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27.05.2011

07:49 Uhr

Vergewaltigungsvorwürfe

Stimmungsmache mit pikanten Details in Strauss-Kahn-Affäre

Immer mehr Details der Affäre Strauss-Kahn kommen ans Licht. Dabei ist die Frage, was wirklich im Hotelzimmer geschah, längst Nebensache. Anwälte und Behörden liefern sich eine Schlammschlacht, wer die Presse füttert.

Strauss-Kahn zieht in Stadthaus in Manhattan

Video: Strauss-Kahn zieht in Stadthaus in Manhattan

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New YorkUm Dominique Strauss-Kahn und die Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung ist eine offene Schlammschlacht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgebrochen. Die Anwälte des früheren Chefs des Internationalen Währungsfonds warfen am Donnerstag der Staatsanwaltschaft vor, gezielt Informationen gegen ihren Mandanten zu streuen. Die Ankläger weisen das zurück und stellen ihrerseits die Frage, ob vertrauliche Fakten nicht durch die Gegenseite in die Öffentlichkeit gekommen seien.

Auch die neue Adresse des 62-jährigen ex-IWF-Chefs ist kein Geheimnis mehr: Er wohnt jetzt in einem luxuriösen Haus mit vier Schlafzimmern und Whirlpool, das seitdem von Journalisten belagert wird (SEHEN SIE HIER EIN VIDEO DES INNEREN DES ANWESENS).

Als weitere Beispiele führten Strauss-Kahns Anwälte Medienberichte über DNA-Tests an. Dabei seien auch Informationen, die "selbst wenn sie wahr sind, von keinem Gericht zugelassen würden". Demnach stimmten dessen DNA-Proben mit Spuren auf der Kleidung seines mutmaßlichen Opfers überein. Strauss-Kahn soll versucht haben, ein Zimmermädchen in seiner Hotelsuite zu vergewaltigen. Er weist die Vorwürfe zurück.

Strauss-Kahns Anwälte Benjamin Brafman und William Taylor werfen insbesondere der Polizei vor, wichtige Informationen an die Öffentlichkeit gegeben zu haben, noch bevor die Verteidiger sie kannten. Das bedrohe das verfassungsmäßige Recht auf ein faires Verfahren.

Die Chronologie des Strauss-Kahn-Skandals

Samstag 14. Mai

Strauss-Kahn wird in New York festgenommen. Nach der später veröffentlichten Anklageschrift soll der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner Hotelsuite versucht haben, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen. Es war zum Aufräumen gekommen.

Sonntag 15. Mai

Die Frau identifiziert Strauss-Kahn, wie Medien berichten.

Montag 16. Mai

Eine New Yorker Richterin entscheidet, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleibt. Sie begründet dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution von einer Million Dollar lehnt sie ab. Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: „Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt „versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um „sexuellen Missbrauch“, „Freiheitsberaubung“ und „unsittliches Berühren“. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf.

Dienstag 17. Mai

Strauss-Kahn soll nach Angaben eines New Yorker Boulevardblattes die Möglichkeit von „einvernehmlichem Sex“ eingeräumt haben. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. Das Zimmermädchen will gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds aussagen, sagt ihr Anwalt dem Sender CNN. Sie arbeite bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. In seiner Gefängniszelle bleibt der IWF-Chef wegen angeblicher Selbstmordgefahr rund um die Uhr unter Beobachtung.

Mittwoch 18. Mai

Die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die „New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids.

Donnerstag 19. Mai

Strauss-Kahn zieht die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Außerdem kommt er gegen eine Kaution von rund einer Millionen Dollar in bar frei. Er bleibt unter Hausarrest und muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Montag, 23. Mai

Strauss-Kahn streitet in einer E-Mail an seine ehemaligen IWF-Kollegen alle Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung vehement ab. "Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und ich entlastet werde", schreibt er in dem veröffentlichten Brief. Gleichzeitig kommen neue Indizien ans Licht. Auf der Kleidung des Zimmermädchens und dem Teppich des Hotelzimmers befanden sich Spermaspuren.

Dienstag, 24. Mai

Die Spermaspuren auf dem Kleid des Zimmermädchen stimmen mit der DNA von Strauss-Kahn überein, berichten mehrere Medien. Die Anwälte des Ex-IWF Chefs äußern sich zunächst nicht dazu.

