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09.12.2012

19:54 Uhr

Venezuela

Krebskranker Hugo Chavez ernennt Nachfolger

Der erst im Oktober wiedergewählte Präsident Venezuelas hat überraschend seinen Außenminister Nicolas Maduro als Amtsnachfolger benannt. Womöglich besteht ein Zusammenhang mit einem neuen Krebsfund bei Chavez.

Er liebt die große Bühne und große Gesten: Venezuelas krebskranker Staatschef Hugo Chavez küsst ein Kruzifix. dapd

Er liebt die große Bühne und große Gesten: Venezuelas krebskranker Staatschef Hugo Chavez küsst ein Kruzifix.

CaracasVenezuelas Präsident Hugo Chavez hat nach einer erneuten Krebsdiagnose erstmals einen Nachfolger ernannt. Der 58-jährige Sozialist hob am Wochenende überraschend seinen Stellvertreter Nicolas Maduro als Kronprinzen auf den Schild. "Er ist ein ganzer Revolutionär, ein Mann von großer Erfahrung trotz seiner Jugend, mit großer Hingabe und Arbeitsbereitschaft", lobte Chavez seinen acht Jahre jüngeren Weggefährten. "In einem Szenario, das eine neue Präsidentenwahl vorschreiben würde, solltet Ihr Nicolas Maduro wählen."

Über seine erneute Krebserkrankung informierte Chavez die Bevölkerung am Samstagabend persönlich in einer Fernsehansprache. Bei Kontrolluntersuchungen in Kuba seien wieder Krebszellen gefunden worden, sagte der Präsident umrahmt von mehreren Ministern. "Es ist absolut notwendig, absolut entscheidend, dass ich mich einem erneuten chirurgischen Eingriff unterziehe." Er wollte dafür am Sonntag wieder nach Havanna reisen. "Mit Gottes Willen und wie bei den bisherigen Malen auch, werden wir wieder siegreich sein."

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Chavez hat sich seit Juni 2011 drei Mal einer Krebsoperation unterzogen. Dafür reiste der selbst ernannte Nachfolger des südamerikanischen Revolutionshelden Simon Bolivar stets nach Kuba - als besonderer Gast seines politischen Mentors Fidel Castro. Über die genaue Art seines Krebsleidens gibt es kaum offizielle Informationen. So hatte das Präsidialamt in Caracas nach der ersten Erkrankung im vergangenen Jahr erklärt, dass der Beckenbereich von Chavez betroffen sei.

Die Tatsache, dass Chavez nun erstmals öffentlich einen Nachfolger benannt hat, könnte darauf hindeuten, dass seine Erkrankung weitaus schwerwiegender ist als zuletzt angenommen. Der Präsident war nach einem leidenschaftlich geführten Wahlkampf noch im Oktober erneut im Amt bestätigt worden, womit er seinen Status als einer der weltweit bekanntesten Linkspolitiker und zugleich schärfsten Kritiker der USA festigen konnte. Während seiner 14-jährigen Herrschaft hat Chavez die Sozialausgaben dank der sprudelnden Einnahmen aus dem Ölgeschäft massiv erhöht und die soziale Ungleichheit im Land verringert. Gleichwohl leidet das südamerikanische Land unter einer hohen Kriminalität und Inflation, Korruption und Willkür sind in den Staatsbetrieben weit verbreitet.

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Trotz Krebsleiden will Chávez im Oktober wieder für das Präsidentenamt kandidieren.

Der 50-jährige Maduro war früher Busfahrer und engagierter Gewerkschafter, was ihm Sympathie unter den Chavez-Anhängern bescheren dürfte. Gleichwohl gilt der seit 2006 amtierende Außenminister unter westlichen Diplomaten als eher gemäßigter Weggefährte von Chavez. "Unter den Spitzen-Chavistas ist er vom Umgang her der ruhigste und umgänglichste Kandidat", sagte ein europäischer Diplomat über den mutmaßlichen Nachfolger. Sollte Chavez sein Amt wegen seiner Krebserkrankung niederlegen, müsste innerhalb von 30 Tagen eine Neuwahl stattfinden. Verheiratet ist Maduro mit der Anwältin Cilia Flores, die Chavez nach seinem missglückten Putschversuch 1992 juristisch vertrat und zwei Jahre später erfolgreich dessen Freilassung erwirkte.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Mintkatze

