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28.05.2013

20:24 Uhr

Verhandlungen mit der EU

Weber fordert für Steuerpakt eine Gesamtlösung

Automatischer Informationsaustausch schön und gut – doch in den Steuerhandlungen mit der EU müsse die Schweiz eine Gesamtlösung anstreben, so UBS-Präsident Axel Weber. Das sei entscheidend.

UBS-Präsident Axel Weber: In den Steuerverhandlungen soll es um eine Gesamtlösung gehen. AFP

UBS-Präsident Axel Weber: In den Steuerverhandlungen soll es um eine Gesamtlösung gehen.

ZürichDie Schweiz darf sich nach Ansicht von UBS-Präsident Axel Weber in Steuerverhandlungen mit der EU nicht auf den sogenannten automatischen Informationsaustausch von Bankdaten beschränken. Vielmehr müsse parallel dazu auch eine Regelung für den Marktzugang für Banken und bisher unversteuerte Altgelder gefunden werden, sagte Weber in einem am Dienstag online veröffentlichten Interview der Schweizer Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft". "Die Schweiz sollte eine Gesamtlösung mit der EU anstreben, das ist entscheidend", sagte er.

Ein Informationsaustausch mit der EU bedeute noch lange nicht, dass die Schweiz generell zu diesem System übergehen müsse, erklärte Weber weiter. Automatischer Informationsaustausch heißt im Grundsatz, dass Banken Angaben über Vermögen und Einnahmen ausländischer Kunden von sich aus an die zuständigen Finanzämter melden. In der EU gilt der Austausch derzeit allerdings nur für Zinseinnahmen natürlicher Personen.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Wie viele Schweizer Banken ist auch UBS bestrebt, von Schwarzgeld wegzukommen. Die Bank arbeite mit den betroffenen Kunden, "damit sie alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um ihre Steuerangelegenheiten mit ihren Wohnsitzbehörden zu bereinigen", sagte Weber.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Noch-Steuerzahler

28.05.2013, 22:13 Uhr

Schön, wenn es eine Gesamtlösung a la Weber gibt. Das löst aber nicht das Hauptproblem: die Staatsquote ist bei diesen hier betrachteten Ländern insgesamt viel zu hoch! Von jedem verdienten EUR muß der Bürger mehr als 50% an den Staat abführen. Das ist deutlich zu viel.

Weber sollte sich mal überlegen, wie wir es schaffen, wieder auf eine Staatsquote von ca. 30% (wie z. B. in USA) zu kommen.

Dann wären die Steuerhinterziehung und all die hier unnötig diskutierten Maßnahmen überflüssig.

Account gelöscht!

29.05.2013, 08:01 Uhr

Hmmm,

wäre das nicht eher eine Frage an Ihren MDB anstatt an den Präsidenten einer Schweizer Grossbank?

Account gelöscht!

29.05.2013, 12:12 Uhr

Gesamtlösung EU = immer kleinster gemeinsamer Nenner.
.

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