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19.09.2014

20:35 Uhr

Verlorenes Referendum

Schottlands Ministerpräsident Salmond gibt auf

Nach dem verlorenen Referendum zur Unabhängigkeit hat Schottlands Ministerpräsident Alex Salmond seinen Rücktritt als Regierungschef und als Parteivorsitzender der SNP angekündigt. Seine große Vision ist gescheitert.

Alex Salmond hat seinen Rücktritt angekündigt. Reuters

Alex Salmond hat seinen Rücktritt angekündigt.

EdinburghDie Gerüchte machten bereits am Donnerstag die Runde. Sollte Schottland sich gegen Autonomie entscheiden, würde Alex Salmond, Chef der schottischen Nationalpartei (SNP), von seinem Posten zurücktreten, spekulierten schottische Medien. Der 59-Jährige würde seiner Stellvertreterin Nicola Sturgeon das Feld überlassen.

Am Freitag, einen Tag nach dem Referendum, der Salmond eine Niederlage einbrachte, kündigte der Mann diesen Schritt offiziell an: „Ich glaube, das ist eine ganz neue aufregende Situation, und das Land dürfte in dieser Situation von einer neuen Führung profitieren“, sagte er in Edinburgh. Er wolle daher nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren und werde auch seine Aufgabe als Regierungschef aufgeben, sobald ein Nachfolger feststehe. Seinen Traum von Schottlands Unabhängigkeit werde er aber trotz der Abfuhr bei der Volksabstimmung nicht aufgeben.

Gut 55 Prozent der Schotten habe am Tag zuvor gegen die Autonomie gestimmt und damit mehr als erwartet. Sie wollen weiterhin Teil des Königreichs bleiben – wie seit 307 Jahren. Salmond musste daher bereits am Freitag morgen einräumen: Das Land sei derzeit noch nicht reif für die Unabhängigkeit. Zu seiner eigenen Zukunft sagte er da aber noch nichts. Die Rücktrittsankündigungen kam erst einige Stunden später.

Salmond hat zwar die Mehrheit der Menschen in Großstädten wie Glasgow überzeugen können. Der Vorsprung der Unabhängigkeitsbefürworter hat dort aber nicht gereicht, um deutliche Verluste in anderen Regionen zu kompensieren. So ging beispielsweise Edinburgh ganz klar an die Unionisten, die sich gut 60 Prozent der Stimmen sichern konnten.

Salmond gilt als äußerst gewiefter Politiker. Vor zwei Jahren hat er der Londoner Zentralregierung eine Volksabstimmung über Schottlands Unabhängigkeit abgerungen. Als zwischendurch eine Abtrennung des Landes in Umfragen immer wahrscheinlicher erschien, stellte Großbritanniens Premier David Cameron Schottland sehr weitreichende Machtbefugnisse in Aussicht.

Von

slo

Kommentare (1)

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Herr Tobias Wahrsager

19.09.2014, 20:34 Uhr

Ich bin kein Freund der Abspaltungstendenzen, die sich vielerorts in Europa regen. Gleichwohl hat Salmon
die Frage einer schottischen Unabhängigkeit noch einmal besonders stark auch für die Zukunft auf die politische Tagesordnung gesetzt. Trotz des verlorenen Ausgangs!
Bei einem eventuell neuerlichen Referendum in zwei oder drei Jahrzehnten könnte sich das für die Abspalter auszahlen und ihnen dann den Sieg einbringen.

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