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18.02.2016

02:45 Uhr

Venezuela

Im „Tank-Paradies“ steigen die Benzinpreise

Venezuela steckt tief in der Krise - Präsident Maduro greift nun zu unpopulären Maßnahmen. Erstmals seit rund 20 Jahren soll der Benzinpreis steigen. Beim letzten Versuch einer Anhebung kam es zu schweren Unruhen.

Ölpreis

Von 0,01 auf 20 Cent pro Liter: Benzinpreise in Venezuela steigen

Ölpreis: Von 0,01 auf 20 Cent pro Liter: Benzinpreise in Venezuela steigen

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CaracasIm Ringen um zusätzliche Staatseinnahmen angesichts des Ölpreisverfalls hebt Venezuela erstmals seit rund 20 Jahren den Benzinpreis an und wertet die Währung ab. Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro kündigte am Mittwoch in einer Fernsehansprache Verteuerungen bei Benzin von 1329 Prozent an. Die Veränderungen würden ab Freitag an den Tankstellen umgesetzt.

Der Wechselkurs der Landeswährung Bolivar wird demnach um 37 Prozent auf zehn Bolivar je Dollar von bisher 6,3 Bolivar abgewertet. Zugleich kündigte Maduro Veränderungen beim Währungssystem an. Kritikern zufolge sind die Reformen nicht weitreichend genug. Sie fordern, das 13 Jahre alte Währungssystem von Maduros Vorgänger Hugo Chavez komplett abzuschaffen.

„Wir haben das billigste Benzin der Welt. In den USA kostet ein Liter mindestens 0,78 Dollar (...) und in Venezuela nur 0,01 Dollar-Cent“, verteidigte der sozialistische Präsident Nicolás Maduro in einer Ansprache die Maßnahme. Diese sei notwendig, um die tiefe Krise zu bekämpfen. Die Opposition, die im Dezember bei der Parlamentswahl eine Mehrheit in der Nationalversammlung erringen konnte, wirft ihm Misswirtschaft vor und strebt ein Referendum zu seiner Abwahl an.

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Venezuela hat ohnehin schon die höchste Inflationsrate weltweit. Nun leidet das angeschlagene Land auch noch dramatisch unter dem Einbruch der Ölpreise. Die Teuerungsrate wird laut IWF weiter in die Höhe schießen.

Bisher war Benzin in Venezuela stark subventioniert und eine Tankfüllung gehörte lange Zeit zu den günstigsten Einkäufen in dem mit einer hohen Inflation kämpfenden Land. Trotz der Anhebungen wird das Tanken eines kleinen Autos immer noch günstiger als eine Limonade sein. Maduro rechnet mit Einsparungen von 800 Millionen Dollar jährlich durch die verringerte Nutzung von Mischungskomponenten. Zudem würden durch die Preiserhöhungen bei Benzin nun die Produktionskosten gedeckt und die Finanzen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA gestärkt. Die Opposition kritisierte, dass die Preissteigerungen das Leben von Millionen Venezolanern erschwerten, die ohnehin schon mit den hohen Ausgaben Probleme hätten.

2015 ist die venezolanische Wirtschaft um fünf Prozent geschrumpft. Wegen des fallenden Ölpreises sind laut Maduro die Staatseinnahmen um 70 Prozent eingebrochen. Es gibt bereits Spekulationen über einen möglichen Staatsbankrott des Opec-Mitglieds.

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