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16.12.2012

14:18 Uhr

Vater eines Opfers

„Unser Beileid gilt auch der Familie des Schützen“

Zu den Opfern des Amokläufers von Newtown zählt auch die sechsjährige Emilie. Nach der Bluttat spricht ihr Vater in bewegenden Worten über seine ermordete Tochter – und lässt sie zum Sinnbild der Tragödie werden.

Robbie Parker, der seine Tochter verloren, kämpft bei seiner Ansprache mit den Tränen. dapd

Robbie Parker, der seine Tochter verloren, kämpft bei seiner Ansprache mit den Tränen.

NewtownJosephine war schon ein großes Mädchen. Am Dienstag war sie sieben Jahre alt geworden und damit älter als die meisten in ihrer Klasse. Drei Tage später war Josephine tot. Sie wurde wie so viele ihrer Klassenkameraden durch die Schüsse eines Mannes getötet, dessen Tat auch Tage später unerklärlich ist. Zurück bleiben eine Kleinstadt, die nach Antworten sucht und so viele Familien, deren Verlust unbeschreiblich ist.

Mit Josephine starben 19 Kinder. Sie hießen Charlotte, Daniel und Olivia, Ana, Dylan und Madeleine, Catherine, Chase und Jesse, Grace, James und Jack, Emilie, Caroline und Jessica, Avielle, Benjamin und Allison. Der jüngste von ihnen, der kleine Noah, feierte vor drei Wochen seinen sechsten Geburtstag.

Emilie starb bei der Bluttat. dapd

Emilie starb bei der Bluttat.

Zum Sinnbild der Tragödie wurde Emilie. Das Bild des kleinen lächelnden Mädchens mit den blonden Haaren und den strahlend blauen Augen kennt in den USA inzwischen fast jeder. Ihr Vater Robbie Parker wandte sich an die Öffentlichkeit, obwohl er von Trauer überwältigt kaum sprechen konnte.

Das sind seine Worte:

„Mein Name ist Robbie Parker. Meine Familie ist eine von denen, die gestern ein Kind bei der Schießerei in der Sandy Hook Grundschule hier in Connecticut verloren haben. So viele Menschen und Organisationen haben mit mir Kontakt aufgenommen und wollten wissen, wie es uns geht. Ich glaube, dies könnte der beste Weg sein, diese Gefühle mit allen zu teilen.

Als erstes möchte ich all den Familien, die direkt von dieser Schießerei betroffen sind, unser tiefstes Beileid aussprechen. Es ist eine schreckliche Tragödie, und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwierig dies alles für Sie ist, und ich möchte, dass Sie wissen, dass unsere Familie, unsere Liebe und unsere Unterstützung auch Sie mit einschließt.

In diesem Moment möchten wir so vielen Menschen danken. So vielen Freunden, Verwandten, aber auch Fremden. Menschen, die wir gar nicht kennen – für die Liebe und Unterstützung und ihr Beileid.

Meine Tochter Emilie wäre eine der ersten, die all diesen Opfern ihre Liebe und Unterstützung geben würde. Denn das ist die Art von Mensch, der sie ist. Nicht aufgrund irgendwelcher Erziehungsmethoden von meiner Frau und mir, sondern weil das die Gaben waren, die sie von Gott bekommen hat.

Während sich nun die tiefe Trauer in unseren Herzen festsetzt, finden wir Trost, indem wir uns daran erinnern, was für ein unglaublicher Mensch Emilie war. Und wie viele Menschenleben sie berühren konnte, in der kurzen Zeit, die sie auf dieser Welt war.

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Emilie war klug, kreativ und sehr liebevoll. Emilie wollte immer neue Dinge ausprobieren. Außer beim Essen. Sie liebte es, mit ihren Talenten die Leben aller zu rühren, mit denen sie in Kontakt kam. Sie war künstlerisch sehr begabt und trug immer ihre Stifte mit sich herum. Sie wollte keine Gelegenheit versäumen, ein Bild oder eine Karte für jemanden zu malen.

Ich kann gar nicht nachzählen, wie oft Emilie bemerkte, dass jemand traurig oder frustriert war und sie sofort ein Blatt Papier suchte, um ihnen etwas zu zeichnen oder etwas Aufmunterndes zu schreiben. Emilies Art, Karten zu machen, kam im vergangenen Oktober besonders schön zur Geltung. Sie legte eine sehr besondere Karte zu ihrem Opa in den Sarg, der auch erst vor kurzem bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen war.

Emilie war ein Mentor für ihre zwei kleinen Schwestern, und es machte ihr Freude, ihnen lesen oder tanzen beizubringen und die einfachen Freuden im Leben zu finden. Emilies Lachen war ansteckend, und all jene, die das Glück hatten, sie kennenzulernen, würden mir zustimmen, dass diese Welt ein besserer Ort ist, weil sie auf ihr war.

Wenn wir nun von dem, was hier passiert ist, in die Zukunft schauen, dann lassen wir das Geschehene nicht zu etwas werden, das uns bestimmt, sondern zu etwas, das uns inspiriert, zu besseren, mitfühlenderen und bescheideneren Menschen zu werden. Lasst uns bitte dieses Gefühl von Liebe, das wir für unsere Familien fühlen, und das Mitgefühl für andere beibehalten...sogar für völlig Fremde. Lasst uns diese Gefühle behalten, nicht nur in Zeiten von Schmerz und Leid. Und wir können dies tun, um unsere Gemeinden in all unseren Städten und Bundesstaaten besser zu machen, so dass sich alle sicher fühlen können. Vielen Dank.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.12.2012, 15:42 Uhr

Wir alle haben diese Ausschreitung in den waffenvernarrten USA zur Genuege zur Kenntnis genommen. Gibt es bei uns keine Themen mehr?

Account gelöscht!

16.12.2012, 16:49 Uhr

Ganz ehrlich, wenn mein Kind erschossen worden wäre, würde ich zwar auch unter anderem für das Leid der Familie Verständnis haben, die den Schützen hervorgebracht hat, aber vor allem würde ich mich zwei Dinge fragen:
1. Wieso gibt es im Privatbereich so viele Waffen?
2. Wie wurde der Schütze erzogen und mit diesem Problem des ungehemmten Waffenbesitzes groß?

Ab sofort würde ich alles daran setzen mich dort einzubringen, wo die Chance eines Waffenverbots landesweit durchgesetzt werden kann.

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