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11.01.2015

15:32 Uhr

Verbot von Schleier und Burka

Wie China mit Muslimen umgeht

VonFinn Mayer-Kuckuk

Auch die aufstrebende Nation China tut sich schwer mit den Muslimen in der eigenen Bevölkerung. Ein neues Gesetz zeigt totales Unverständnis für kulturelle Unterschiede - und könnte einen Teufelskreis in Gang setzen.

Eine Igurin passiert mit ihren Kindern in Urumqi, Provinz Xinjiang, eine Reihe von Soldaten nach einem gewaltsamen Zwischenfall Ende des vergangenen Jahres zwischen den Iguren und Chinesen. dpa

Eine Igurin passiert mit ihren Kindern in Urumqi, Provinz Xinjiang, eine Reihe von Soldaten nach einem gewaltsamen Zwischenfall Ende des vergangenen Jahres zwischen den Iguren und Chinesen.

PekingErst kam das Bartverbot für junge Männer, jetzt ein Gesetz gegen die Verschleierung: Die chinesische Regierung in Peking zeigt sich zunehmend intolerant gegenüber Muslimen in der eigenen Bevölkerung. Am Wochenende haben das Parlament in der Region Xinjiang ein Verbot für Schleier und Burka in der dortigen Hauptstadt Urumqi erlassen, berichtet die staatliche Zeitung „China Daily“.

Eine Übernahme des Gesetzes durch den Volkskongress vom Urumqi stehe jedoch noch aus, so die Zeitung. Eine Umsetzung in geltendes Recht hat jedoch gute Chancen: Peking hat offiziell den Kampf gegen „religiösen Extremismus“ aufgerufen – und meint damit zunehmend die traditionelle Kultur des Volkes der Uiguren in Xinjiang.

Wie es zum Massaker am Tiananmen-Platz kam

15. April 1989

Der beliebte Reformer Hu Yaobang stirbt. Aus Trauerkundgebungen werden erste politische Proteste. In den folgenden Wochen nimmt die Zahl der Teilnehmer rasch zu.

22. April 1989

Zehntausende Studenten ziehen mit Transparenten auf den Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) in der Nähe des Regierungssitzes.

Mai 1989

Auch in anderen Städten demonstrieren Studenten. Die Teilnehmerzahlen gehen in die Hunderttausende. Staatsmedien verdammen die jungen Leute als Aufrührer. Diese wiederum verleihen ihren Forderungen durch einen Hungerstreik Nachdruck. Sie bauen Zelte auf und bleiben rund um die Uhr dort, um eine Räumung zu verhindern.

19. Mai

KP-Chef Zhao Ziyang versucht mit den Studenten eine Einigung auszuhandeln und scheitert. Zhao selbst wäre zu Reformen bereit; Betonköpfe in der Partei verhindern jedoch einen Kompromiss.

20. Mai

Truppen der Volksbefreiungsarmee erscheinen auf der Straße. Bürger schützen die Studenten, indem sie den Vormarsch blockieren. Die Pekinger Soldaten weigern sich, auf ihre Mitbürger zu schießen.

2. Juni

Nachdem der Militäreinsatz ausgeblieben ist, herrscht auf dem Tiananmen-Platz Partystimmung. Die Führung nutzt die Zeit jedoch, um ahnungslose Einheiten aus entfernten Provinzen in die Hauptstadt zu verlegen. Plötzlich steigt die Nervosität wieder steil an.

3. Juni spätabends bis 4. Juni frühmorgens

Die frischen Truppen führen ihren Befehl aus. Sie schießen sich ihren Weg zum Tiananmen-Platz frei. Mehrere hundert, einigen Quellen zufolge bis zu 2600 Menschen sterben, die meisten von ihnen solidarische Bürger, aber auch viele Unbeteiligte.

1992

Deng Xiaoping reißt das Land durch seine „Südreise“ aus der Lethargie, in die es nach dem Blutbad geraten ist. Er kündigt einen neuen Schub von Wirtschaftsreformen an. Eine neue Generation wächst seitdem im Wohlstand, aber weitgehend unpolitisch auf.

Ganz unabhängig von den potenziell fremdenfeindlichen „Pegida“-Demonstrationen in Deutschland und dem extremistisch motivierten Terroranschlag auf eine Satirezeitung in Paris geht auch in China die Akzeptanz für den Islam derzeit deutlich zurück. In Fernost war es ein eher dilettantischer Brandanschlag auf das Tor des Himmlischen Friedens, der am Anfang des harten Kurses gegen die Muslime im eigenen Land stand.

Im Oktober 2013 waren drei Uiguren mit einem Geländewagen unter das berühmte Mao-Portrait an dem Tor gerast und war dann in Flammen aufgegangen. Außer den Insassen starben zwei Passanten. Die Sicherheitsbehörden nahmen das zum Anlasse, einen „harten Schlag“ gegen islamistischen Terror zu beginnen. In der Provinz Xinjiang, Heimat des Volkes der Uiguren, verhaftete die Polizei binnen weniger Tage Hunderte von Menschen.

Dann begannen auch kulturelle Repressionen gegen die islamische Minderheit in der Bevölkerung. Im August 2014 hat die Regierung Vollbärte in öffentlichen Verkehrsmitteln in Urumqi verboten – um die Terrorgefahr zu vermindern. Die Polizei hat sogar eine Belohnung ausgesetzt: Wer den Träger eines zu dichten Bartes verpfeift, konnte auf sich auf bis zu 5000 Euro –Kopf—Bartgeld freuen. . Das sei „international üblich“, behaupteten Propagandamedien dreist.

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