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06.08.2015

08:15 Uhr

Verbot in Australiens Gefängnissen

„Beten und Rumpfbeugen“ als Nikotinersatz

VonUrs Wälterlin

Australiens Regierung sagt den Rauchern im Land den Kampf an. Jetzt trifft es alle Häftlinge: Statt sich dem Nikotingenuss zu widmen, sollen Gefangene künftig lieber meditieren. Im Knast sorgt das Rauchverbot für Ärger.

Am 10. August soll in allen Gefängnissen in Australien ein totales Rauchverbot eingeführt werden. dpa

Keine Zigaretten mehr

Am 10. August soll in allen Gefängnissen in Australien ein totales Rauchverbot eingeführt werden.

SydneyEs dauert noch ein paar Tage bis zur Stunde Null. Aber bei der Polizei im australischen Bundesstaat New South Wales bereitet man sich aufs Schlimmste vor. Eingreiftruppen stehen bereit, um jedes Zeichen von Aufruhr in den Strafanstalten niederzuschlagen. Am 10. August soll in allen Gefängnissen ein totales Rauchverbot eingeführt werden. 11.000 Häftlinge müssen von einem Tag auf den andern auf ihre Kippe verzichten.

Wer will, kann eine Kur mit Nikotinpflastern beginnen – acht Wochen lang auf Rechnung der Steuerzahler. Danach müssen die Gefangenen nikotinhaltigen Kaugummi kaufen. Zudem hat das Gefängnisdepartement unter dem deutschstämmigen Kommandanten Peter Severin eine Liste erstellt, mit möglichen Ablenkungen, wenn die Lust auf das Gift zu groß wird: meditieren könne helfen, beten, Rumpfbeugen.

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Auch „das Schreiben an einen Liebsten“, sei hilfreich, oder das Lösen von Kreuzworträtseln. Wem das nicht als Ablenkung genüge, kann „von der Zukunft träumen“, so das Departement. Das Nein zur Kippe gilt auch für Gefängniswärter. Die können sich allerdings zum Rauchen außerhalb der Anstalt begeben, „etwa in ein Auto oder sonst wo“, so Severin.

Drei Viertel aller Gefangenen in New South Wales rauchen, so das Gesundheitsministerium. Viele Insassen sind schon seit ihrer Jugend süchtig.

Wichtige Währung

„Folter“ nennt Brett Collins von der Organisation „Justice Action“ das Rauchverbot für Sträflinge. Der Bankräuber saß selbst zehn Jahre hinter Gittern. Heute setzt er sich für die Belange von Gefangenen ein. Rauchen sei nicht nur ein „Ventil zum Stressabbau“, sagt er. Es sei eine der wenigen Freiheiten, die man hinter Gittern noch habe. Zigaretten seien auch eine wichtige Währung im Knast, sagt Collins. Man kaufe sich damit Gefälligkeiten von anderen Gefangenen, Respekt, ja sogar Sicherheit.

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