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24.09.2014

17:41 Uhr

Vereinte Nationen

Warum wir die Uno brauchen

VonMaike Freund

Ebola, IS, Ukraine: Bei der Uno-Vollversammlung stehen die aktuellen Krisen auf der Tagesordnung. Geredet wird viel, die Ergebnisse lassen auf sich warten. Wozu brauchen wir die Uno überhaupt noch?

Die Friedenstruppe der Uno: Die Blauhelme bei einem Afrika-Einsatz. dpa

Die Friedenstruppe der Uno: Die Blauhelme bei einem Afrika-Einsatz.

DüsseldorfLangsam, langsamer, Uno. Das könnte das Motto der Vereinten Nationen sein. Das gilt für den Ukraine-Konflikt, das gilt für den Kampf gegen die Klimaerwärmung. Entscheidungsfreudig ist keine Eigenschaft der Uno. Auch deshalb nennen Kritiker die Weltorganisation einen zahnlosen Tiger.

Das ist auch kein Wunder. Denn immerhin versammeln sich 193 Nationen, müssen 193 Interessen zusammengebracht werden, muss die Mehrheit oder zwei Drittel davon ihre Entscheidungen gemeinsam fällen. Manchmal ist sie auch einstimmig nötig. Es dauert, den gemeinsamen Nenner zu finden, wenn es denn überhaupt ein Ergebnis gibt. Der Klimagipfel hat das deutlich gezeigt. Lippenbekenntnisse gibt es, doch in der Praxis hapert es.

Dieses Manko macht die Weltorganisation aber nicht per se schlecht oder überflüssig. Denn schon ihr Ziel ist aller Ehren wert. Die Wahrung des Weltfriedens. Nicht weniger hat sich die Uno zur Aufgabe gemacht, so steht es in der Präambel der Charta.

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

Aber schon im Vorwort taucht das erste Problem auf. „Wir, die Völker der Vereinten Nationen…“, steht dort als Einleitung. Doch es sind die Regierungen der Länder, die über den Erfolg der Uno bestimmen. Sie wurden nicht immer demokratisch gewählt. Und ihre politischen Interessen sind unterschiedlich.

Auch das wichtigste Organ der Weltorganisation, der Sicherheitsrat, der die Macht in Sachen Weltfrieden in Händen hält, spiegelt nur die aktuellen politischen Strukturen wider – die Realität der internationalen Beziehungen. Dass die ständigen Mitglieder Großbritannien, Frankreich, China, Russland und die USA mit ihrem Veto-Recht mehr verhindern als voranbringen – und zwar immer dann, wenn ihre Nationen unmittelbar betroffen sind, ist nur eine weitere Realität, das zeigte der Giftgaseinsatzes in Syrien. Während Russland die Aufständischen für den Einsatz verantwortlich machte, gaben die USA Syriens Machthaber Präsident Baschar al-Assad die Schuld. Der Machtgeschacher zeigt: Eine Organisation kann nur so gut funktionieren wie ihre Länder zusammenarbeiten.

Kommentare (3)

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Herr Thomas Ungläubig

24.09.2014, 19:18 Uhr

UNO? = Unfähig - Naiv – Ohnmächtig und USA-dominiert! Wer braucht denn sowas?

Herr Frank Müller

24.09.2014, 19:49 Uhr

Solange es Veto-Rechte gibt, nützt die UNO der Welt nur sehr begrenzt. Ein völlig überschätzter Verein.

Herr Fritz Tolas

24.09.2014, 20:55 Uhr

Als die Russen in der Ukraine einmarschiert sind habe ich mich gefragt, ob es den Verein überhaupt noch gibt.
Abgesehen von den Balkanstaaten gibt es wohl sehr wenige Regionen und Länder auf dieser Erde, mit denen keine der drei Supermächte etwas zu tun haben will bzw. Dort "Interessen" hat. Und diese führen ihre Kriege nach macht- und wirtschaftspolitischen Kriterien.
Die muslimischen Staaten würden wohl kaum einer Entscheidung gegen die IS zustimmen, odr grundsätzlich Position gegen islamistischen Teror beziehen.
Dann bleiben nur noch die Gesundheitsthemen. Und dafür gibt es ja die WHO. Welchen Sinn hat dann die UNO? Hunderte von Funktionären auf Kosten der Steuerzahler um die Welt jetten lassen um Lippenbekenntnisse bezüglich des Klimas abzugeben.
Es gibt einfach keine Existenzbegründung für diesen Verein. Rein faktisch betrachtet.

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