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08.03.2013

14:23 Uhr

Venezuela

Der Chavismus bleibt auch nach Chávez

Hugo Chávez hat das Bild Lateinamerikas verändert. Sein Name wird in einem Atemzug genannt mit dem von Fidel Castro, Perón und dem Freiheitshelden Simón Bolívar. Nun steht mit dem Chavismus sein Erbe auf dem Prüfstand.

Bild von Hugo Chávez: Ein Systemwechsel in Venezuela ist nicht wahrscheinlich. AFP

Bild von Hugo Chávez: Ein Systemwechsel in Venezuela ist nicht wahrscheinlich.

CaracasNicolás Maduro verlieh seinem Ziehvater Hugo Chávez unmittelbar nach dessen Tod den Titel „Comandante eterno“. Die Botschaft des Vizepräsidenten war klar: Die Bolivarische Revolution geht weiter, die Mission des „Ewigen Kommandanten“ ist noch nicht erfüllt.

Chávez selbst kürte den 50-Jährigen fünf Monate vor seinem Tod zu seinem Wunschnachfolger, und ihm werden beste Chancen attestiert, die nun fälligen Wahlen zu gewinnen. Sollte „Comandante Maduro“ Präsident werden, bliebe das Land auf Links-Kurs, was viele Regierungen in Lateinamerika aufatmen ließe.

Wie sich Venezuela unter Chavez entwickelt hat

Wie hat sich die Wirtschaft unter Chavez entwickelt?

Das je Einwohner erwirtschaftete Bruttosozialprodukt ist nach Angaben der Weltbank von 1998 bis 2010 um 6,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Von 1974 bis 1998 war es noch um 16 Prozent gefallen. Zu verdanken hat das Venezuela vor allem seinem Öl-Reichtum: Öl und Öl-Produkte machten 2012 rund 96 Prozent der Exporte aus; 1999 waren es lediglich 76 Prozent. Zudem ist der Öl-Preis deutlich gestiegen. Lag er zu Beginn von Chavez' Amtszeit noch bei zehn Dollar je Barrel, sind es jetzt etwa 110 Dollar.

Was sind die Probleme?

Die Inflationsrate gehört zu den höchsten der Welt. Im Februar lag sie bei 32 Prozent. Das staatlich verordnete Tauschverhältnis vom Dollar zum Bolivar von 1 zu 6,3 trifft die Wirtschaft hart und hat zu einem florierenden Schwarzmarkt geführt. Bestimmte Importgüter sind bereits knapp geworden. Dazu kommt, dass die weitgehend verstaatlichte Öl-Industrie teilweise marode ist, weil ausländische Investoren vertrieben wurden. So fiel die Öl-Produktion in der Chavez-Amtszeit von 3,5 auf 2,34 Millionen Barrel pro Tag.

Schwächelt nur die Ölindustrie?

Nein. Der Ausstoß der verstaatlichten Eisenerz-, Stahl- und Aluminiumindustrie fiel 2012 so gering aus wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Einst gehörte Venezuela zu den größten Aluminium-Exporteuren der Welt, inzwischen ist es zum Importland geworden. Der Industrie setzen häufige Stromausfälle zu. So sorgten Dürren in den vergangenen Jahren häufig für Blackouts bei Wasserkraftwerken, weshalb die Behörden die Energie für Industriebetriebe rationierten.

Können die Sozialausgaben weiter finanziert werden?

Aus den Gewinnen des staatlichen Öl-Monopolisten PDVSA flossen zwischen 2004 und 2010 etwa 61,4 Milliarden Dollar in Sozialprogramme. Ob auch künftig so viel Geld sprudelt, ist ungewiss. Die USA als einer der Hauptkunden sind gerade dabei, sich durch die Schieferöl-Förderung (Fracking) unabhängig von Importen zu machen und könnten in wenigen Jahren selbst zum Öl-Exporteur aufsteigen. Dazu kommt, dass die Raffinerien in Venezuela dringend modernisiert werden müssen. 2012 kamen bei einer Explosion in der größten des Landes 40 Menschen ums Leben. Sogar die eigentlich Chavez-freundlichen Gewerkschaften demonstrierten.

Wie steht es um die Beziehungen zu Deutschland?

Deutschland betreffen die Entwicklungen in Venezuela kaum. 2012 wurden lediglich Waren im Wert von 539 Millionen Euro nach Deutschland ausgeliefert. Damit belegt Venezuela in der Rangliste der wichtigsten deutschen Lieferanten lediglich Platz 73, noch hinter Ländern wie Kambodscha und der Elfenbeinküste. Die deutschen Ausfuhren nach Venezuela belaufen sich auf 904 Millionen Euro - das entspricht nicht einmal 0,1 Prozent des gesamten Exportvolumens.

