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29.03.2012

16:39 Uhr

Vergleich

Warum Italien glänzt und Spanien strauchelt

VonJan Mallien

Das Schicksal des Euro hängt an zwei Ländern: Italien und Spanien. Beide haben zuletzt Reformen auf den Weg gebracht. Doch die Lage für Spanien ist noch immer bedrohlich während Italien gut da steht. Warum eigentlich?

Italiens Ministerpräsident Mario Monti (R) und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy. Reuters

Italiens Ministerpräsident Mario Monti (R) und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy.

DüsseldorfDiese Woche gab es ein ungewöhnliches Scharmützel zwischen zwei Krisenländern der Eurozone. Ausgangspunkt war Italiens Ministerpräsident Mario Monti. Der italienische Reformpolitiker nahm kein Blatt vor den Mund und rügte die Finanzpolitik der spanischen Regierung. Spanien habe zwar tiefgreifende Reformen auf dem Arbeitsmarkt in Angriff genommen. „Das Land hat jedoch den öffentlichen Finanzen nicht die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet“, klagte Monti. Die Europäische Union fürchte deshalb eine Ansteckung durch die Krise in Spanien. Sein eigenes Land sei hingegen wieder auf dem Weg nach oben.

Die Episode zeigt das neue Selbstbewusstsein Italiens unter seinem Ministerpräsidenten Mario Monti. Im Vergleich dazu steht Spanien derzeit am Pranger der anderen Euro-Länder. Spanien hat das mit der EU vereinbarte Defizitziel für 2011 klar verfehlt: Statt eines angestrebten Defizits von 6 Prozent, lag dieses bei 8,5 Prozent. Auch das geplante Defizit für 2012 von 4,4 Prozent hat die Regierung Rajoy inzwischen ohne Absprache mit der EU aufgegeben. Sie plant nun mit einem Defizit von 5,3 Prozent - doch auch das erscheint sehr optimistisch.

Im Grunde haben Spanien und Italien ähnliche Probleme: Beide leiden unter einem stark regulierten Arbeitsmarkt und mangelnder preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Ein großes Problem auf dem Arbeitsmarkt ist aus Sicht von Experten der rigide Kündigungsschutz. Er sorgt dafür, dass Unternehmen mit Neueinstellungen extrem zögerlich sind. Das trifft vor allem jüngere Menschen: Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien liegt bei fast 50 Prozent - in Italien bei über 30 Prozent.

Die spanische Arbeitsmarktreform

Geringere Abfindungen

Bis 2012 mussten einem Angestellten in Spanien bei grundloser Kündigung eine Abfindung von 45 Tageslöhnen pro Jahr im Unternehmen gezahlt werden. Die konservative Regierung reduzierte diese Abfindung auf 20 Tageslöhne und legte für die Zahlungen zudem eine neue Höchstdauer von 24 im Unterschied zu davor 41 Monaten fest.

Flexiblere Kündigungen

Lange unterteilte der Arbeitsmarkt in Spanien sich vor allem in zwei Fraktionen: Eine „Elite“ nahezu unkündbarer Festangestellter und Angerstellten, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelten. Die Einführung eines neuen, flexibleren Kündigungsrecht erlaubte 2012 erstmals auch das Aussprechen betriebsbedingter Kündigungen bei sinkenden Unternehmensumsatz.

Lockere Tarifverträge

Gleichzeitig wurden auch Gehälter variabler gestaltet. Unternehmen erhielten die Möglichkeit, in Absprache mit den Mitarbeitern Löhne und Arbeitszeiten individuell zu vereinbaren - ohne sich an die geltenden Tarifverträge halten zu müssen.

Bonus für junge Angestellte

Weil in Spanien besonders viele junge Menschen arbeitslos sind, zahlt der Staat Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern eine Prämie. Pro eingestelltem 16-30-Jährigen gibt es bis zu 3300 Euro, für Frauen im gleichen Alter bekommt die Firma sogar bis zu 3600 Euro.

Bonus für alte Angestellte

Besonders betroffen von der schlechten Wirtschaftslage sind auch die älteren Arbeitslosen. Die Regierung zahlt daher jedem Unternehmen, das einen über 45-jährigen Spanier einstellt, bis zu 3900 Euro (für Frauen bis zu 4500 Euro). Der neue Mitarbeiter muss in den 18 Monaten vor Vertragsbeginn jedoch mindestens zwölf Monate arbeitslos gewesen sein. 

Zeitverträge mit Limit

Befristete Verträge dürfen nur noch maximal zwei Jahre gelten und nicht mehr verlängert werden. Soll der Angestellte im Unternehmen bleiben, muss der Vertrag in einen unbefristeten umgewandelt werden.

Die mangelnde preisliche Wettbewerbsfähigkeit lässt sich daran ablesen, dass beide Länder seit Jahren mehr importieren, als sie exportieren. Hinzu kommt das Schuldenproblem: In Italien bereitet vor allem die Gesamtverschuldung mit einem Anteil von 120 Prozent an der Wirtschaftsleistung Sorgen - in Spanien ist es das Haushaltsdefizit von zuletzt 8,5 Prozent.

Dennoch gibt es zwischen beiden Ländern einen großen Unterschied: In Spanien hat es bis zur Lehmann-Pleite einen beispiellosen Immobilienboom gegeben. Die Immobilienpreise stiegen jahrelang, die Spanier bauten immer mehr neue Häuser und verschuldeten sich dafür. Das gab der Wirtschaft kräftig Schwung und führte dazu, dass Spanien lange Zeit Musterschüler bei der Einhaltung der Defizitkriterien des Maastrichter-Vertrags war. Dann kam die Finanzkrise und machte alles zunichte. Nach dem Platzen der Immobilienblase ist nun die Wucht des Absturzes in Spanien umso stärker - viel stärker als in Italien. Eine Blase hat es in Italien nicht gegeben, die italienische Wirtschaft verzeichnete viele Jahre lang nur ein minimales Wachstum.

Für dieses Jahr rechnet die spanische Regierung damit, dass die Wirtschaft des Landes um 1,7 Prozent schrumpft - für Italien erwartet die EU-Kommission einen Rückgang von 1,3 Prozent.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

29.03.2012, 17:19 Uhr

"Warum Italien glänzt und Spanien strauchelt"

Vielleicht ist Spanien ehrlicher. Vielleicht gibt es auch weniger Korruption. Gibt es eigentlich eine Mafia in Spanien? Gibt es dort einen Politiker wie Berluskoni?

Wie man diese Fragen auch immer beantwortet. Bei uns gibt es Politiker die nicht umzustimmen sind, dort hin auch weiterhin endlos Geld zu schicken. Man sollte sich dies merkeln.

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