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14.07.2015

00:12 Uhr

Varoufakis über Rücktritt

„Ich bin erleichtert“

Yanis Varoufakis spricht in einem Interview über seine Zeit als griechischer Finanzminister. Für seine europäischen Kollegen hat er dabei kaum ein gutes Wort übrig. Und er gibt den Grund für seinen Rücktritt preis.

Geschockte Griechen

„Varoufakis war das Beste, was uns passieren konnte“

Geschockte Griechen: „Varoufakis war das Beste, was uns passieren konnte“

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AthenNach seinem überraschenden Rücktritt als griechischer Finanzminister hat Giannis Varoufakis in einem Interview über seine Zeit bei der Eurogruppe und die Gründe für seinen Rückzug gesprochen. Varoufakis sagte dem britischen Magazin „New Statesman“ in einem am Montag veröffentlichten Interview, wann immer er bei seinen europäischen Ministerkollegen wirtschaftliche Argumente vorgebracht habe, sei er mit „leeren Blicken“ bedacht worden. „Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können, da hätte ich dieselbe Reaktion erhalten“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler dem Magazin.

Das Interview wurde vor dem jüngsten Abkommen zwischen Griechenland und der Eurogruppe über ein neues Hilfsprogramm geführt. Varoufakis hatte eigentlich für den Fall, dass die Griechen beim Referendum vor über einer Woche über die Gläubigerpläne mit Ja stimmen, seinen Rücktritt in Aussicht gestellt. Die Griechen stimmten indes mit über 61 Prozent gegen die Reformforderungen – Varoufakis trat überraschend trotzdem zurück.

Als Grund nannte er die ablehnende Haltung ihm gegenüber in der Eurogruppe. Zudem sei sein Abschied von Regierungschef Alexis Tsipras als „potenziell hilfreich“ betrachtet worden. Dem britischen Magazin sagte Varoufakis nun, er sei zurückgetreten, weil er bei einem Kabinettstreffen überstimmt worden sei, bei dem er für eine harte Linie gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) geworben hatte. So schlug er unter anderem vor, der EZB die Kontrolle über die griechische Zentralbank abzunehmen sowie Schuldscheine einzuführen. Er sei aber bei zwei zu vier Stimmen überstimmt worden.

Varoufakis zeigte sich zudem erleichtert, die Zeit als Minister hinter sich zu haben. Fünf Monate lang habe er täglich nur zwei Stunden geschlafen. „Und ich bin erleichtert, nicht mehr diesen unerträglichen Druck zu haben, eine Position zu verhandeln, die ich nur schwer verteidigen kann.“

Mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ging er hart ins Gericht. Die Euro-Finanzminister seien „komplett“ von ihm dominiert. Die Gruppe sei „wie ein äußerst gut dirigiertes Orchester“ mit Schäuble als Chef.

Von

afp

Kommentare (17)

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Herr Christoph Weise

14.07.2015, 07:49 Uhr

Varoufakis lag richtig: Mit der Übernahme der Bankenkontrolle hätte sich Athen aus einer verhängnisvollen Sackgasse befreien können. Die Entscheidung des Kabinetts war falsch, mit der Konsequenz, dass Griechenland durch das 3. Finanzierungspaket endgültig wirtschaftlich und sozial zerstört wird. Tsipras ist ein Blender und der Sache intellektuell nicht gewachsen.

Herr Oliver Muth

14.07.2015, 08:12 Uhr

"der EZB die Kontrolle über die griechische Zentralbank abzunehmen" wäre ein weiterer Vertragsbruch gewesen, der de facto einem Ausstieg aus dem Euro gleichkommt. Denn die Kontrolle zu verweigern kann ja nicht bedeuten, dass man unkontrolliert eine Währung druckt, die in anderen Ländern als Zahlungsmittel dient.

Was beschwert sich Varoufakis dann darüber, dass Schäuble den Grexit gewollt habe?

Frau aline edelmann

14.07.2015, 08:27 Uhr

ich mach mir die Welt
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