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20.10.2016

09:40 Uhr

Venezuelas Ölkonzern PDVSA vor der Pleite

Dämmerung in Caracas

Venezuela steckt in der Krise. Die fallenden Ölpreise machen es dem Land schwer, auch nur die nötigsten Importwaren zu bezahlen. Nun lahmt auch noch die Cash Cow des Landes – mit dramatischen Folgen.

Geht der Ölkonzern pleite, ist auch der venezolanische Staatsbankrott nicht mehr weit. Reuters

PDVSA-Anlage in Punto Fijo

Geht der Ölkonzern pleite, ist auch der venezolanische Staatsbankrott nicht mehr weit.

CaracasIm Zoo verhungern die Löwen. In einem Hospital werden Neugeborene in Pappkartons aufbewahrt. Und in einem Gefängnis sollen zwei Gefangene von Mithäftlingen getötet worden sein, um das Fleisch zu essen. Venezuela und seine Horrornachrichten nehmen kein Ende.

Wer in Caracas landet, erlebt die abenteuerlichsten Zustände – so werden auf Friedhöfen selbst die Grabsteine geraubt, um sie im Land mit der weltweit höchsten Inflation zu Geld zu machen. Und alle fragen sich: Wo soll das enden? Der Schlüssel für Besserung oder endgültige Katastrophe liegt bei der Lebensversicherung des Landes, beim Ölkonzern PDVSA: Die Öleinnahmen machen bis zu zwei Drittel des Staatshaushalts aus - und 95 Prozent der Exporte entfallen auf Öl und Gas. Eine dramatische Einseitigkeit, die sich nun rächen könnte.

Venezuela: Elf Milliarden Dollar bei Ölkonzern verschwunden

Venezuela

Elf Milliarden Dollar bei Ölkonzern verschwunden

Als würde Venezuela nicht bereits ausreichend tief in der Krise stecken: Beim staatlichen Ölkonzern sind Ermittlungen zufolge elf Milliarden Dollar verschwunden. Ein neuer Korruptionsskandal bahnt sich an.

Die Zeichen stehen auf Sturm. Denn zum dritten und wohl letzten Mal wurde bis Freitag eine Frist für ausländische Gläubiger verlängert, um noch 2016 und 2017 fällige Anleihen in Bonds umzutauschen, die erst 2020 zu begleichen sind. Weil PDVSA die Anleihen derzeit wohl nicht bedienen kann. Ohne Einigung droht die Zahlungsunfähigkeit. Um Gläubiger zu ködern, werden sagenhafte 8,5 Prozent Zinsen geboten.

Es geht um 5,3 Milliarden Dollar (4,8 Mrd. Euro) Schulden, die fällig werden. Die Ratingagentur Moody’s warnt, dass dem Crash bei Petroleos de Venezuela SA (PDVSA) wegen der fehlenden Petrodollar-Devisen umgehend die Staatspleite folgen könnte, da auch diese Schulden nicht mehr bedient und Importe nicht mehr bezahlt werden könnten. Wegen der völlig darnieder liegenden Privatwirtschaft müssen täglich im großen Stil Lebensmittel, Hygieneartikel und Medikamente eingeführt werden. Wegen des Ölpreisverfalls kann das jetzt schon kaum bezahlt werden. Es fehlt an allem. Überall lange Schlangen, Proteste, Wut und Gewalt.

Lange war PDVSA für die Venezolaner eine goldene Eier legende Henne, mit den Einnahmen bauten die seit 1999 regierenden Sozialisten Millionen Wohnungen, führten Mindestlöhne ein und holten viele abgehängte Menschen aus der Armut heraus. Der Ölpreis war hoch, noch vor Saudi-Arabien ist Venezuela bis heute das Land mit den weltweit größten Reserven. PDVSA wirbt mit dem Slogan: „Globaler Führer bei nachgewiesenen Ölreserven“. Doch es wurde nicht investiert, der „Economist“ sprach schon 2014 von der am „schlechtesten verwalteten Volkswirtschaft der Welt“.

Seither ist es unter Präsident Nicolás Maduro, Nachfolger des verstorbenen Hugo Chávez, sicher nicht besser geworden. Die Opposition versucht bisher vergeblich, ein Referendum zu seiner Abwahl durchzusetzen. Er regiert per Ausnahmezustand am Parlament vorbei, wo die Sozialisten die Mehrheit verloren haben.

Die Devisenreserven liegen nur noch bei rund elf Milliarden Euro, heißt es in einer Analyse der Landesbank Baden-Württemberg. „Sollten nun auch noch zwecks Tilgung fälliger Anleihen weitere Milliarden US-Dollar abfließen, würde die Luft für den Staat und den staatlichen Konzern PDVSA sehr dünn.“ Statt bei 43 Dollar je Barrel müsste der Ölpreis für Venezuela aus Sicht von Analysten doppelt so hoch liegen. „Wenn PDVSA pleite geht, wäre es eine Katastrophe für das Land“, sagt der Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Henning Suhr. „Denn da hängen über hundert Staatsunternehmen dran, die mit sozialen Aufgaben betraut sind.“ Noch ein Sinnbild der Krise: „PDVSA-Arbeiter verkaufen bereits ihre Overalls, um sich Essen zu kaufen“, berichtet Suhr.

Kommentare (12)

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Herr Peter Delli

20.10.2016, 09:53 Uhr

Ein neuer "amerikanischer Frühling" kündigt sich an, ebenso erfolgreich wie der "arabische Frühling" wird er das ein oder andere System hinwegfegen,

Herr Heinz Keizer

20.10.2016, 10:02 Uhr

Die Sozialisten haben noch jedes Land ruiniert, wenn man sie lange genug gewähren ließ. Da sie in Venezuela auch durch die Parlamentswahl nicht zu stoppen sind, befürchte ich Schlimmstes.

Herr Holger Narrog

20.10.2016, 10:03 Uhr

Was im Artikel bewusst nicht genannt wird ist dass es sich um eine typische sozialistische Misswirtschaft handelt. Man kann daraus lernen, dass der Sozialismus nicht einmal dann funktioniert wenn dieses auf Öl schwimmt (weltgrösste ausgewiesene Ölreserven).

Nicht thematisiert wurde auch, dass man in Venezuela ähnliche Vorstellungen zum Thema Demokratie hegt wie in der DDR/Merkel BRD. Beispielsweise hat man die anstehenden Provinzwahlen die die Sozialisten wahrscheinlich verlieren werden ....verschoben. Mal sehen wie man in der BRD agieren wird wenn die Opposition die Macht des Systems bedroht.

Soweit mir bekannt hat die sozialistische Regierung nach der Machtübernahme den Besitz der ausländischen Ölkonzerne verstaatlicht. Die Sozialausgaben wurden aufgebläht um die Massen bei Laune zu halten, Investitionen wurden zurückgefahren, Fachleute durch Parteifreunde ersetzt. Privatunternehmen wurden unter Druck gesetzt, beispielsweise nicht die Preise zu erhöhen. Privatunternehmen die den Anweisungen nicht nachkommen konnten, oder wollten, verstaatlicht......

Das hat dann dazu geführt, dass Venezuela bereits mit den hohen Ölpreisen bis 2014 in Schieflage geriet. Mit den aktuellen Ölpreisen ist die Pleite eine Frage der Zeit. Ölverladeeinrichtungen können nicht mehr repariert werden, Leichtes Öl dass zum Verschneiden mit dem eigenen schweren Öl benötigt wird kann nur mehr in Bartergeschäften erworben werden...

Dem Land kann man nur wünschen dass es sich vom Sozialismus befreien kann und für eine Generation davon geheilt ist.

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