„Es wird einen politischen Übergang in Venezuela geben“, schrieb der argentinische Politologe Juan Gabriel Tokatlian in einem Beitrag für „Pagina 12“. Es deute aber nichts auf einen Systemwechsel hin. „In der Essenz handelt es sich um einen Übergang der Anführer. Auf Hugo Chávez folgt ein neuer Präsident des Chavismus.“ Wenn sich in Venezuela eine turbulente und unbeherrschbare Situation, ein Zusammenbruch der Ordnung oder eine revanchistische Umkehr des aktuellen politischen Projektes ergäbe, wäre das Problem für Südamerika monumental, warnte Tokatlian.

Vieles aber spricht für eine rote Kontinuität, denn die Venezolaner bestätigten bei den beiden vorangegangenen Wahlen eindeutig die Sozialisten. Chávez gewann am 7. Oktober 2012 die Präsidentschaftswahl klar mit über 55 Prozent. Und am 16. Dezember, als Chávez schon zur Krebsbehandlung in Kuba war, eroberte seine PSUV-Partei bei den Regionalwahlen 20 von 23 Gouverneurssitzen im Land.

Das waren die Früchte, die Chávez im Inland erntete, wo seine Erfolge bei der Armutsbekämpfung unbestritten sind. In seinen 14 Regierungsjahren verminderte er die Armut nach Angaben der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) in Venezuela von 49,4 auf 29,5 Prozent. Das dankte ihm die Mehrheit seiner Landsleute mit treuer, oft bedingungsloser Gefolgschaft. Die Chávez-Regierung konnte aufgrund sprudelnder Öleinnahmen aus dem Vollen schöpfen, und das kam nicht nur den Armen Venezuelas, sondern auch sozialistischen Bruderstaaten in Lateinamerika zugute.

Kommentare (3)

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vandale

08.03.2013, 14:47 Uhr

Das die Linken Chavez verehren wie Fidel Castro wundert nicht. Verbindet man mit ihm Revolution, Enteignung und Antiamerikanismus.

Real hat Chavez die Oelmilliarden dazu genutzt den vielen Armen Almosen zukommen zu lassen. Die Menschen wurden träge und abhängig von diesen Almosen. Als das Geld aus den Erdöleinnahmen nicht mehr reichte enteignete er zunächst die Oelgesellschaften und später die Betriebe anderer Branchen und setzte Gefolgsleute ein. Auf Reparaturen und Investitionen wurde weitestgehend verzichtet.

Der Chavismus lässt sich somit nur kurzristig betreiben. Die Oeleinnahmen gehen zurück, der Rest der Wirtschaft ist sehr angeschlagen. Damit wird die künftige Regierung nicht umhin kommen die Almosen abzubauen und das Land wieder an Arbeit zu gewöhnen.

Vandale

normalo

08.03.2013, 17:58 Uhr

Ich finde es gut, dass Chavez nicht wie ein Vandale regiert hat, sondern wie ein Mensch.
Vandalen in der Regierung haben wir zur Genüge. Während in Europa (z.B. Griechenland) manche Menschen kaum noch Brot zum Essen haben, gibt es Hunger in Venezuela nicht (mehr)dank Hugo Chavez.

Account gelöscht!

08.03.2013, 18:21 Uhr

Man soll über Tote nichts negatives sagen also rede ich über Chavismus, kurz cv.
Venezuela ist eines der Länder mit den höchsten Erdölreserven, dass ist das Schöne.
Doch die Wirtschaft wurde weitgehend zerschreddert, freies Unternehmertum ist nicht erwünscht und die Verstaatlichung von Unternehmen hat zu enormer Ineffizienz und sich epedemie artig ausbreitender Korruption geführt. Ohne das Öl währe das Land schlimmer dran als beim seinerzeitigen Zerfall des Ostblocks die DDR und Kuba.
Er hatte einen schönen sozialistischen Traum von den Castros adaptiert und er hat wirklich viel für Arme getan. Doch leider hat er von den Castros auch die Mechanismen übernommen, die Kubas Ökonomie heruntergebracht hat und so ist dieser Traum bald zu ende, auch mit dem Öl, wenn nicht schnell das Ruder herumgeworfen wird, was schwer ist, da jetzt sehr viele von r Korruption profitieren.
Beides muß funktionieren, die Marktwirtschaft und Soziales.

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