Donnerstag, 26. Mai

Strauss-Kahn hat eine neue Bleibe in New-York: Das Apartment soll im Stadtteil Tribeca liegen. Dort steht er bis zum Beginn des Prozess unter Hausarrest.

Freitag, 1. Juli

Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Offensichtlich ist die Glaubwürdigkeit der Frau, die dem ehemaligen IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vorwirft, erschüttert. Nach Haft und verschärftem Hausarrest ist Strauss-Kahn wieder auf freiem Fuß. Doch er darf die USA vorerst nicht verlassen.

Die Anwälte gaben an, im Besitz von Informationen zu sein, die die Glaubwürdigkeit der 32-Jährigen massiv untergraben könnten. Die Bezirksstaatsanwaltschaft drehte den Spieß postwendend um und zeigte sich irritiert über die öffentliche Ankündigung vermeintlich neuer Informationen. Diese seien nicht bekannt. Ein Polizeisprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Der Anwalt der Einwanderin aus Guinea wertete das Schreiben als einen Versuch, seine Mandantin als schlechten Menschen darzustellen.

Die Staatsanwaltschaft drehte den Spieß nur wenige Stunden später um: "Wir sind verärgert, dass Sie in der Öffentlichkeit verbreiten, dass Sie über Informationen verfügen, die ein schlechtes Licht auf den Fall werfen und die Reputation des Opfers untergraben", schrieb Joan Illuzzi-Orbon von der Staatsanwaltschaft zurück. "Uns sind keine solche Informationen bekannt."

Bezeichnend: Beide Briefe, die ja eigentlich jeweils an die Gegenseite adressiert sind, wurden sofort veröffentlicht. Unterdessen hat das Zimmermädchen weitere Anwälte angeheuert, um ihr Ansehen zu bewahren. "Wir erwarten, dass die Verteidigung sie irgendwie attackieren wird", sagte ihr Anwalt Jeffrey Shapiro der Finanzagentur Bloomberg. "Es ist die Aufgabe für ein ganzes Team, sie zu schützen." Zu Shapiro stoßen jetzt der frühere Bürgerrechtsanwalt Norman Siegel und Ex-Staatsanwalt Kenneth P. Thompson.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt angegeben, dass die Beweise gegen Strauss-Kahn umfangreich wären und täglich wüchsen. Der nächste Gerichtstermin ist für den 6. Juni angesetzt. Bei einer Verurteilung drohen dem ehemaligen IWF-Chef nch New Yorker Recht zwischen 15 und 20 Jahren Haft.

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Unterdessen überlegt ein New Yorker Lokalpolitiker, Strauss-Kahn noch weiter zur Kasse zu bitten. Scott Stringer will dem Franzosen die Rechnung für "Mehraufwendungen" im Stadtteil Tribeca präsentieren, in dem der 62-Jährige unter strengem Hausarrest lebt. In Zeiten knapper Kassen könne Manhattan nicht einfach so viel Geld für Polizei und ähnliches ausgeben, ohne den Verursacher zahlen zu lassen, sagte er dem Fernsehsender Fox News.

Strauss-Kahn soll vor knapp zwei Wochen in seinem Hotelzimmer im Sofitel am Times Square splitternackt ein Zimmermädchen überfallen und zum Oralsex gezwungen haben. Für eine gewaltige Kaution von sechs Millionen Dollar steht er unter strengstem Hausarrest, im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm Jahrzehnte der Haft. Unterdessen berichten New Yorker Zeitungen, die Affäre habe schon zu einer Konsequenz geführt: Im Sofitel dürften die Zimmermädchen statt knielanger Röcke jetzt Hosen tragen.

Kommentare (1)

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JL1

27.05.2011, 09:57 Uhr

Hosen statt knielanger Röcke?
Für Oralverkehr ist das nicht wirklich ein Mehr an Schutz!

Sex sells!

Das wissen nicht nur die Medien.
Siehe Kachelmann, Assange( Wikipedia),...

Falls es wirklich eine Verschwörung ist, ist das der Weg der ersten Wahl, weil hier die (Vor)Verurteilungen schnell da sinbd und dann der/die Angeklagte mit und ohne Richterspruch sozial und finanziell schnell am Ende sind.

Unser Justizsystem im Westen demontiert sich so selber.

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