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05.12.2016

20:35 Uhr

Valls kandidiert in Frankreich

Der Machthungrige will in den Elysée-Palast

VonThomas Hanke

Frankreichs Premier Manuel Valls gibt sein Amt auf, um sich ganz dem Wahlkampf zu widmen. Aus seinen Ambitionen hat Valls nie einen Hehl gemacht. Sein Machthunger ist gewaltig, sein Durchsetzungsvermögen gefürchtet.

Wahl in Frankreich

Manuel Valls: „Meine Kandidatur soll eine Rebellion sein.“

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ParisFrankreichs sozialistischer Premier Manuel Valls gibt sein Amt auf, um sich mit voller Kraft dem Wahlkampf zu widmen. In Evry, dem Pariser Vorort, in dem er jahrelang Bürgermeister war, trat er am Montagabend vor zahlreichen Anhängern auf: „Ich bin Kandidat, ich habe diese Kraft in mir, ich will alles, alles geben für Frankreich, das mir so viel gegeben hat.“

In seiner Rede übersprang Valls einfach eine Etappe: Mit keinem Wort erwähnte er die Vorwahl der Sozialisten, die erst im Januar den Kandidaten bestimmen wird. Er trat so auf, als habe er die bereits gewonnen: „Ich will die Linke zum Sieg in der Präsidentschaftswahl führen“, das Land müsse wieder „sein volles Gewicht auf die Waagschale bringen in einer Welt, die sich verändert hat durch Terrorismus, Klimawandel und ein geschwächtes Europa.“

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Geht es nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage, wird Frankreichs Ministerpräsident Valls als Kandidat der Sozialisten ins Präsidentenrennen gehen. Mit echten Chancen wird er aber wohl nicht rechnen können.

In der Öffentlichkeit trat der 54-Jährige in den vergangenen Tagen so auf, als sei seine Entscheidung noch nicht gefallen. Doch am Montag wurde klar, dass er seine Kandidatur von langer Hand vorbereitet hat. Am Rednerpult prangte bereits ein fertiger Slogan für den Wahlkampf: „Alles, was uns verbindet, zum Sieg führen“. Hinter und neben Valls standen mehrere Dutzend Unterstützer, die zusammen ein Bild von Frankeich in allen seinen Farben ergaben.

Verbinden, versöhnen, sammeln: Das ist der rote Faden, der sich durch Valls Rede zog. Skurril, aber das erinnert verteufelt an den Slogan „Versöhnen statt spalten“, mit dem Johannes Rau vor 30 Jahren in einen Bundestagswahlkampf zog. Valls dürfte ihn gewählt haben, weil er von vielen Linken als Spalter gesehen wird. Er hat die Sentenz von „zwei unversöhnlichen Linken“ geprägt, die sich in Frankeich gegenüberstünden: einer, die regieren und reformieren will und eine andere, die in Fundamentalopposition erstarrt sei. Und er hat mehrfach parlamentarische Debatten abgebrochen und die Zustimmung der eigenen Fraktion durch die Vertrauensfrage erzwungen.

Der in Barcelona geborene Fußballfan weiß, dass all dies nicht vergessen ist und ihm in den nächsten Wochen vorgeworfen werden dürfte. Deswegen packte er den Stier bei den Hörnern und sagte offen: „Ich habe in der Vergangenheit harte Worte benutzt, Debatten ausgelöst - so ist halt die Linke, Kontroversen gehören zu uns.“

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Neben der Sammlung der Linken nennt Valls den Widerstand gegen die Rechte als Leitmotiv seiner Kampagne: „Die extreme Rechte steht an der Tür zur Macht“, sollte sie gewinnen, führe das zur „Verelendung der kleinen Leute“ und zur weiteren Schwächung Europas. Aber auch gegen den konservativen Kandidaten François Fillon werde er sich schlagen, kündigte er an: „Der hat ein Programm für sozialen Rückschritt wie aus den 80er-Jahren, ich will nicht zulassen, dass die Rechte dieses Land in Beschlag nimmt.“

Zur Rechten gehöre auch ein Diskurs der Stigmatisierung, „sei es von Muslimen der von Flüchtlingen“, den er nicht ertragen könne sagte der Mann, der vor ein paar Monaten der Bundeskanzlerin vorgeworfen hatte, zu viele Flüchtlinge ins Land zu lassen. Emmanuel Macron, den Mitte-Kandidaten, der eine große Gefahr für die gemäßigte Linke darstellt, erwähnte Valls mit keinem Wort.

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