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29.01.2008

19:51 Uhr

Vermittlungsrunde begonnen

Annan will schnelle Lösung in Kenia

Inmitten einer neuen Welle der Gewalt nach der Ermordung eines Oppositionspolitikers hat in Kenia die möglicherweise entscheidende Vermittlungsrunde begonnen. Zum Auftakt eines Dialogs zwischen den Konfliktparteien sagte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag, die Unruhen könnten innerhalb von vier Wochen eingedämmt werden.

HB NAIROBI. Für die Lösung der längerfristigen Probleme rechne er aber mit einem Zeitraum von bis zu einem Jahr. Beide Kontrahenten riefen zu nationaler Versöhnung auf und verurteilten die ethnische Gewalt.

In einer vom Fernsehen übertragenen Rede warnte Annan vor den schweren Konsequenzen, die die wochenlangen Gewaltexzesse für das Land habe. Felder lägen brach, der soziale Zusammenhalt sei gefährdet. „Die Parteien sind bereit für die Gespräche“, sagte Annan, der die Dringlichkeit einer friedlichen Lösung betonte. An die Kontrahenten gewandt mahnte er: „Die Menschen brauchen Sie, sie wollen, dass Sie (...) Ihr Möglichstes tun, um die Talfahrt ins Chaos aufzuhalten. In diesem schönen und reichen Land droht Anarchie.“

In Kenia tobt seit dem umstrittenen Sieg von Amtsinhaber Mwai Kibaki bei der Präsidentenwahl im Dezember ein blutiger Machtkampf. Oppositionsführer Raila Odinga wirft Präsident Kibaki Wahlfälschung vor. Bisher wurden mehr als 800 Menschen getötet, 250 000 sind vor der Gewalt geflohen. Odinga betonte am Dienstag: „Ich will Präsident aller Kenianer werden. Ihr Tod und ihr Leiden erschrecken mich.“ Er werde nichts unversucht lassen, damit die Vermittlungsanstrengungen Annans Erfolg haben. Kibaki sagte, er begrüße, dass bei den Vermittlungen nicht nur Sofortmaßnahmen erörtert, sondern auch die tiefer liegenden Ursachen ergründet werden.

Die Gespräche sollen ab Mittwoch von jeweils drei Verhandlungsführern geleitet werden. An den Vermittlungen ist auch die Ehefrau von Nelson Mandela, Graca Machel, beteiligt.

Wütende Proteste wurden am Dienstag aus der Stadt Naivasha im Westen des ostafrikanischen Landes sowie aus dem Slum von Kibera in der Hauptstadt Nairobi gemeldet. Dort gingen Angehörige rivalisierender Volksgruppen aufeinander los, errichteten Barrikaden aus brennenden Reifen und zündeten Autos und Häuser an. Mehrere Menschen wurden getötet. In Naivasha feuerten Soldaten aus Hubschraubern Warnschüsse ab, um die Krawalle zu beenden.

Kurz nach Mitternacht war in der Hauptstadt Nairobi der Oppositionsabgeordnete Mugabe Were in der Nähe seines Hauses erschossen worden. Die Opposition vermutet, dass die Tat politisch motiviert ist. Eine Versammlung von Trauernden wurde am Dienstag von der Polizei mit Tränengas auseinandergetrieben. Ein Sprecher der Opposition rief alle Anhänger zur Ruhe auf. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) berichtete über zunehmende Vergewaltigungen in den Flüchtlingslagern.

An den Auseinandersetzungen sind vor allem Angehörige vom Stamm der Kikuyu, zu dem Kibaki gehört, sowie Volksgruppen beteiligt, die Odinga unterstützen. Die Hilfsorganisation Caritas International rief am Dienstag dringend zu Spenden auf. Benötigt würden mindestens 1,8 Mill. Euro, um die Flüchtlinge in den kommenden drei Monaten mit Wasser, Medikamenten und Lebensmitteln zu versorgen. Ein Mitarbeiter des Christoffel-Blindenwerks berichtete von einer zunehmenden Beeinträchtigung der im Lande tätigen Hilfsorganisation.

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