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14.08.2015

08:59 Uhr

USA und Kuba

„Seid willkommen, Ihr Gringos“

VonKlaus Ehringfeld

Nach 70 Jahren Eiszeit eröffnet am Freitag die erste US-Botschaft in Havanna – nur ein Schritt eines langen Weges. Viele Kubaner freuen sich auf den ehemaligen Feind des Nordens, doch nicht alle.

Eine Epoche geht zu Ende: Kuba und die USA geben sich auch symbolisch die Hand. AFP

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Eine Epoche geht zu Ende: Kuba und die USA geben sich auch symbolisch die Hand.

HavannaIn diesen Tagen, in denen eine Epoche zu Ende geht, wirkt in Havanna alles so wie immer. Die Interessenvertretung der USA, ein trotziger und klotziger Betonbau an der malerischen Uferpromenade Malecón, steht weiter wie ein kleiner Staat im Staate, ein eckiges Gebäude mit Fenstern wie Schießscharten. 50 Konsularbeamte bearbeiten hier die Visaanträge und verlosen Aufenthaltserlaubnisse. 

An dem Gebäude, auf dem von Freitag an wieder die US-Flagge wehen wird, war kalter Krieg lange ganz heiß, als die USA im obersten Stockwerk des Gebäudes nachts leuchtende elektronische Spruchbänder laufen ließen und mehr Freiheiten im Land der Castros einforderten. Diese zogen gleich gegenüber des Gebäudes einen Fahnen-Wald auf, beschallten den Klassenfeind mit Revolutionspropaganda und ließen Sinnsprüche montieren: „Vaterland oder Tod“, zum Beispiel.

Die belehrenden Spruchbänder gibt es schon lange nicht mehr. Aber Fahnenmasten und Sinnsprüche sind geblieben. Doch sie wirken heute aus der Zeit gefallen, ein Relikt von mehr als einem halben Jahrhundert mehr oder minder offener Feindschaft zwischen den USA und Kuba. Zwei Länder, die sich geografisch so nah sind und doch ideologisch immer so fernblieben.

Geändert hat sich daran nichts, aber die Politik hat auch hier über die Ideologie gesiegt. Und so wird nun am Freitag US-Außenminister John Kerry als erster Chef des State Departement seit 70 Jahren auf die kommunistisch regierte Karibikinsel reisen und die Interessensvertretung zu einer vollgültigen diplomatischen Vertretung machen. Der Erzfeind ist Neufreund. Auch wenn der erste Streit programmiert scheint: Kerry will zum Empfang nach der feierlichen Eröffnung die kubanische Opposition laden. Das wird der Regierung in Havanna nicht gefallen.

Kuba und die USA - von der Eiszeit zur Normalisierung

Von der Eiszeit zur Normalisierung

Putschversuch, Seeblockade, Handelsembargo - die Beziehungen zwischen den USA und der sozialistischen Republik Kuba waren mehr als ein halbes Jahrhundert angespannt bis feindlich.

1960

Washington erlässt ein Teilembargo. Schon unmittelbar nach der Revolution 1959 hatten die USA die Wirtschaftshilfe eingestellt und die Einfuhr von Zucker gedrosselt, Kubas wichtigstem Exportgut.

1961

Im Januar bricht Washington seine diplomatischen Beziehungen zu Havanna ab. Im April versucht eine Söldnertruppe von Exilkubanern, mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA das Regime zu stürzen. Kubas Revolutionsarmee schlägt die Invasion in der Schweinebucht zurück.

1962

Die USA verhängen ein komplettes Embargo über den Handel mit Kuba. Die Kubakrise führt die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Wegen der Stationierung sowjetischer Atomraketen auf der Insel verhängt US-Präsident John F. Kennedy eine Seeblockade, Kremlchef Nikita Chruschtschow zieht die Raketen wieder ab.

1977

16 Jahre nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen eröffnet Washington in Havanna eine Interessenvertretung unter dem Dach der Schweizer Botschaft.

1982

Washington wirft Kuba vor, Terroristen in anderen Staaten zu unterstützen und setzt das Land auf die US-Terrorliste.

1992

Der US-Kongress verabschiedet den „Cuban Democracy Act“, der US-Firmen in Drittländern jeden Kuba-Handel untersagt.

1999

Die USA lockern ihre Sanktionen. So soll es künftig mehr Charterflüge nach Kuba geben.

2001

Firmen aus den USA liefern erstmals seit der Verhängung des Handelsembargos vier Jahrzehnte zuvor wieder Lebensmittel an Kuba.

2004

US-Präsident George W. Bush verschärft Reisebeschränkungen für US-Bürger und schränkt Geldüberweisungen weiter ein.

2009

US-Präsident Barack Obama hebt die Reisebeschränkungen für Exilkubaner auf. Außerdem dürfen sie wieder Geld nach Kuba schicken. Bald darauf gibt es auch wieder Gespräche auf Regierungsebene.

2015

Im Januar beginnen offizielle Verhandlungen zur Normalisierung der bilateralen Beziehungen. Im Mai wird Kuba von der US-Terrorliste gestrichen. Mit der Eröffnung von Botschaften werden die diplomatischen Beziehungen im Juli wieder hergestellt.

Und wenn man in diesem heißen Sommer die Menschen in Havanna fragt, was sie von der Annäherung halten, dann kommt fast nur Zustimmung. Man hat das Gefühl, dass die Politik endlich das macht, was die Kubaner schon lange wollten. Desto mehr US-Amerikaner kämen, umso besser, heißt es oft. „Wir wollen mehr Internet, mehr Smartphones, mehr coole Klamotten und mehr Musik“, fordern die Jüngeren. „Wir brauchen das Geld, den Input“, sagen die Älteren.

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