09.12.2012, 21:50 Uhr

Ich denke auch, dass Chavez in Wirklichkeit viel kränker ist, als alle Seiten es zugeben wollen. Denn wenn nun bereits eine vierte Operation erforderlich ist, dann zeigt dass doch auf, dass die Chemo-Therapie nicht so angeschlagen hat, wie es erwartet wurde. Und dass zeigt, dass die Behandlung nicht so erfolgreich war, wie Chavez es gerne glauben machen möchte.

Was ich vielmehr denke ist: er will seine Bevölkerung langsam und schonend auf diese Machtübergabe vorbereiten und seiner Bevölkerung nicht so einen Schock zumuten. Er will sich als Mann präsentieren, der stark im Nemen ist. Aber dass ist alles nur Fassade. Hinter dieser Fassade steckt höchstwarscheinlich ein total weicher Kern, der in Wirklichkeit Angst davor hat, seiner Bevölkerung und seiner Familie die Wahrheit zu sagen und ihnen reinen Wein einzuschenken.

Diese Rückkehr nach Cuba könnte wohl eine Rückkehr für immer werden. Darauf muss sich die Bevölkerung in der Heimat Chavez einstellen. Denn wenn nun erneut die Behandlung nicht so anschlägt, wie es gewünscht wird, dann kann der Krebs eventuell sogar widerstandsfähig gegen die Chemo werden und dann ist es endgültig zu spät.

Channuka

09.12.2012, 22:03 Uhr

Mögen die Behandlungen erfolgreich sein und möge er seine volle Gesundheit und Tatkraft
zurück erlangen.

Dies wünschen wir.

Mintkatze

09.12.2012, 22:41 Uhr


Wenn man diese ganze Vorgeschichte und diese ganzen bisherigen Operationen, Chemo-Therapien und Bestrahlungen bei Chavez anschaut, denke auch, dass Chavez in Wirklichkeit viel kränker ist, als alle Seiten es zugeben wollen. Denn dass wäre nun bereits seine dritte oder vierte Operation. Und dass zeigt dann doch auf, dass die Chemo-Therapien und die Bestrahlungen bei Chavez nicht so angeschlagen haben, wie es erwartet wurde. Und dass zeigt, dass bei den Behandlung nicht alle bösartigen Zellen vernichtet wurden, sodass es nun zu diesem Rückfall kommen konnte.

Denn wenn diese Aussage mit dem Prostata-Krebs und mit diesem entfernten Tumor aus der Beckengegend stimmt, dann zeigt dass, dass es sich bei dieser Krebsvariante um eine sehr aggressive und schnell wachsende Krebsform handelt, die schnell tödlich verlaufen kann. Darüber hinaus zeigt dass auch auf, dass dieser Krebs bei Chavez eventuell bereits eine Resistenz gegen die Behandlung aufgebaut haben kann. Daher wird das Risiko bei dieser neuen Behandlung wohl sehr hoch sein und da er genau dass weiss, hat er nun in Maduro wohl seinen Nachfolger ernannt.

Was ich auch denke ist: er will seiner Bevölkerung diesen Schock ersparen und sie langsam und schonend auf diese Machtübergabe vorbereiten. Er will sich als Mann präsentieren, der stark im Nemen ist. Aber dass ist alles nur Fassade. Hinter dieser Fassade steckt höchstwarscheinlich ein total weicher Kern, der in Wirklichkeit Angst davor hat, seiner Bevölkerung und seiner Familie die Wahrheit zu sagen und ihnen reinen Wein einzuschenken. Außerdem will er auf diesem Weg seiner Bevölkerung Zeit geben, sich schonmal mit dem neuen Staatschef warmzulaufen und sich an ihn zu gewöhnen.

Daher könnte diese Rückkehr nach Cuba für Chavez wohl eine Rückkehr für immer werden. Darauf muss sich die Bevölkerung in Venezuela einstellen.

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