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12.07.2015

10:12 Uhr

Verhandlungen

EU-Sondergipfel zu Griechenland am Sonntag abgesagt

Dem für Sonntag geplanten Sondergipfel der 28 EU-Staaten hat EU-Ratspräsident Donald Tusk eine Absage erteilt. Statt dessen werde es nur das geplante Gipfeltreffen der 19 Staats- und Regierungschefs der Euroländer geben.

Der Ratspräsident Tusk hat den Sondergipfel der EU-Staaten abgesagt. AFP

Donald Tusk

Der Ratspräsident Tusk hat den Sondergipfel der EU-Staaten abgesagt.

Der für Sonntag geplante EU-Sondergipfel zu Griechenland ist kurzfristig abgesagt worden. Das Treffen der 28 Staats- und Regierungschefs in Brüssel sei abgesagt, die Vertreter der 19 Eurostaaten würden aber wie geplant um 16.00 Uhr zusammenkommen, teilte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Sonntagvormittag auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Die Gespräche in der Eurozone über weitere Finanzhilfen an Griechenland im Gegenzug für die Zusage von Spar- und Reformmaßnahmen würden fortgesetzt.

Das griechische Schuldendrama von A bis M

A wie Austerität

Das Schlagwort der Krise. Umschreibt die Sparpolitik, um Haushaltsexzessen Einhalt zu gebieten. Weiteres Kürzen stürze die Menschen ins Elend und würge die Konjunktur ab, klagt Tsipras und steht damit nicht allein. Haushaltsdisziplin sei wichtig, um die Krise überwinden können, sagen Befürworter. Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werfen Kritiker vor, für einen übertriebenen Sparkurs in Europa einzutreten.

B wie Bargeld

Äußerst knapp in Griechenland. Seit Ende Juni dürfen die Griechen an Bankautomaten nur noch täglich bis zu 60 Euro abheben. Weil viele aus Angst vor der Staatspleite ihre Konten leerräumten, droht den Banken das Geld auszugehen.

D wie Draghi

Mario Draghi, mächtiger Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die über die Stabilität des Euro wacht. Draghi spielt eine Schlüsselrolle im Griechenland-Drama. Wenn die EZB den Geldhahn zudreht, weil es zu keiner Lösung kommt, stehen die Banken vor dem Aus; Griechenland dürfte dann endgültig zahlungsunfähig sein.

E wie Eurogruppe

Die Versammlung der Finanzminister aus den 19 Euroländern stieg in der Finanz- und Wirtschaftskrise zum weltweit beachteten Entscheidungsgremium auf. Sie hebt oder senkt den Daumen über Milliarden-Hilfsprogramme für die Euro-Krisenländer.

F wie Finanzmärkte

Verlieren Anleger das Vertrauen, dass Schulden überhaupt noch zurückgezahlt werden, dann können sich Staaten nur noch zu extrem hohen Zinsen finanzieren. Das wird sehr teuer. Diese Geldquelle bleibt Griechenland schon seit langem versagt.

G wie Grexit

Kunstwort bestehend aus „Greece“ (Griechenland) und dem englischen Wort „exit“ (Ausstieg). Der Ausstieg aus dem Euro - gewollt oder durch versehentliches Hinausschlittern - wurde zuletzt im Griechenland-Fall angesichts der drohenden Staatspleite von vielen nicht mehr ausgeschlossen.

I wie IWF

Der Internationale Währungsfonds mit Christine Lagarde als mächtiger Chefin ist einer der gewichtigen Kreditgeber Athens. Lagarde drängt die Eurogruppe, einer Umschuldung zuzustimmen.

J wie Jugendarbeitslosigkeit

Besonders dramatisch sind die Zukunftsaussichten der jungen Leute. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent in Griechenland haben die meisten kaum Hoffnungen, einen Job zu finden.

L wie Lissabon-Vertrag

Der Lissabon-Vertrag verbietet im Artikel 125, dass ein EU-Staat einen anderen Staat „herauskaufen“ kann („No-Bailout-Klausel“). Darauf berufen sich auch Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

M wie Merkel

Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.

Am Vormittag kommen zunächst die Finanzminister der Eurozone in Brüssel zu weiteren Gesprächen zusammen, nachdem sie am Samstagabend ihre Verhandlungen nach neun Stunden ergebnislos vertagt hatten. Der stellvertretende EU-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis sagte vor dem Beginn der Gespräche der Finanzminister aber, es sei „sehr unwahrscheinlich, dass die Kommission ein Verhandlungsmandat“ für ein drittes Hilfspaket von den Mitgliedstaaten am Sonntag erhalte.

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++: Warten ohne Ende

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++

Warten ohne Ende

Die Staats- und Regierungschefs verhandeln in großer, dann in kleiner Runde. Das Hoffen auf einen guten Ausgang zieht sich in den Morgen: Laut Laut Tusk liege ein „Kompromissvorschlag“ vor. Die Ereignisse im Liveblog.

Die Länder der Eurozone sind gespalten, ob das hochverschuldete Griechenland mit einem dritten Hilfsprogramm unterstützt werden soll. Mehrere Minister beklagten, dass das Vertrauen in die Regierung in Athen erschüttert sei, nachdem die Griechen sich in einem von der Regierung angesetzten Referendum vor einer Woche mehrheitlich gegen weitere Spar- und Reformmaßnahmen gewandt hatten. Es bestehen Zweifel am Willen der Regierung, die Reformen tatsächlich umzusetzen.

Griechenland droht ohne weitere finanzielle Unterstützung der wirtschaftliche Kollaps und das Aus für die Euro-Mitgliedschaft, die Banken des Landes sind schon seit zwei Wochen geschlossen. Ende Juni hatte die griechische Regierung nach monatelangem Streit die Verhandlungen über die Verlängerung ihres zweiten Hilfsprogramms abgebrochen. Am Mittwoch beantragte Athen ein drittes Hilfsprogramm über drei Jahre, das nach Angaben aus Kreisen der Geldgeber einen Finanzbedarf von bis zu 82 Milliarden Euro decken müsste.

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