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23.02.2017

17:11 Uhr

USA und Mexiko

Die Gefahr lauert hinter der Grenze

Eine Mauer zwischen Mexiko und den USA – US-Präsident Donald Trump will sie bauen. Aber noch gibt es Stellen mit offenen Grenzen: zum Beispiel in Boquillas del Carmen. Die Grenzgebiete sind alles andere als ungefährlich.

Drogen, Schlepper und Gewalt gibt es in den Grenzgebieten zwischen Mexiko und Amerika zuhauf. dpa

Grenze zwischen den USA und Mexiko

Drogen, Schlepper und Gewalt gibt es in den Grenzgebieten zwischen Mexiko und Amerika zuhauf.

Boquillas del CarmenAdrian Valdez legt sich in die Riemen: 18 Ruderschläge, dann läuft sein Aluboot sanft knirschend auf die Sandbank auf. 18 kräftige Züge, mehr trennt Mexiko und die USA nicht am Rio Grande zwischen dem Dorf Boquillas del Carmen und dem Big Bend Nationalpark in Texas. „Ich fahre jeden Tag in die USA, um Touristen abzuholen. Aber ich gehe nie an Land. Ich habe kein Visum“, sagt Valdez. Er ist der Fährmann des „International Ferry Service“ am Rio Grande. Was nach einem großen Fährbetrieb klingt, ist ein kleines Familienunternehmen: Etwa 40 Besucher pro Tag schippert er über den Fluss.

US-Präsident Donald Trump will an der Grenze zwischen den USA und Mexiko eine Mauer errichten, um Drogenschmuggel und illegale Einwanderung zu stoppen. Auf etwa 1000 Kilometern ist die Grenze bereits mit hohen Metallzäunen gesichert. Beamte der Border Patrol patrouillieren auf Quads, in Jeeps und zu Pferd. Drohnen überwachen den Luftraum, Schnellboote jagen die Küsten entlang. An den Übergängen zwischen Tijuana und San Diego sowie zwischen Ciudad Juárez und El Paso gibt es strenge Kontrollen. In Boquillas del Carmen hingegen steht die Grenze sperrangelweit offen.

Die sieben Trümpfe Mexikos gegen die USA

Handel

Nach Kanada und noch vor China ist Mexiko der zweitwichtigste Importeur von US-Produkten. Auch wenn die USA ein Außenhandelsdefizit von rund 60 Milliarden US-Dollar (56 Milliarden Euro) zu Mexiko aufweisen, werden jährlich für mehr als 230 Milliarden US-Dollar (214 Milliarden Euro) Produkte in das Nachbarland verkauft.

Arbeitsplätze

Sechs Millionen Beschäftigte hängen in den USA vom Handel mit Mexiko ab. 40 Prozent der Einzelteile in mexikanischen Produkten werden zunächst in den Vereinigten Staaten hergestellt, nach Mexiko exportiert und nach ihrer Verarbeitung wieder an die USA verkauft.

Geschäftspartner

Für viele US-Bundesstaaten ist Mexiko ein unerlässlicher Handelspartner. Für die Grenzstaaten Texas, Arizona und Kalifornien ist das Nachbarland sogar der wichtigste Abnehmer für Exporte. Mexiko kauft mehr Schweinefleisch, gelben Mais und Fruktose aus den USA als jedes andere Land.

Ausleiferungen

Mexiko arbeitet bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität eng mit den Vereinigten Staaten zusammen. Zwischen 2000 und 2015 lieferten die mexikanischen Behörden mehr als 900 polizeilich gesuchte Personen an die USA aus. Der wohl bekannteste Fall ist der kurz vor dem Amtsantritt von Donald Trump ausgelieferte Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán.

Abschiebungen

Die Grenze zwischen beiden Ländern ist fast 3200 Kilometer lang. Mexiko hilft dabei, illegale Migranten bereits vor der Grenze zu stoppen. Im vergangenen Jahr schoben die Behörden 165 000 Mittelamerikaner in deren Heimatländer ab.

China

Die chinesische Regierung hat seit Jahren ihren wirtschaftlichen Einfluss in Lateinamerika ausgebaut. Mexiko pflegt eine gute Beziehung zu China. Die Länder könnten sich wirtschaftlich noch weiter annähern und ein Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten bilden, wenn die USA sich weiter von China abschotten.

Wirtschaftskrise

Die US-Regierung will mexikanische Produkte mit hohen Schutzzöllen belegen, Investitionen in Mexiko unattraktiv machen und mexikanische Migranten aus den USA ausweisen. Die Repressalien könnten zu einer wirtschaftlichen und sozialen Krise in Mexiko führen - Instabilität im Nachbarland können die Vereinigten Staaten jedoch nicht gebrauchen.

Wer dort aus Mexiko in die USA einreist, legt in der kleinen Grenzstation seinen Pass auf den Scanner, blickt in die Kamera und ruft beim Grenzschutz im über 500 Kilometer entfernten El Paso an. „Wie lange waren Sie in Mexiko?, „Haben Sie etwas gekauft?“, „Wie viel Bargeld haben Sie bei sich?“, fragt die Beamtin. Wenn alles in Ordnung ist, darf man passieren. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Sir.“ Um 17.00 Uhr schließt der Grenzposten, zwei Tage pro Woche ist er ganz zu.

Der Rio Grande ist bei Boquillas del Carmen nur hüfttief. Grenzschutzanlagen gibt es dort nicht. Illegal die Grenze zu überqueren, ist in der abgelegenen Gegend zwischen dem US-Bundesstaat Texas und der mexikanischen Provinz Coahuila ein Kinderspiel.

Die Gefahr lauert hinter der Grenze. Bis zum nächsten größeren Ort Marathon auf der US-Seite sind es knapp 150 Kilometer. Dazwischen nichts als Wüste, Gestrüpp und Berge. Im Winter fallen die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt, im Sommer steigen sie zur Mittagszeit auf 45 Grad.

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