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25.03.2017

08:30 Uhr

Venezuela

Die Versorgungskrise

Lange Schlangen vor Tankstellen – und das im Land mit den größten Ölreserven. Jetzt bittet Venezuela auch noch die Vereinten Nationen um Hilfe bei der Versorgung mit Medikamenten.

Für die Missstände in seinem Land macht Venezuelas Präsident den politischen Gegner verantwortlich – immer wieder. Reuters, Sascha Rheker

Nicolas Maduro

Für die Missstände in seinem Land macht Venezuelas Präsident den politischen Gegner verantwortlich – immer wieder.

CaracasVenezuelas Präsident Nicolás Maduro hat die Vereinten Nationen um Hilfe bei der Versorgung mit Medizin gebeten. Weil seine politischen Gegner einen „Wirtschaftskrieg“ gegen ihn führten und die Ölpreise gefallen seien, seien die medizinischen Vorräte knapp geworden, sagte Maduro am Freitag im staatlichen Fernsehen. Die UN hätten die Expertise, die notwendig sei, um die Versorgung und Verteilung von Arzneimitteln in dem südamerikanischen Land zu normalisieren. Details zu seiner Bitte nannte er nicht. Die UN reagierte zunächst nicht öffentlich auf die Bitte.

Venezuela befindet sich seit längerem in einer wirtschaftlichen Krise. Lebensmittel und Medikamente sind zunehmend knapp geworden. Maduros Regierung rühmt sich selbst damit, humanitäre Hilfe in anderen armen Staaten zu leisten. Trotz der Bitte an die UN schickte das Militär zwei Frachtflugzeuge mit Hilfsmitteln nach Peru, das derzeit die schlimmsten Überschwemmungen seit zwei Jahrzehnten erlebt. An Bord sollen auch Medikamente gewesen sein.

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Kritiker sagen, diese Hilfe solle zuerst der Bevölkerung Venezuelas zukommen. Die in Washington ansässige Organisation Amerikanischer Staaten gab am Freitag bekannt, dass sie für den kommenden Dienstag eine Sondersitzung zur Lage in Venezuela einberufen habe.

Der OAS-Vorsitzende Luis Almagro hatte eine Suspendierung Venezuelas aus der Vereinigung gefordert. Er argumentierte, die Regierung von Präsident Nicolás Maduro habe die demokratische Ordnung des Landes missachtet und würde systematisch Menschenrechte und demokratische Standards der OAS-Charta verletzen.

Ausgerechnet in Venezuela, dem Land mit den größten Ölreserven der Welt, geht das Benzin aus. Seit Tagen gibt es täglich länger werdende Schlangen vor den Tankstellen in der Hauptstadt Caracas und in weiteren Städten des südamerikanischen Landes.

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Der Vizepräsident des staatlichen Erdölkonzerns PDVSA, Ysmel Serrano, begründete den dramatischen Mangel mit „Verzögerungen bei den Schiffstransporten mit Treibstoff“. Von 290 Tankstellen in Caracas hatten in den vergangenen Tagen nur noch 90 Tankstellen Benzin. Venezuela hat zwar gewaltige Ölreserven, aber zu wenige funktionstüchtige Raffinerien, weshalb große Mengen Benzin importiert werden müssen. PDVSA versprach, die Produktion zu erhöhen, um Abhilfe zu schaffen.

Der Verbrauch im Land wird auf rund 500.000 Barrel am Tag geschätzt, zeitweise musste die Regierung pro Jahr über zehn Milliarden Dollar für die Einfuhr und Subventionierung von Benzin ausgeben. Dann ließ Präsident Nicolás Maduro Anfang 2016 die Preise etwas anheben, aber auch heute kostet eine Tankfüllung je nach Wechselkurs teilweise nur rund 50 Euro-Cent, die billigsten Spritpreise der Welt. Ein Grund für die Schlangen an Tankstellen könnte in der Inflation liegen, die es auch schwieriger macht, die Benzinimporte zu bezahlen.

Wegen der höchsten Inflation der Welt wurde es für die Regierung zuletzt auch schon immer schwerer, Lebensmittel und Medikamente einzuführen – denn die müssen in Dollars oder Euro bezahlt werden.

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