März wurden 36 bereits völlig unterkühlte Flüchtlinge bei einer Kontrolle im texanischen Falfurrias aus einem Kühlwagen befreit.

Nur die Wenigsten schaffen es, sich in die Anonymität einer der großen Städte zu retten, bevorzugt eine wie San Francisco. Es sind Städte, die sich den Status einer „Sanctuary City“ gegeben haben. Sie arbeiten mit den Bundesbehörden nicht zusammen, um Illegale zu finden und zu verhaften.

Zahlen und Fakten zu Flüchtlingen

219.000 Menschen...

...flohen laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35.000.

3500 Menschen...

...kamen 2014 bei ihrer Flucht ums Leben oder werden vermisst; im laufenden Jahr sind es bis zum 20. April 1600.

170.100 Flüchtlinge...

...erreichten 2014 über das Meer Italien (Januar bis März 2015: mehr als 10.100); weitere 43.500 kamen nach Griechenland, 3500 nach Spanien, 570 nach Malta und 340 nach Zypern.

66.700 Syrer...

...registrierte die EU-Grenzschutzagentur Frontex 2014 bei einem illegalen Grenzübertritt auf dem Seeweg, 34.300 Menschen kamen aus Eritrea, 12.700 aus Afghanistan und 9800 aus Mali.

123.000 Syrer...

...beantragten im vergangenen Jahr in der EU Asyl (2013: 50.000).

202.700 Asylbewerber...

...wurden 2014 in Deutschland registriert (32 Prozent aller Bewerber), 81.200 in Schweden (13 Prozent) 64.600 in Italien (10 Prozent), 62.800 in Frankreich (10 Prozent) und 42.800 in Ungarn (7 Prozent).

Um 143 Prozent...

...stieg die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zu 2013 in Italien, um 126 Prozent in Ungarn, um 60 Prozent in Deutschland und um 50 Prozent in Schweden.

Mit 8,4 Bewerbern...

... pro tausend Einwohner nahm Schweden 2014 im Verhältnis zur Bevölkerung die meisten Flüchtlinge auf. Es folgten Ungarn (4,3), Österreich (3,3), Malta (3,2), Dänemark (2,6) und Deutschland (2,5).

600 000 bis eine Million Menschen...

...warten nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Libyen, um in den nächsten Monaten die Überfahrt nach Italien oder Malta zu wagen.

„Illegals“, Illegale: Das ist das Reizwort des Jahres. Nach Berechnungen des Forschungsinstituts PEW Research Center lebten 2014 unter den rund 321 Millionen US-Bürgern gut 11,4 Millionen undokumentierte Einwanderer. Vier von hundert Menschen auf Amerikas Straßen haben keine gültigen Papiere. Nach einem steilen Anstieg von 3,5 Millionen auf 12,2 Millionen in 2007 sank die Zahl wieder leicht.

52 Prozent davon, so PEW, kommen aus Mexiko, doch die Zahl der Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten, Asien und Afrika steigt seit rund acht Jahren leicht an. Stabil auf geringem Niveau ist die Zahl der europäischen Illegalen in den USA. Sie kommen normalerweise legal mit einem Touristen- oder Arbeitsvisa und bleiben dann einfach da.

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