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11.11.2015

03:09 Uhr

Verhaltene US-Reaktionen

Schmidts gespaltenes Verhältnis zu Amerika

VonFrank Wiebe

Die Reaktionen aus den USA zum Tode von Alt-Kanzler Schmidt sind verhalten. Nur Wenigen ist Schmidts Bedeutung für die Deutschen klar, die aktuelle Politik mit den Kandidaten zur Präsidentschaftskandidatur beschäftigt.

Das Verhältnis von US-Präsident Jimmy Carter und Bundeskanzler Helmut Schmidt war nicht ungetrübt. Schmidt soll den Amerikaner für unerfahren und nicht verlässlich gehalten haben. ap

US-Präsident Jimmy Carter und Bundeskanzler Helmut Schmidt

Das Verhältnis von US-Präsident Jimmy Carter und Bundeskanzler Helmut Schmidt war nicht ungetrübt. Schmidt soll den Amerikaner für unerfahren und nicht verlässlich gehalten haben.

New YorkHelmut Schmidt war aus deutscher Sicht ein Weltpolitiker, und zumindest für die mittlere und ältere Generation ist sind die Erinnerungen an seine Regierungszeit noch sehr lebendig. In den USA dagegen stand an seinem Todestag völlig die heimische, aktuelle Politik im Vordergrund: eine neue Debatte der konservativen Kandidaten für das Amt des Präsidenten. Das Weiße Haus ließ verlauten: „Er wurde weithin dafür bewundert, sich zugleich für Entspannungspolitik wie auch für Menschenrechte und gegen Aggression und die Verletzung grundlegender Freiheitsrechte einzusetzen.“

Die Nachrufe für Schmidt blieben im Hintergrund und beriefen sich häufig vor allem auf europäische Stimmen. Der US-Botschafter in Deutschland, John Emerson, sagt nur lapidar: „Wir werden ihn als einen der großen deutschen Staatsmänner in Erinnerung behalten.“ Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds in Washington, nennt ihn einen „weisen Mann“. Die Französin würdigt vor allem seine Verdienste um Europa und seine Freundschaft zu Frankreichs Präsident Giscard D’Estaing.

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+ Was für ein Mensch! – Nachruf auf einen großen Deutschen.
Von Gabor Steingart
+ „Europa ist der unerlässliche Rahmen“ – Woran sich die deutsche Politik unter Schmidt auszurichten hatte.
Von Hans-Jürgen Jakobs
+ Der unbequeme Welterklärer – Erst im Alter wurde Schmidt zum bewunderten Klartextredner.
Von Sven Afhüppe
+ Einfach nur die Spur halten – Wo Schmidt im Vergleich mit Adenauer, Brandt, Schröder und Merkel steht.
Von Arnulf Baring

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Die „New York Times“ schreibt, Schmidts „maßlose Kritik“ an der Regierung in Washington habe anti-amerikanische Tendenzen in der eigenen Partei unterstützt und damit letztlich zu seinem eigenen Sturz beigetragen. Die Zeitung beleuchtet auch die schlechten Beziehungen von Schmidt zu US-Präsident Jimmy Carter. Schmidt habe den Amerikaner für unerfahren und nicht verlässlich gehalten. Carter wiederum habe die mangelnde Unterstützung amerikanischer Sicherheitsinteressen gestört. So sei etwa ein deutsches Atomkraftwerk nach Brasilien geliefert worden, und dabei habe es keinen ausreichenden Schutz gegen die Nutzung zur Produktion von Waffen gegeben. Das „Wall Street Journal“ zitiert aus Carters Memoiren, Schmidt habe die USA zwar hinter den Kulissen unterstützt, sie aber zugleich öffentlich kritisiert. Die Beziehungen zu Richard Nixon und Gerald Ford seien aber gut gewesen, heißt es.
Ein Anhänger von Barack Obama war Schmidt offenbar nicht. Es existiert jedenfalls ein 2010 hochgeladenes Youtube-Video, wo er offenbar im Ersten Programm des Deutschen Fernsehens, auf Obama angesprochen, sagt, Charisma allein mache keinen guten Politiker, schließlich hätten auch Hitler und Stalin Charisma besessen. Das Video kursiert unter dem Namen „Helmut Schmidt vergleicht Obama mit Hitler“, die Internet-Kommentare dazu sind deaktiviert.
Die „Washington Post“ nennt Schmidt eine „Stimme der Vernunft“. Anders als bei vielen anderen Politiker sei die Achtung vor ihm nach dem Abtritt nicht gesunken, sondern sogar angestiegen. Und einstmals umstrittene Entscheidungen, etwa die Erlaubnis, Mittelstrecken-Raketen in Deutschland zu stationieren, hätte sich später als bahnbrechend für den Friedensprozess erwiesen.

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