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21.09.2014

11:35 Uhr

Vereitelter Anschlag

Terroristen nahmen offenbar EU-Kommission ins Visier

Behörden fürchten, dass Kämpfer der Terrormiliz IS auch in Europa zuschlagen. Nun ist es der belgischen Polizei laut Berichten gelungen, mehrere Attentate zu vereiteln – darunter auf ein prominentes Gebäude in Brüssel.

EU-Kommission  in Brüssel: „Wir arbeiten rund um die Uhr am Problem der zurückgekehrten Kämpfer“. dpa

EU-Kommission in Brüssel: „Wir arbeiten rund um die Uhr am Problem der zurückgekehrten Kämpfer“.

BrüsselDie belgischen Sicherheitsbehörden sollen laut Medienberichten Attentate von Dschihadisten vereitelt haben, darunter einen Anschlag auf das Gebäude der EU-Kommission. Wie der niederländische Fernsehsender NOS am Samstag berichtete, gehörte das Kommissionsgebäude in Brüssel zu den Zielen der mutmaßlichen Dschihadisten, die in Belgien festgenommen wurden. Die belgische Tageszeitung „L'Echo“ berichtete, die Sicherheitsbehörden hätten mehrere Anschläge von Syrien-Rückkehrern und Sympathisanten der Miliz Islamischer Staat (IS) vereitelt.

„Eines der Ziele war das Gebäude der EU-Kommission“, hieß es in dem NOS-Bericht, in dem keine konkreten Quellen benannt wurden. Mindestens zwei der in Belgien festgenommenen mutmaßlichen Dschihadisten stammten demnach aus Den Haag. Einzelne Kommissare seien nicht im Visier der Dschihadisten gewesen. Vielmehr sei es um ähnliche Taten gegangen wie der Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel im Mai. Auch „L'Echo“ berichtete, die Pläne hätten darauf abgezielt, ähnliche Attentate wie auf das Museum zu verüben.

Am 24. Mai hatte ein bewaffneter Mann im Eingangsbereich des Museums das Feuer eröffnet. Vier Menschen starben. Der mutmaßliche Täter, ein algerischstämmiger Franzose, sitzt in Belgien in Haft. Er hatte mehr als ein Jahr auf der Seite von Islamisten in Syrien gekämpft.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, die Berichte seien der Behörde bekannt. „Wir vertrauen auf die angemessenen Schritte der nationalen Behörden“, sagte er. Das Gebäude der EU-Kommission beherbergt mehrere tausend Büros für Mitarbeiter aus den 28 EU-Mitgliedstaaten. Auch das Nato-Hauptquartier befindet sich in Belgien.

Belgien ist wie viele andere Länder besorgt angesichts von Dschihadisten aus Europa, die von Kämpfen in Syrien zurückkehren. Die belgischen Behörden gehen laut „L'Echo“ davon aus, dass bis zu 400 Belgier als Kämpfer nach Syrien reisten. Rund 90 von ihnen seien bisher zurückgekehrt.

Gewaltsame Befreiung von Geiseln

Algerien, Januar 2013

Mit der Erstürmung des Gasfelds In Amenas beendet die algerische Armee eine Terroraktion islamistischer Terroristen. Mindestens 80 Menschen sterben während der Geiselnahme und der Befreiung. Rund 700 algerische Beschäftigte und mehr als 100 ausländische Mitarbeiter können sich während des mehrtägigen Dramas selbst retten oder werden befreit.

Somalia, Januar 2013

Bei der versuchten Befreiung eines seit 2009 von der Islamistenmiliz Al-Shabaab festgehaltenen französischen Geheimagenten sterben die Geisel und mindestens ein französischer Soldat. Bei dem Militäreinsatz nahe Mogadischu werden nach Angaben von Anwohnern auch fünf Zivilisten und mehrere Islamisten getötet.

Nigeria, März 2012

Bei einer missglückten Befreiungsaktion kommen eine britische und eine italienische Geisel ums Leben. Die Männer hatten für eine italienische Baufirma gearbeitet und waren seit zehn Monaten in der Gewalt nigerianischer Terroristen.

