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25.11.2015

06:51 Uhr

USA werten Wärmedaten aus

Türkische Luftwaffe schoss Kampfjet im syrischen Luftraum ab

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfbombers im türkisch-syrischen Grenzgebiet mahnt die Nato zur Deeskalation. Russland bemängelt, das Bündnis hätte den Angriff nicht verurteilt – und schickt mehr Kampfflugzeuge.

Die Kampfbomber werden nun von Abfangjägern begleitet. dpa

SU-24 der russischen Luftwaffe

Die Kampfbomber werden nun von Abfangjägern begleitet.

Moskau, IstanbulNach dem Abschuss eines russischen Militärflugzeugs im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat sich die ohnehin schon gespannte Lage in der Region nochmals verschärft. Sowohl die Vereinten Nationen als auch die Nato, dessen Mitglied Türkei das Kampfflugzeug abgeschossen hatte, äußerten sich besorgt über eine mögliche Eskalation. Zumal der abgeschossene russische Kampfjet nach US-Einschätzung innerhalb des syrischen Luftraums getroffen worden ist.

Die Maschine sei zwar kurzzeitig im türkischen Luftraum gewesen, dort aber nicht getroffen worden, sagte ein Vertreter der US-Regierung, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters. Diese Beurteilung basiere auf Wärmedaten des Jets. Laut einem Radar-Plot zu den Flugbewegungen, veröffentlich vom Nachrichtensender CNN Türk, hätte die SU-24 nur wenige Kilometer – und damit kaum mehr als zehn bis 15 Sekunden – über türkischem Gebiet verbracht.

Die Türkei hatte das Flugzeug am Dienstag abgeschossen. Nach Darstellung des Nato-Landes wurde der Pilot mehrfach gewarnt, ohne jedoch den Kurs zu ändern. Die Maschine habe türkischen Luftraum verletzt. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte indes, das Flugzeug sei über syrischem Gebiet abgeschossen worden.

Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Barack Obama habe in einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan gesagt, dass die Türkei aus Sicht der USA und der Nato das Recht habe, seine Souveränität zu verteidigen. Zugleich stimmten beide Politiker darin überein, dass die Lage nicht eskalieren dürfe. Es müssten Vorkehrungen getroffen werden, damit sich solch ein Vorfall nicht wiederhole. Russland kritisierte die Haltung der Nato und kündigte den Einsatz zusätzlicher Militärjets an.

Laut Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der sich am Dienstagabend nach einer von der Türkei beantragten Sondersitzung des Nato-Rates in Brüssel äußerte, deuten Erkenntnisse mehrerer alliierter Staaten hingegen darauf hin, dass das abgeschossene Kampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-24 zuvor tatsächlich den türkischen Luftraum verletzt hat. Die türkischen Streitkräfte teilten mit, innerhalb von fünf Minuten seien zehn Warnungen ignoriert worden, bevor zwei F16-Kampfflugzeuge den fremden Jet am Dienstagmorgen in der Grenzregion Hatay attackierten.

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Moskau betonte, der Flieger habe für die Türkei keine Gefahr dargestellt und sei über syrischem Boden abgeschossen worden, womit sich die türkische Regierung zu „Helfershelfern von Terroristen“ gemacht habe. Die türkische Regierung betonte, die Grenzverteidigung sei „sowohl unser internationales Recht als auch unsere nationale Pflicht“.

Als Reaktion auf den Vorfall werden alle Luftwaffeneinsätze Russlands gegen die Terrormiliz IS in Syrien ab sofort von eigenen Kampfjets begleitet, wie der Generalstab in Moskau laut des staatlichen Nachrichtenportals „Sputniknews“ bekanntgab. Zuvor hätten Bomber keinen derartigen Schutz bekommen. Außerdem wurde der russische Raketenkreuzer „Moskwa“ demnach angewiesen, vor der syrischen Mittelmeerküste Position zu beziehen und alle Ziele zu vernichten, die Russlands Luftwaffe in dem Bürgerkriegsland gefährden könnten.

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