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15.01.2015

14:23 Uhr

Vergleich mit Attentätern von Paris

Türkei und Israel liefern sich heftiges Wortgefecht

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu hat Israels Netanjahu mit den Attentätern von Paris verglichen. Israels Außenminister Lieberman hatte Erdogan zuvor als „antisemitischen Rowdy“ bezeichnet.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu griff seinen israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu verbal an. AFP

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu griff seinen israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu verbal an.

IstanbulDer türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat seinen israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu mit den islamistischen Attentätern von Paris verglichen. Sie alle hätten Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt, sagte Davutoglu am Donnerstag. Er reagierte auf Äußerungen des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman, der den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch einen „antisemitischen Straßenrowdy“ genannt hatte. „Wenn Israel einen Rowdy sehen will, muss es nur in den Spiegel schauen“, sagte Davutoglu. Die einst engen diplomatischen und militärischen Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich in den vergangenen fünf Jahren erheblich verschlechtert.

Davutoglu sagte, die Bombardierung des Gazastreifens im Sommer und der Angriff auf einen von der Türkei geführten Hilfskonvoi für das abgeriegelte Palästinenser-Gebiet im Jahr 2010, bei dem zehn Türken getötet wurden, stehe auf einer Stufe mit den Anschlägen von Paris. In diesen Attentaten wurden vergangene Woche 17 Menschen getötet, darunter vier französische Juden in einem jüdischen Supermarkt. „So wie das Massaker von Paris, das Terroristen verübt haben, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, so hat Netanjahu, der Chef der Regierung, die am Strand spielende Kinder bei der Bombardierung von Gaza tötet (...) und die unsere Bürger auf einem Schiff mit Hilfsgütern in internationalen Gewässern abschlachtet, Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt“, sagte Davutoglu.

Ein Sprecher Erdogans warf Israel Islamfeindlichkeit vor: „Die israelische Regierung muss ihre aggressive und rassistische Politik beenden, anstelle weiterhin andere anzugreifen und sich dann hinter dem Vorwurf des Antisemitismus' zu verstecken.“

Israels Außenminister Lieberman hatte mit Blick auf die Judenverfolgungen in Deutschland gesagt: „Das Schweigen des zivilisierten, politisch korrekten Europa zu einem antisemitischen Straßenrowdy wie Erdogan und seiner Bande versetzt uns in die 30er Jahre zurück.“

Erdogan gegen Twitter, Facebook und Co.

5./6. Februar 2014

Das türkische Parlament nimmt einen Gesetzentwurf der Regierung für eine verschärfte Internetkontrolle an. Demnach dürfen Behörden Seiten auch ohne richterlichen Beschluss sperren.

25. Februar

Erdogan bezeichnet auf YouTube veröffentlichte Telefonmitschnitte als Fälschungen. Zu hören ist angeblich, wie er seinen Sohn auffordert, große Geldsummen vor Korruptionsermittlern in Sicherheit zu bringen.

5. März

Erdogan bestätigt laut Nachrichtenagentur Anadolu, dass die über YouTube verbreitete Aufnahme eines seiner Telefongespräche echt ist. Darin geht es um einen Prozess gegen den Medienunternehmer Aydin Dogan, mit dem die türkische Regierung zeitweise zerstritten war.

6. März

Nach der Veröffentlichung zahlreicher kompromittierender Telefonmitschnitte droht Erdogan in einem Interview des Senders ATV mit der Blockade von Facebook und YouTube. Nach der Kommunalwahl am 30. März würden weitere Schritte unternommen.

11. März

Erdogan relativiert in der regierungsnahen Zeitung „Yeni Safak“: Eine vollständige Sperre komme nicht infrage.

20. März

Laut Nachrichtenagentur Anadolu droht Erdogan: „Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen. Was dazu die internationale Gemeinschaft sagt, interessiert mich überhaupt nicht.“

21. März

Der Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter wird gesperrt.

Erdogan hatte während des Gazakrieges Israel Ehrlosigkeit und Gewissenlosigkeit vorgeworfen und gesagt: „Diejenigen, die Tag und Nacht Hitler verurteilen, haben Hitler an Barbarei übertroffen.“ In dem 50 Tage währenden Krieg wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 2100 Palästinenser getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Auf israelischer Seite kamen 73 Menschen ums Leben, meist Soldaten. Die Angriffe Israels richteten verheerende Schäden an, und die radikalislamische Hamas feuerte Hunderte Raketen auf Israel.

Sowohl Davutoglu als auch Netanjahu hatten am Sonntag in Paris an der Kundgebung gegen Terror und zum Gedenken an die Opfer teilgenommen. Die Türkei verurteilt den Anschlag auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“, bei dem zwölf Menschen getötet wurden. Zugleich warnten türkische Politiker aber vor einer wachsenden Islam-Feindlichkeit in Europa. Außerdem kritisierte Davutoglu die Zeitung „Cumhuriyet“, die die Mohammed-Karikatur der ersten „Charlie-Hebdo“-Ausgabe nach dem Anschlag abdruckte.

Die Pressefreiheit erlaube nicht die Beleidigung religiöser Werte, sagte er. Blasphemie wird in der Türkei mit Gefängnis bestraft. Abbildungen des Propheten sind im Islam nicht gestattet. Ein Gericht hatte daher die zeitweise Blockade von vier Internetseiten angeordnet, die die Karikatur zeigten.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

15.01.2015, 16:20 Uhr

Türkei und Israel liefern sich heftiges Wortgefecht

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Macht sich die Türkei zum Ersatz für den IRAN...

um gegen Israel zu provozieren...

weil der IRAN keine weitere Sanktionen haben will ?

Man kann auch aus Deutschland SANKTIONEN GEGEN DIE TÜRKEI

AUSÜBEN...da braucht man in Deutschland nur Ware aus der Türkei nicht mehr zu kaufen...

dann erledigen Türkische Landsleuten bei den nächsten Türkischen Wahlen den Rest von alleine.






Herr Tom Beckman

15.01.2015, 17:47 Uhr

Ich bin nicht der Freund von Erdogan und seiner Regierung, aber hier gebe ich das Regime recht. Allein die Antwort, die das Israelische Regime immer widergibt, ist so lächerlich.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe

Hat er nicht in der Schule gelernt, was eine Diskussion ist und wie man Argumente sowie Kritiken entkräftet?

Herr Hikmet Özdemir

15.01.2015, 18:14 Uhr

Leider haben die türkischen Staatschefs recht. Israel hat sich durch den Einfluß die extremistisch-orthodoxen Parteien zum Unrechtsstaat gemausert. Drei Jugndliche wrden durch Hamas Extremisten getötet. Und was macht Israel, statt die Täter zu fassen, die sie später bewußt liquidiert hat, und einer Strafprozeß zu unterziehen, erklärt den Krieg gegen Palästina. Marschiert über die Grenze, tötet 2.100 Menschen meist Zivilisten, davon 1600 Frauen und Kinder. Verstößt seit Jahrzehnten gegen UNO Beschlüsse und überfällt Palästina und besetzt erheblichen Teil des Landes. Gazastreifen verwandelt sie zu einem offenen Gefängniss und behindert die Einfuhr von Hilfsgütern. Greift auf internationalen Gewässern humanitäre Hilfsschiffe an und tötet Menschen, die nur helfen wollen. Neulich behält sie auch noch 160. Mio. Dollar Stuereinnahmen, die von den Palästinenser gezahlt worden sind, weil die palästinänsische Regierung beschlossen hat, dem internationalen Strafgerichtshof beizutreten. Also wenn das
kein Unrechtsstaat ist?

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