Irak, März 2011:

Extremisten überfallen das Provinzparlament in der Stadt Tikrit und nehmen dort tagende Abgeordnete als Geiseln. Irakische Sicherheitskräfte stürmen wenige Stunden später das Gebäude, um sie zu befreien. Insgesamt sterben 65 Menschen.

IRAK, Oktober 2010

Mitglieder des irakischen Al-Kaida-Ablegers besetzen eine katholische Kirche und verschanzen sich dort mit zahlreichen Geiseln. Als die irakische Polizei die Kirche stürmt, kommen mindestens 50 Geiseln und fünf Geiselnehmer ums Leben.

Kolumbien, Juli 2008

Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, drei US-Amerikaner und weitere Geiseln werden aus der Gewalt von Farc-Rebellen befreit. Soldaten hatten sich als Vertreter einer regierungsunabhängigen Organisation ausgegeben und waren in einem Hubschrauber zu einem vermeintlichen Treffen mit einer internationalen Kommission geflogen. In der Luft wurden mitfliegende Rebellen überwältigt und die Geiseln waren frei.

Afghanistan, August 2007

Eine in Kabul entführte deutsche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ora international wird von afghanischen Sicherheitskräften befreit.

Russland, September 2008

Mehr als 30 Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan in der russischen Kaukasusregion Nordossetien und nehmen über 1100 Kinder, Eltern und Lehrer 52 Stunden lang als Geiseln. Bei Erstürmung der durch russische Sicherheitskräfte werden 331 Menschen getötet. Unter den 318 getöteten Geiseln sind 186 Kinder.

Russland, Oktober 2002:

41 tschetschenische Terroristen überfallen ein Moskauer Musicaltheater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle Terroristen sterben, die meisten durch von Sicherheitskräften eingesetztes Gas.

Die Behörden in Brüssel bestätigten der Nachrichtenagentur Belga, dass es mehrere Einsätze gegen Verdächtige gegeben habe. „Wir arbeiten rund um die Uhr am Problem der zurückgekehrten Kämpfer“, sagte ein Vertreter der Justizbehörden. Im Juni hatte ein belgisches Gericht 46 mutmaßliche Mitglieder der Gruppe Sharia4Belgium angeklagt. Die radikale Gruppe wird verdächtigt, junge Kämpfer für den Bürgerkrieg in Syrien anzuwerben.

Laut NOS wurden ein Mann und eine Frau türkischer Herkunft Anfang August festgenommen, als sie mit einem Flug aus der Türkei in Brüssel ankamen. Sie sollen in Syrien gewesen sein. Die niederländische und die belgische Polizei hätten zeitgleich Razzien in Brüssel und den Haag vorgenommen. In Brüssel seien dabei Waffen und schusssichere Westen gefunden worden, in Den Haag dschihadistische Literatur.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Chris Reisinger

23.09.2014, 10:25 Uhr

Das war ja vorauszusehen und da muss an auch kein Hellseher sein oder Politik studiert haben. Je mehr sich die EU von den Amis vor deren Karren spannen lässt, desto mehr ziehen wir diese politisch orientieren Taten ins eigene Land. Jetzt fehlt nur mehr ein europäisches 9/11 oder "eindeutige Vorboten" dafür, um auch bei uns in Europa die Überwachungsgesetze drastisch verschärfen zu können. Und so hat sich die EU mit ihrer übertriebenen Asylpolitik die künftigen "Täter" in unser Land geholt. Und wenn berichtet wird, dass in Oslo mittlerweile Mohammed der beliebteste Vorname bei den Neugeborenen ist, dann wissen wir, wie weit diese Prozess bereits gediehen ist, wobei Oslo damit nicht alleine ist. "Good old Europe" war einmal ! Dazu kommt jetzt CEBT und TTIP, welche nun im Schatten der Ereignisse hemmungslos vorangetrieben werden, und damit werden wir an die Weltenlenker und Megakonzerne dieser Erde buchstäblich verkauft.
Hier bekommt die Folgerung " Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, Autovertreter verkaufen Autos und Volksvertreter ? "

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