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09.11.2013

12:43 Uhr

Verhandlungen mit dem Iran

Frankreich dämpft Erwartungen an Atomgespräche

In Genf arbeiten Außenminister westlicher Staaten mit Vertretern des Iran an einer Übergangslösung. Doch Frankreich dämpft die Erwartungen. US-Präsident Obama versucht zudem, das Misstrauen Israels zu zerstreuen.

Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif (2. von links) spricht am Samstag mit seinem britischen Kollegen William Hague (l), Guido Westerwelle und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. AFP

Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif (2. von links) spricht am Samstag mit seinem britischen Kollegen William Hague (l), Guido Westerwelle und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton.

GenfIn den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm versuchen Außenminister der beteiligten Staaten, die Meinungsverschiedenheiten über eine Zwischenlösung auszuräumen. Am Samstagmorgen kamen in Genf zunächst US-Außenminister John Kerry und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zusammen. Dann stand ein Treffen der beiden mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif auf dem Verhandlungsplan. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama versucht, die offene Empörung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu über eine mögliche Zwischenlösung zu dämpfen.

Obama habe Netanjahu am Freitag angerufen, um mit ihm über „unsere andauernden Bemühungen um eine friedliche Lösung“ des Konflikts zu sprechen, teilte das Weiße Haus mit. „Der Präsident brachte den Ministerpräsidenten auf den neuesten Stand ... und unterstrich seine starke Verpflichtung, den Iran an einem Atomwaffenbesitz zu hindern“, hieß es weiter. Das sei das Ziel der Genfer Gespräche.

Netanjahu hatte zuvor sein tiefes Misstrauen gegenüber den iranischen Absichten bekräftigt und erklärt, Israel werde sich nicht durch eine mögliche Vereinbarung der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran binden lassen.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

Frankreichs Außenminister hat die hohen Erwartungen zunächst gedämpft. Es gebe keine Garantie, dass es zu einer Vereinbarung komme, sagte Laurent Fabius am Samstagmorgen dem französischen Sender Radio Inter. Es gebe nach wie vor große Hürden, etwa den Atommeiler Arak oder die Urananreicherung. Auch müssten Sorgen von Israel und anderen Ländern in der Region ernst genommen werden.

Auf dem Verhandlungstisch liegt eine Übergangslösung, wie es aus Delegationskreisen hieß. Demnach soll Teheran sein Atomprogramm zunächst aussetzen. Im Gegenzug sollen einige der gegen das Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufgeweicht oder auf ausländischen Bankkonten blockierte Gelder aus Öleinnahmen freigegeben werden.

In einem zweiten Schritt soll dann über ein umfassenderes Abkommen verhandelt werden. Dieses soll sicherstellen, dass der Iran nicht unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an Nuklearwaffen arbeitet. Teheran will diese Sorge ausräumen, fordert aber im Gegenzug die Anerkennung des Rechts auf ein ziviles Atomprogramm, einschließlich der Urananreicherung auf bis zu fünf Prozent, sowie die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen.

Wegen der Hoffnungen auf einen Durchbruch in den seit Jahren stockenden Verhandlungen waren die Gespräche zunächst bis Samstag verlängert worden. Ein hoher US-Regierungsbeamter sagte am Freitagabend, bei der Überbrückung von Meinungsverschiedenheiten seien weitere Fortschritte gemacht worden. Aber es gebe noch viel Arbeit zu tun.

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