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29.07.2016

10:40 Uhr

Verbraucherstimmung in Großbritannien

Immer weiter runter

VonKatharina Slodczyk

Das Brexit-Referendum verdirbt den Konsumenten die Laune gründlich – und lässt das britische Verbrauchervertrauen abstürzen. Denn die Unsicherheit der Briten über die Zukunft des Landes ist groß.

Shopping in London: Die Konsumlaune der Briten ist im Keller. Reuters

New Bond Street in London

Shopping in London: Die Konsumlaune der Briten ist im Keller.

LondonDas Votum, aus der Europäischen Union auszutreten, verdirbt den britischen Konsumenten massiv die Laune. Das Verbrauchervertrauen ist so stark gefallen wie zuletzt 1990. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Marktforschungsunternehmen GfK in der Nacht zu Freitag veröffentlicht hat. Demnach ging der entsprechende Index auf minus zwölf zurück – nach einem Wert von minus eins im Vormonat.

Schon Anfang Juli hatte sich ein tiefer Fall des Index abgezeichnet, als die GfK nach einer Sonderumfrage einen Einbruch des Verbrauchervertrauens kurze Zeit nach dem Brexit-Referendum meldete. Vor inzwischen gut fünf Wochen haben 52 Prozent der Briten dafür gestimmt, der Staatengemeinschaft den Rücken zu kehren.

Bereits kurze Zeit später kam es zu einem Regierungswechsel: David Cameron trat als Premierminister zurück und Theresa May, bis dahin Innenministerin Großbritanniens, übernahm das höchste Regierungsamt. Sie wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres die offiziellen Austrittsgespräche mit der EU in Gang setzen.

Warum Deutschland Großbritannien braucht

Hintergrund

Deutschland und Großbritannien bleiben auch nach einem Austritt der Briten aus der Europäischen Union miteinander verbunden.

Nato/ UN

Großbritannien ist eine der wichtigsten Militärmächte im westlichen Verteidigungsbündnis und besitzt Atomwaffen. Im Gegensatz zu Deutschland haben die Briten zudem einen ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat mit Vetorecht.

Rüstungsprojekte

Das Mehrzweckkampfflugzeug Eurofighter wird von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien in Gemeinschaftsproduktion gebaut. Auch am Militärtransporter A400M sind beide Länder neben Frankreich, Belgien, Luxemburg, Spanien und der Türkei beteiligt.

Geheimdienstarbeit

Der britische Geheimdienst GCHQ verfügt über ein ähnlich weitreichendes Spionageprogramm wie die amerikanische NSA. Er zapft direkt die Glasfaserkabel an, die Daten von Europa in die USA weiterleiten. Der GCHQ kooperiert bei der Terrorabwehr mit dem BND.

Wirtschaft

Großbritannien und Deutschland sind wichtige Handels- und Investitionspartner. Mehr als 2.500 deutsche Unternehmen haben Niederlassungen in Großbritannien. Etwa 3.000 britische Unternehmen sind in Deutschland vertreten. Für die deutsche Automobilindustrie ist das Vereinigte Königreich einer der größten Exportmärkte.

Finanzen

London ist das wichtigste Finanzzentrum Europas und größter Handelsplatz für Devisen und Derivate weltweit. Die Frankfurter Börse plant, mit ihrem Londoner Pendant zu fusionieren.

Menschen

Gut 100.000 Briten leben in Deutschland, etwa 300.000 Deutsche in Großbritannien. Großbritannien ist bei deutschen Studenten beliebt. Viele Mitglieder des deutschen Hochadels sind enger oder entfernter mit Königin Elizabeth II. und ihrem Gemahl Prinz Philip verwandt.

Die Unsicherheit über die Zukunft Großbritannien habe die Sorgen britischer Konsumenten deutlich gesteigert, sagte Joe Staton von der GfK. „Die künftige Entwicklung des Verbrauchervertrauens hängt davon ab, ob wir in einer neue Phase von Unsicherheit eintreten, die der Wirtschaft Schaden zufügt“, so der Manager der Marktforschungsgesellschaft, „oder wir den Menschen wieder Vertrauen zurückgeben, indem wir eine positive Haltung einnehmen, wenn es darum geht, einen neuen Deal für Großbritannien zu verhandeln.“

Branchenexperten erwarten allerdings nicht, dass dies nicht so bald passiert. Das Verbrauchervertrauen dürfte weiter fallen, sagen Barclays-Analysten voraus. Die britischen Haushalte würden demnach in den nächsten Monaten vorsichtiger sein und sich beim Geldausgeben massiv zurückhalten.

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