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30.05.2014

01:27 Uhr

Vatikan

Peres und Abbas beten am 8. Juni mit dem Papst

Der israelische Präsident Peres und Palästinenserpräsident Abbas wollen am 8. Juni gemeinsam mit dem Papst für Frieden beten. Dass der Nahost-Friedensprozess dadurch in Schwung kommt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Papst Franziskus hatte während seiner Nahost-Reise den palästinensischen Präsidenten Abbas (Bild) sowie den israelischen Staatschefs Peres zu einem Gebet im Vatikan eingeladen. Reuters

Papst Franziskus hatte während seiner Nahost-Reise den palästinensischen Präsidenten Abbas (Bild) sowie den israelischen Staatschefs Peres zu einem Gebet im Vatikan eingeladen.

Vatikan-StadtDas von Papst Franziskus initiierte gemeinsame Friedensgebet des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und des israelischen Staatschefs Schimon Peres wird am 8. Juni im Vatikan stattfinden. Beide Seiten hätten dem Termin zugestimmt, der auf den Pfingstsonntag fällt, teilte der Vatikan am Donnerstag mit.

Franziskus hatte während seiner Nahost-Reise vergangene Woche den Stillstand im Friedensprozesses als „inakzeptabel“ bezeichnet und Peres und Abbas zu dem Friedensgebet in den Vatikan eingeladen. Beide nahmen sofort an. Nun wurde auch der passende Termin gefunden. Die jüngsten Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern waren Ende April ohne Ergebnis abgebrochen worden.

Franziskus hatte betont, dass der Vatikan nicht die Absicht habe, die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. „Es wird ein Gebetstreffen sein. Es dient nicht der Vermittlung oder dem Finden von Lösungen“, sagte er am Montag auf dem Heimflug von Jerusalem nach Rom. „Wir werden uns einfach nur treffen, um zu beten. Dann wird jeder nach Hause gehen.“ Ein jüdischer Rabbi und ein muslimischer Geistlicher sollen ebenfalls bei dem Gebet anwesend sein.

Wir finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland?

Kirchensteuer

Den größten Teil ihrer laufenden Kosten deckt die katholische Kirche aus ihren Kirchensteuereinnahmen. 2012 waren das fast 5,2 Milliarden Euro.

Staatsleistungen

Sie betreffen nur die Bundesländer und Kommunen und gehen häufig auf die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes) Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Gezahlt wird mit Bezug auf Artikel 140 des Grundgesetzes zum Beispiel für den Personal- und Sachbedarf der Kirchen. Hinzu kommen Ausgaben für den Bauunterhalt kirchlich genutzter Gebäude. Nach Angaben der Linken im Bundestag zahlen die Länder jährlich fast eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. Die Partei hat 2012 einen Gesetzentwurf zur Ablösung dieser Staatsleistungen vorgelegt. Dazu ist ein Bundesgesetz nötig.

Bundeszuschüsse

Die Kirchen erhalten für Aufgaben im caritativen Bereich wie andere Träger auch Bundesmittel, zum Beispiel für kirchliche Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. So betrug der Bundeszuschuss für die Caritas 2012 rund 51,9 Millionen Euro. Die katholische Kirche gab dafür 8,6 Millionen Euro aus. Zuschüsse des Bundes fließen auch für Militärseelsorge, Kirchentage und Denkmalschutz. Eine Gesamtsumme wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht ermittelt.

Kirchliches Vermögen

Dabei geht es zum Beispiel um Immobilienbesitz und Miet- und Pachteinnahmen sowie Überschüsse aus kircheneigenen Betrieben oder Beteiligungen. Jedes Bistum hat sein eigenes Vermögen, Je nach Situation machen diese Einnahmen nach Expertenschätzungen fünf bis zehn Prozent des Gesamthaushalts eines Bistums aus.

Spenden und Kollekten

Sie machen nach Einschätzung von Experten fünf Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die katholische Kirche beziffert diese Einnahmen für das Jahr 2009 auf rund 250 Millionen Euro.

Wie steht es um die Transparenz in den kirchlichen Haushalten?

Wesentliche Entscheidungen zur Verwendung der Kirchensteuer obliegen speziellen Kirchengremien in den Bistümern. Der Kirchensteuerhaushalt wird in der Regel öffentlich dokumentiert. In Bistümern gibt es neben dem regulären Haushalt noch einen „Bischöflichen Stuhl“. Der Begriff bezeichnet das Vermögen, das mit dem Bischofsamt verbunden ist. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler gibt es für diese Summen keine Auskunftspflicht, so lange keine öffentlichen Gelder damit verbunden sind. Kritiker nennen den „Bischöflichen Stuhl“ deshalb einen Schattenhaushalt. Nach dem Finanzskandal um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg haben die Bistümer Essen und Speyer angekündigt, diese Zahlen offenzulegen.

Was ist bei der Finanzkontrolle im Bistum Limburg schiefgegangen?

Dazu gibt es bisher fast nur Vermutungen. 2008, vor dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll der „Bischöfliche Stuhl“ über rund 100 Millionen Euro verfügt haben. 2011 soll Tebartz-van Elst dem Domkapitel die Zuständigkeit für diesen Haushalt entzogen und stattdessen einem Vermögensverwaltungsrat übertragen haben. Die Frage ist, ob er dieses Gremium bei den Kosten für den neuen Bischofssitz, die zuletzt auf 31 Millionen Euro anwuchsen, getäuscht hat.

Sind ähnliche kirchliche Finanzskandale bekannt?

Der Bund der Steuerzahler hat 1999 kritisiert, dass der katholische Militärbischof Johannes Dyba mit seinem Amt unbedingt von Bonn nach Berlin ziehen wollte - die Sanierung der Berliner Dependance habe umgerechnet rund 10 Millionen Euro gekostet. Skandale um Kirchenvermögen werden auch durch Gerichtsurteile bekannt. So wurden im September 2010 ein früherer Kirchenmitarbeiter im Bistum Limburg wegen der Veruntreuung von 2,7 Millionen Euro zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nach finanziellen Verfehlungen zog sich 2011 der Orden der Pauliner aus dem Hochschwarzwald zurück. Ein Ordensbruder, der als Pfarrer eine Gemeinde betreute, hatte 247 000 Euro Spenden- und Kirchengelder veruntreut und dafür ohne Erlaubnis neue Messgewänder und Abendmahlskelche gekauft. Er ließ auch Kunstgegenstände restaurieren.

Die Chancen auf einen Durchbruch wären ohnehin gering. Der 90-jährige Peres hat als Präsident Israels ein weitgehend repräsentatives Amt, das er auch in diesem Sommer niederlegen soll. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt jede weitere Zusammenarbeit mit Abbas ab, seit dieser die Bildung einer Einheitsregierung mit der radikalislamischen Hamas angekündigt hatte.

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