Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.02.2014

05:01 Uhr

Venezuela

Maduro droht US-Sender mit Abschaltung

Venezuelas Opposition macht weiter gegen die Regierung mobil. Sie fordert eine Entwaffnung militanter Regierungsanhänger. Die Regierung spricht von Putschversuchen – und attackiert ausländische Medien.

Nicolas Maduro: Der Staatschef wirft CNN Provokation vor. AFP

Nicolas Maduro: Der Staatschef wirft CNN Provokation vor.

CaracasIn Venezuela dauern die Spannungen nach tagelangen massiven Protesten gegen die linke Regierung an. Staatschef Nicolás Maduro machte auch den US-Sender CNN für die aufgeheizte Stimmung verantwortlich und drohte dem Kanal mit der Abschaltung im Kabelnetz. Für Samstag riefen Anhänger und Gegner der Regierung erneut zu Protestmärschen auf.

Wie Generalstaatsanwältin Luisa Ortega am Freitag mitteilte, starben in den vergangenen zehn Tagen acht Menschen bei den Protesten. 134 seien verletzt worden. Eines der Opfer war eine 22-jährige Studentin und „Miss Tourismus“. Laut Maduro wurde sie aus den Reihen oppositioneller Demonstranten erschossen. Das sei ballistisch erwiesen.

Maduro kritisierte, CNN wolle der Welt zeigen, dass es in Venezuela einen Bürgerkrieg gebe, und so ein Eingreifen der „Gringo-Armee“ (USA) provozieren. Es sei ein Verfahren eingeleitet worden, das eine Abschaltung des Senders vorsehe, wenn dieser seinen Kurs nicht ändere.

Die Behörden zogen am Freitag die Akkreditierung der CNN- Korrespondentin in Venezuela, Osmary Hernández, zurück, wie der Sender auf seiner Internet-Seite mitteilte. Erst am Wochenende war der kolumbianische Sender NTN24 aus dem Kabelnetz entfernt worden.

Der festgenommene Oppositionspolitiker Leopoldo López rief seine Anhänger indes in einem Schreiben aus dem Gefängnis auf, bei den Protesten gegen die „Diktatur“ nicht nachzulassen.

Am Donnerstagabend gab es bei Konflikten zwischen Regierungsgegnern und Polizei in der Stadt San Diego mehr als 40 Verletzte, wie der Oppositionspolitiker und Bürgermeister der Stadt, Enzo Scarano, in einem TV-Interview berichtete.

Die Proteste dürften Folgen für die Planung des Mercosur-Gipfels haben. Venezuela hat derzeit die Präsidentschaft des südamerikanischen Staatenverbundes inne. Der Gipfel sollte ursprünglich im Dezember 2013 in Caracas stattfinden, wurde aber seitdem mehrfach verschoben. Ein Termin steht noch nicht fest.

US-Außenminister John Kerry hat Venezuela für den Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten scharf kritisiert. Dies sei „inakzeptabel“, so verhielten sich Demokratien nicht, erklärte er am Freitag (Ortszeit). Die Bürger und politischen Persönlichkeiten des Landes hätten ein Recht auf ihren Protest, erklärte Kerry. Er forderte die Regierung in Caracas auf, stattdessen mit der Opposition zu verhandeln und politische Gefangene freizulassen.

Die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela sind stark belastet. Auf ein Gesprächsangebot aus Caracas ging Kerry nicht ein. Präsident Nicolás Maduro hatte seinen US-Kollegen Barack Obama am Freitag vor ausländischen Journalisten zum bilateralen Dialog aufgefordert. Obama solle die „Herausforderung annehmen“, sagte er und bot zudem an, einen Botschafter nach Washington zu entsenden. Botschafter gibt es in den jeweiligen Ländern schon seit Ende 2010 nicht mehr.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×