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15.02.2017

08:41 Uhr

USA und Russland

Hatten Trump-Mitarbeiter Kontakt zu Spionen?

VonMoritz Koch, Axel Postinett

Neue Enthüllungen über die Verbindung zwischen Donald Trump und dem Kreml: Laut US-Geheimdiensten hatten Mitarbeiter des US-Präsidenten während des Wahlkampfs offenbar Kontakt zu russischen Agenten.

Trump-Gegner demonstrieren gegen die fragwürdigen Verbindungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. AFP; Files; Francois Guillot

Trump und Putin

Trump-Gegner demonstrieren gegen die fragwürdigen Verbindungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Washington, San FranciscoMitarbeiter von Donald Trump hatten während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs Kontakt zu russischen Spionen. Das berichtet die „New York Times“ und verschärft damit die Krise der neuen US-Regierung. Die Zeitung beruft sich auf mehrere Geheimdienstquellen in den USA. Die Verbindungen zwischen Trump und Moskau sind seit Monaten Gegenstand von Spekulationen. Konkrete Belege gab es bisher jedoch nicht.

Die Enthüllungen der „New York Times“ werden den Forderungen nach einer überparteilichen Untersuchungskommission zur Aufarbeitung der Spionage-Affäre neuen Auftrieb geben. Bisher schrecken die Republikaner davor zurück, ihre parlamentarische Kontrollfunktion auszuüben – aus Angst, den Zorn des Präsidenten auf sich zu ziehen und die Reformagenda der Regierung zu gefährden.

Diese Haltung ist immer schwerer zu rechtfertigen, zu gravierend ist der Verdacht, dass es Absprachen zwischen Trumps Team und Moskau gegeben haben könnte. Ein Hauch von Watergate hat sich über Washington gelegt.

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Die Geheimdienste hätten auch versucht herauszubekommen, ob die Trump-Organisation in irgendeiner Weise mit den Russen zusammengearbeitet habe, um die Wahl zu beeinflussen, heißt es. Die Quellen berichteten laut Times, bislang hätten sie keine Beweise gesehen, die eine solche Kooperation belegen würden.

Eine der Kontaktpersonen aus dem Trump-Team sei Paul Manafort gewesen, der mitten im Wahlkampf plötzlich aus dem Team entfernt wurde. Er hatte als Berater in Russland und der Ukraine gearbeitet. Manafort erklärte gegenüber der Zeitung die Vorwürfe seinen „absurd“. Er habe „niemals bewusst mit russischen Geheimdienstmitarbeitern gesprochen.“

Das FBI ermittelt, es gibt noch viele offene Fragen. Auch über die Inhalte der Gespräche mit den russischen Agenten ist nichts bekannt. Es ist zumindest denkbar, dass die Trump-Mitarbeiter ohne es zu wissen mit Agenten kommunizierten. Bekannt ist bislang, dass es die US-Geheimdienste als erwiesen ansehen, dass russische Cyberagenten das Netzwerk der demokratischen Partei und das private E-Mail-Programm des demokratischen Wahlkampfstrategen John Podesta gehackt und die erbeuteten Informationen über Mittelsmänner an Wikileaks weitergereicht haben.

Die Veröffentlichung der Enthüllungsplattform beschädigten Trumps Rivalin im Präsidentschaftswahlkampf, Hillary Clinton, und trugen zum überraschenden Wahlsieg des Republikaners bei. Die Frage ist, ob Trumps Wahlkampfteam ahnungslose Profiteure oder Mitverschwörer waren. Das Weiße Haus weißt letzteres entschieden zurück. Doch die Glaubwürdigkeit der Regierung hat in den ersten vier Wochen der Trump-Ära arg gelitten.

Michael Flynn im Kurzporträt

Karriere im Militär

Der 57-Jährige hat in den US-Streitkräften vor allem als Geheimdienstler Karriere, gemacht. Er leitete unter anderem die Geheimdienstoperationen in Afghanistan.

