Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.10.2017

04:38 Uhr

Verbot für „Bump Stocks“ in Greifweite

Wenn die Waffenlobby Kreide frisst

VonAxel Postinett

Finte oder Fortschritt? Die Waffenlobby NRA und US-Präsident Donald Trump sind überraschend zu minimalen Verschärfungen der Waffengesetze bereit. Vielleicht aber nur, um schwerere Eingriffe zu verhindern.

Nach Attentat in Las Vegas

„Wir schauen uns das bald an“ – wird diese Vorrichtung nun verboten?

Nach Attentat in Las Vegas: „Wir schauen uns das bald an“ – wird diese Vorrichtung nun verboten?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

San FranciscoWie konnte der Killer von Las Vegas Sonntagnacht in nur wenigen Minuten 58 Menschen töten und über 500 verletzen? Die Antwort heißt „Bump Stock“ und ist nicht mehr als ein einfaches Kunststoffteil, angeschraubt an einer halbautomatischen Waffe. Schon schießt die fast genau so schnell wie ein echtes militärisches Maschinengewehr.

Das Zubehör kostet im Internet 99 Dollar pro Stück und ist völlig legal zu erwerben und zu nutzen. Noch. Demokratische US-Senatoren haben am Mittwoch einen Verbotsantrag gefordert und am Donnerstag signalisierte US-Präsident Donald Trump überraschend viel Zustimmung dafür. Das Weiße Haus „begrüße diese Diskussion“, hieß es. Im Wahlkampf hatte er noch in Wahlkampfreden versprochen, er werde „niemals, absolut niemals“ am Recht auf Waffenbesitz rütteln.

Dann schaltete sich auch noch die Waffenlobby NRA nach vier Tagen des Schweigens ein: „Die National Rifle Association“, heißt es in einer Stellungnahme der NRA am Donnerstag, „ruft das Amt für Alkohol, Tabak, Feuerwaffen und Explosivstoffe auf, sofort zu überprüfen, ob diese Geräte den Bundesgesetzen entsprechen. Die NRA glaubt, dass es für alle Zusätze, die semi-automatische Waffen so aufrüsten, dass sie wie vollautomatische Waffen funktionieren, zusätzliche Regulierungen geben muss“. Das Amt, kurz ATF genannt, gehört zum US-Justizministerium.

Damit wäre der Weg praktisch frei für ein Verbot dieses Waffenzubehörs, denn viele republikanische Abgeordnete lehnen jede Beschränkung beim Waffenbesitz vehement ab, wenn sie auch von der NRA abgelehnt wird. Der republikanische Sprecher des Kongresses, Paul Ryan, zeigte sich am Donnerstag teilweise einsichtig: „Viele meiner Kollegen und ich wussten gar nicht, was ein Bump Stock ist“, räumte er in einem TV-Interview mit MSNBC ein. Aber wenn man damit die bestehende Gesetzgebung umgehen könne, müsse man ganz klar darüber reden.

Der republikanische Senator Carlos Curbelo aus Florida kündigte noch am Donnerstag einen entsprechenden Gesetzesentwurf an. Sein Büro sei „überflutet worden“ von Anrufen anderer Kongressmitglieder, die sofort Aktionen verlangten. Das sei so eine „eklatante Ausnutzung von Gesetzeslücken“, dass es hier zu einer überparteilichen Aktion kommen müsse. Die demokratische Minderheitsführerin im Kongress, Nancy Pelosi, signalisierte rundheraus Unterstützung für den Vorstoß, merkte aber auch an, das könne nur ein Anfang ein.

Ein Bump Stock ist ein Ersatz für die normale Schulterstütze eines Schnellfeuergewehrs, die der Schütze gegen seine Schulter drückt. Feuert er einen Schuss ab, merkt ein Schütze den Rückschlag der Waffe schmerzhaft durch einen Schlag gegen die Schulter. Der Bump Stock wandelt diese Energie in Geschwindigkeit um. Die Waffe gleitet ein kurzes Stück in die Schulterstütze vor und zurück und der Finger muss nur einfach permanent am Abzug gehalten werden. Die Bewegung der Waffe löst direkt den nächsten Schuss aus und so wird beinahe die Feuergeschwindigkeit eines echten vollautomatischen Maschinengewehrs erreicht.

Mit einem Bump Stock lässt sich die Feuerrate eines AR-15, Lieblingsgewehr amerikanischer Massenmörder, bis zu vervierfachen. Weil die Vorrichtung keinerlei mechanische Eingriffe an der Waffe erfordert, sind sie nicht verboten.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ilyas Kurtbecer

06.10.2017, 10:26 Uhr

Halbautomatische Waffen kann man auch in Deutschland legal erwerben. Auch das Gewehr, das der Wahnsinnige von Las Vegas benutzt haben soll, ohne den "Bump Stock", den man übrigens nicht braucht um sehr schnell viele Schüsse abzugeben. Eine Relevanz in der Kriminalität mit solchen Waffen gibt es hier aber nicht. Drüben mit diesen Gewehren auch nicht. Wenn er einen Lastwagen durch die Menge gelenkt hätte, hätte es ähnlich schwerwiegend, wahrscheinlich sogar schlimmer geendet. Das Recht auf Schusswaffenbesitz zu verletzen, welches mindestens gleichwertig mit Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit ist, bringt nicht mehr Sicherheit.

Herr J.-Fr. Pella

06.10.2017, 10:48 Uhr

Die USA und die Waffen (gesetzte)......
eine unendliche Geschichte.
Diese neueste Verlautbarung ist nur ein sehr, sehr übler und schlechter Witz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×