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25.05.2016

20:31 Uhr

Venezuela

Zu arm für Coca-Cola

Erst das Bier, dann verschwindet das Volksgetränk Coca-Cola, nun das Bargeld: Die Versorgungskrise in Venezuela nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Der Präsident verliert den Überblick. Wird das Militär eingreifen?

Produktion gestoppt: „Zuckerhersteller in Venezuela haben uns informiert, dass sie die Herstellung wegen des Mangels an Rohstoffen zeitweise stoppen müssen“, teilte Coca-Cola-Sprecherin Kerry Tressler mit. dapd

Coca Cola in Venezuela

Produktion gestoppt: „Zuckerhersteller in Venezuela haben uns informiert, dass sie die Herstellung wegen des Mangels an Rohstoffen zeitweise stoppen müssen“, teilte Coca-Cola-Sprecherin Kerry Tressler mit.

CaracasEin sozialistischen Land im Ausnahmezustand: In Venezuela fehlt es an allem: Bargeld, Medikamente, Strom – wegen Zuckermangel muss dort nun die Coca-Cola-Produktion gestoppt werden. „Zuckerhersteller in Venezuela haben uns informiert, dass sie die Herstellung wegen des Mangels an Rohstoffen zeitweise stoppen müssen“, teilte Coca-Cola-Sprecherin Kerry Tressler der dpa mit. Das werde in den kommenden Tagen Auswirkungen auf die Produktion zuckerhaltiger Getränke haben. Die Produktion von Getränken wie Wasser und Coca-Cola Light sei nicht betroffen und laufe weiter.

Man sei mit Zuliefern und Regierungsbehörden im Gespräch, „um die notwendigen Maßnahmen zur Lösung der Situation zu ergreifen.“ In dem Land mit den größten Ölreserven der Welt ist die braune Brause sehr beliebt und war zuletzt oft einfacher zu bekommen als Wasser, das auch zum Mangelprodukt wird.

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Weil er einem alten Mann 4,50 Euro stiehlt, wird Roberto Bernal bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Menge jubelt. Es ist ein Sinnbild der wirtschaftlichen und humanitären Krise in Venezuela – und der wehrlosen Justiz.

Zuvor hatte der größte Bierhersteller, das Unternehmen Polar, die Bierproduktion eingestellt. Wegen Mangel an Devisen konnte kein Gerstenmalz mehr aus dem Ausland bezahlt und eingeführt werden. Zudem gibt es einen Mangel an Medikamenten, zum Teil fehlt in Krankenhäusern Sauerstoff zur Beatmung von Patienten.

Etwa 95 Prozent der Deviseneinnahmen speisen sich aus dem Verkauf von Erdöl, der ist zum einen eingebrochen, zum anderem komplett staatlich organisiert. Gerade private Unternehmen kommen kaum noch an Devisen. Zwar stieg der Ölpreis zuletzt wieder, aber in diesem Jahr liegt der Preis für venezolanisches Erdöl bisher bei im Schnitt 28,70 US-Dollar je Fass, nach 44,65 Dollar 2015 und 88,42 Dollar im Jahr 2014.

Wie das Portal „El Nacional“ berichtete, bewachen Arbeit von Polar, das 80 Prozent des Bieres in Venezuela produziert und der größte private Lebensmittelkonzern ist, die vier Produktionsstätten, weil sie eine Besetzung befürchten.

Präsident Nicolás Maduro hat per Dekret den Ausnahmezustand verhängt und das Militär und von den Sozialisten kontrollierte Bürgerwehren ermächtigt, notfalls mit Waffengewalt die Lebensmittelversorgung im Land sicherzustellen.

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