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05.02.2015

11:32 Uhr

Varoufakis vs. Schäuble

Schuldenmacher trifft Sparfuchs

VonDésirée Linde

Das wird kein Kaffeekränzchen: Griechenlands Finanzminister Varoufakis will nicht mehr sparen, Amtskollege Schäuble beharrt darauf. Nun treffen der „Marxist“ und „Mister Schwarze Null“ zum ersten Mal aufeinander.

Finanzminister Varoufakis

„Ich habe Draghi unsere Entschlossenheit präsentiert“

Finanzminister Varoufakis : „Ich habe Draghi unsere Entschlossenheit präsentiert“

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DüsseldorfDer eine ist „Mister schwarze Null“, der andere ist der „eigenwillige Marxist“, wie er sich selbst nennt: Wenn Wolfgang Schäuble (CDU) und Yanis Varoufakis in Berlin aufeinandertreffen, ist Ärger programmiert. Der eine Finanzminister hat die stärkste Volkswirtschaft der EU im Rücken, der andere Finanzminister den Schub einer Erdrutschwahl und die Wut von Millionen Griechen gegen die als Spardiktat empfundenen Auflagen der Troika für neue Hilfskredite.

Seit Tagen reist Varoufakis, der linke Ökonom mit Lederjacke und Rockstar-Image, durch Europa, um zu erklären, warum Griechenland eine Umschuldung von der EU verlangt. Der neue griechische Ministerpräsident schickt seinen Querkopf vor auf Europa-Tour.

Für Varoufakis gab es freundschaftliche Umarmungen und sogar Küsschen von EU-Kommissionpräsident Jean-Claude Juncker, warme Worte von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Un doch zerschlug er schon einiges an Porzellan auf dem politischen Parkett. Zu einem ersten Eklat kam es mit Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem in Athen, als Varoufakis die Zusammenarbeit mit der Troika aufkündigte und bei der gemeinsamen Pressekonferenz Grimassen schnitt.

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner?

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner in der Griechenland-Krise? Seit dem Sieg von Syriza ist das Verhandeln mit dem Staat von der Größe Brandenburgs komplizierter geworden...

Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

Die neue Links-Rechts-Regierung in Athen macht vor allem Deutschland für die harten Sparauflagen verantwortlich, die Griechenland wegen der Euro-Krise erfüllen soll. Varoufakis fordert von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Art Wiederaufbauplan, wie ihn die USA nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshallplan aufgelegt hatten.

„Ich denke, von allen Ländern in Europa verstehen die Deutschen am besten diese simple Nachricht. Wenn man eine stolze Nation zu lange demütigt und sie Verhandlungen und Kummer einer Schuldendeflationskrise aussetzt, ohne Licht am Ende des Tunnels, dann gärt es in dieser Nation irgendwann“, sagte Varoufakis in einem ARD-Interview.

Wunsch nach Entlastung: Rolle rückwärts in Athen

Wunsch nach Entlastung

Premium Rolle rückwärts in Athen

Der griechische Finanzminister Varoufakis hat die Forderungen nach einem Schuldenschnitt zurückgezogen. Auf ihrer Tour durch Europa wird ihm und dem neuen Premier Tsipras klar: Die Geldgeber halten die Taschen zu.

Hinter verschlossenen Türen wird Varoufakis verbal abrüsten müssen mit dem kühlen auf Zahlen bedachten Schäuble. Von „Gauleiter Schäuble“ und „sozialem Holocaust“ war außerdem die Rede gewesen und von drastischen weiteren Vergleichen. Varoufakis hatte die griechischen Sparauflagen in einem Atemzug mit dem Versailler Vertrag genannt: „Europa wäre viel Leid erspart geblieben, wenn er gebrochen worden wäre. Wenn wir glauben, dass die Rettungspolitik ein Fehler war, müssen wir sie ändern“, sagte der Athener Kassenwart.

Kommentare (18)

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Herr Arnold Dreis

05.02.2015, 11:44 Uhr

Es ist kaum auszuhalten! Die Dummheit der "Schwarzen Null" ist offensichtlich.
Dieser Mensch hat keine Ahnung von Wirtschaft und Märkten, nimmt aber diese Worte immer wieder in den Mund. Juristen haben wir zur Genüge bei unseren Poltikern. Aber bewiesen ist, dass Juristen nicht rechnen können.
Staatshaushalte kann man nicht mit Hausfrauenhaushalten vergleichen.
Das müsste "Erika" Merkel und Herrn Schäuble eigentlich wissen.

Herr Edmund Stoiber

05.02.2015, 11:58 Uhr

Von wegen "...Minister schwazer Null..."

Null lasse ich gelten, sofern die getürkten s.g. "schwarzen Zahlen" in Betracht gezogen werden.

Das ganze System ist evident krank!

Herr Vittorio Queri

05.02.2015, 12:04 Uhr

>> So treffen der Mann der großen Worte trifft auf den Mann für die großen Zahlen. >>

So treffen der Mann der Schmarotzer auf den Mann der Schuldenmacher !

Mit 2,2 Bio. € Schulden, den größten Teil in seiner Amtszeit gemacht, ist das "Sparschweinchen im Wägelchen" der unfähigste Finanz"Minister" aller Zeiten !

Sein Know-how beschränkt sich aussschliesslich auf sein Motto : wir sind auf dem Guten Weg......in den Absturz !

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