Ein Freund des offenen Wortes

Trotz seiner Tätigkeit in oft geheimer Mission hat Flynn das offene Wort besonders nach seinem Ausscheiden aus der Armee nicht gescheut. Der Mann aus dem Bundesstaat Rhode Island äußerte sich wiederholt extrem islamkritisch. Er hält den Islam weniger für eine Religion, als für eine politische Ideologie. Seine Äußerungen gelten vielen als unverblümt, manchmal auch unbedacht.

Führungsprobleme bei der DIA

Im Jahr 2014 musste der drahtige General Flynn als Chef des US-Militärgeheimdienstes DIA nach zwei Jahren im Amt gehen. Ihm wurden Führungsprobleme vorgeworfen, vor allem schien aber eine andere Auffassung zum islamischen Terrorismus als bei der Regierung vorzuherrschen.

Vorwürfe gegen Obama

Flynn beschuldigte die Obama-Administration, mit ihrer Unterstützung der syrischen Rebellen insgeheim dem Terrornetzwerk Al-Kaida helfen. Das ist auch der Vorwurf, der von Moskau aus an die USA gerichtet, von Washington aber stets zurückgewiesen wurde.

Verhandlungen mit Russland

Von Trump in sein Sicherheitsteam geholt, telefonierte Flynn bereits im Dezember mit dem russischen Botschafter Sergei Kisljak – noch ehe er ein offizielles Amt innehatte. Dabei soll es, so schrieb die „Washington Post“, auch um den Abbau von Sanktionen gegen Russland gegangen sein, die die Obama-Administration wegen russischen Hackings erlassen hatte. Nach der US-Gesetzgebung ist es einem amerikanischen Bürger verboten, ohne entsprechende Legitimation mit einem anderen Staat zu verhandeln – vor allem, wenn es um die Interessen der USA geht.

Kontakte kritisch beäugt

Ohnehin waren Flynns offenbar enge Kontakte nach Moskau stets kritisch beäugt worden. Unter anderem trat er als bezahlter Experte im staatsnahen russischen Fernsehsender RT auf.

Kommentare (33)

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15.02.2017, 08:14 Uhr

Jetzt dürfen sich US Mitarbeiter also nicht mehr mit Russischen Mitarbeiter austauschen?
Die US und Deutschen Medien bestimme also in Zukunft mit wem sich der US-Präsident und seine Mitarbeiter unterhalten bzw. Kontakt pflegen dürfen?
Muss jetzt Trump und seine Mitarbeiter auch in Zukunft die US-und Deutschen Medien um Erlaubnis bitten, auf die Toilette zu gehen?
Mit wem hat Clinton und Obama während des Wahlkampfes alles Kontakt?

Herr Holger Narrog

15.02.2017, 08:26 Uhr

Trump lässt die linken Journalisten hyperventilieren und motiviert diese zu regelmässigen Negativberichten. In abgeschwächter Form hatte man dies in D bei der Kanzlerkandidatur von F.J. Strauss erlebt als die Deutschen Medien hyperventilierten.

Bislang sind alle Angriffe auf Trump, inkorrekte Äusserungen wie...wenn Hillary nicht mal ihren Mann befriedigen kann, wie kann sie das amerikanische Volk befriedigen....seine "Golden shower parties", seine Anordnungen wie einen Einreisestopp aus einigen muslimischen Ländern, an ihm abgeprallt.

Der Vorwurf mit Moskau unter einer Decke zu stecken könnte gerade von konservativen Amerikanern, seinen Anhängern, kritisch gesehen werden.

Sofern auch dieser Vorwurf an ihm abprallt, werden die Journalisten verzweifeln.

Herr Peter Kastner

15.02.2017, 08:34 Uhr

Die Art der Berichterstattung über in den meisten Medien + betreutes Fernsehen erinnert mich stark an das Parteiblatt"Neues Deutschland" der DDR. Dort wurde auch täglich vom erfolgreichen Kampf der Arbeiterklasse gegen den internationalen Imperialismus berichtet.
Es ist die gleiche Tonalität.

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