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23.01.2011

17:17 Uhr

Verletzte in Algier

Anhaltende Proteste in Tunesien

Mehr Demokratie wagen in Nordafrika: Die Demonstranten in Tunesien und Algerien lassen nicht locker. Weg mit den Vertretern des alten Regimes, fordern die Tunesier. Inzwischen ist die Zensur aufgehoben worden. Dutzende Verletzte gibt es bei Demonstrationen in Algier.

Mohammed Ghannouchi ist Ministerpräsident der tunesischen Übergangsregierung. DAPD

Mohammed Ghannouchi ist Ministerpräsident der tunesischen Übergangsregierung.

HB PARIS ALGIER TUNIS. In Tunesien gehen die Proteste gegen die Übergangsregierung von Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi weiter. Etwa 1 000 Menschen aus der Region um die Stadt Sidi Bouzid, wo der Aufstand gegen das Regime seinen Anfang nahm, marschierten am Sonntag in die Hauptstadt Tunis.

Derweil ist die Zensur aufgehoben worden. Bücher, Zeitschriften und Filme aus dem Ausland können jetzt ohne Genehmigung eingeführt werden. Ermutigt vom Wandel in Tunesien demonstrierten in Algier Anhänger der Opposition für Freiheit und Demokratie. Bei Zusammenstößen mit der Polizei soll es dort mehr als 40 Verletzte gegeben haben.

Die Protestteilnehmer in Tunesien nennen ihre Bewegung „Karawane der Befreiung“ und verlangen eine „saubere“ Regierung, ohne Vertreter des gestürzten Regimes von Präsident Zine el Abidine Ben Ali. „Das Volk will die Regierung stürzen“, skandierten die Protestler. Übergangs-Premier Ghannouchi kündigte im Staatsfernsehen an, er werde sich nach den Wahlen in sechs Monaten aus der Politik zurückziehen. Auch Ghannouchi gehörte dem Regime Ben Alis an.

Der tunesische Islamistenführer Rached Ghannouchi will unterdessen „sehr bald“ aus dem Londoner Exil zurückkehren. Er strebe aber kein Amt an, sagte der 69-Jährige dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Ich bin kein Khomeini“, erklärte Ghannouchi mit Bezug auf den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini. Er wolle „intellektuell beitragen“ zu einer „Ära der Demokratie“. Der Chef der seit 1989 verbotenen Islamistenpartei al-Nahda forderte eine Generalamnestie für alle Verurteilten.

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