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01.08.2013

07:46 Uhr

Verfassungsänderung

Nazi-Taktik nachahmenswert

Japans Vize-Regierungschef Taro Aso wünscht sich, dass sein Land von den Nazis lerne. In der Debatte um die Verfassungsänderung fiel Aso nicht zum ersten Mal durch umstrittene Äußerungen auf.

Bekannt für seine umstrittenen Äußerungen: Japans Vize-Regierungschef Taro Aso. AFP

Bekannt für seine umstrittenen Äußerungen: Japans Vize-Regierungschef Taro Aso.

TokioDer stellvertretende japanische Regierungschef Taro Aso hat in der Debatte um eine Verfassungsänderung die Taktik der Nazis als nachahmenswert bezeichnet und damit im In- und Ausland Empörung ausgelöst. Aso zog seine Äußerung am Donnerstag zurück und sprach von einem „Missverständnis“. Er hatte zu Wochenbeginn nach Medienberichten in einer Rede in einem Tokioter Hotel gesagt: „Die deutsche Weimarer Verfassung wurde unbemerkt, ohne dass es jemandem auffiel, durch die Verfassung der Nazis ersetzt. Warum lernen wir nicht von dieser Taktik?“. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe strebt eine Revision der pazifistischen Nachkriegsverfassung an.

Die Medien hätten begonnen, viel Lärm um die geplante Verfassungsänderung zu machen, was China und Südkorea auf den Plan gerufen habe, sagte Aso in seiner Rede. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles forderte Aso auf, seine Äußerung zu den Nazis zu erklären. „Was für "Techniken" der Nazi-Herrschaft sind es wert, gelernt zu werden - wie man heimlich Demokratie kaputtmacht?“, heißt es in einer Stellungnahme. Ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul mahnte Japans politische Führer nach Medienberichten zu Vorsicht bei Worten und Taten. Ein Vertreter der japanischen Oppositionspartei der Sozialdemokraten forderte Aso zum Rücktritt auf.

Die japanische Regierung unter dem rechtskonservativen Ministerpräsidenten Abe strebt eine Abkehr von der Nachkriegsordnung an. Abe glaubt, dass die Verfassung nicht der einer unabhängigen Nation entspricht, da sie Japan 1946 von der Besatzungsmacht USA aufgezwungen worden sei. Auf diese Weise will Abe mit Blick auf China und Nordkorea das Militär stärken. Sein Stellvertreter Aso, zugleich Finanzminister, ist bekannt für umstrittene Äußerungen. So war er von Medien einmal mit den Worten zitiert worden, er wolle Japan zu einem Land machen, wo „reiche Juden“ gerne leben würden.

Von

dpa

Kommentare (17)

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Red_Hot_Chili

01.08.2013, 08:16 Uhr

Taro Aso übt sich in einer ganz anderen Taktik!!

Wenn irgend jemand auf der Welt Aufmerksamkeit "erschreien" möchte sagt er/sie: "Wie die Nazis" - "Wie Hitler" - ...

Genauso wie ein Kind, das schreit, wenn es beachtet werden will.

pit

01.08.2013, 09:01 Uhr

Sicher es gibt solche Menschen, die Minderwertigkeitsgefühle auf diese Weise kompensieren wollen oder nur Aufmerksamkeit umlenken wollen. Fakt ist jedoch, dass das Naziverbrechen in anderen Kulturen stark relativiert betrachtet wird. In moslemisch dominierten Staaten wird die Judenvernichtung durchaus gutiert. Das erfahre ich immer wieder seit 1967. die iranische Führung spricht offen über die Ausrottung der Juden und die Vernichtung Israels. Diese Einstellung können sie bei einer Tasse Tee in jedem arabischen bazar hören; garniert mit den abscheulichsten Witzen. Hier in Deutschland wird die Vergleichbarkeit der Judenvernichtung mit anderen Volksvernichtungen tabuisiert und bestraft; wegen der Unvergleichlichkeit der Dimensionen und der Organisation dieser Verbrechen. Andere Völker sehen das durchaus differenzierter.
Wenn japanische Politiker eine Änderung der Nachkiegsordnung verlangen, dann heißt das auch die Emanzipation von der Bevormundung durch die USA anzustoßen. Das stünde uns übrigens auch gut zu Gesicht. Es gibt keinen Grund mehr Soldaten und Einrichtungen der Siegermächte auf unserem Boden zu dulden. Es gibt keinen Grund mehr diesen Ländern zu erlauben unsere Grundrechte zu negieren. Es gibt auch keinen Grund mehr europäischen Ländern zu erlauben das deutsche Volk auszuplündern.

007

01.08.2013, 09:34 Uhr

Von den National-Sozialisten kann man doch nur lernen, wie es auf garkeinen Fall "gemacht" werden darf. Niemals wieder!! Das aber heißt auch, dass die Demokratie und der Rechtsstaat nicht in einer Weise ihre "Wehrhaftigkeit" zu praktizieren haben, die an Deutschlands dunkelsten Geschichtsabschnitt erinnert. Es gibt aktuell Erscheinungen, wo ich als überzeugter Demokrat nur entsetzt mit dem Kopf schütteln kann.
Was die Stationierung fremde Truppen auf deutschem Territorium betrifft, so sind diese Verbände abzuziehen und sollten rasch in ihre Entsendungsstaaten zurück verlegt werden.
Die Freiheit Deutschlands nach Außen, hat der Freiheit Deutschlands in seinem Inneren zu entsprechen.
Im Übrigen plädiere ich für die Wiederinkraftsetzung der allgemeinen Wehrpflicht. Eine Berufsarmee ist eine krankhafte Erscheinung in einer Demokratie.

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