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28.02.2006

07:40 Uhr

Veröffentlichung der „New York Times“

USA geben sich ob BND-Spionage unwissend

Bundesregierung und Bundesnachrichtendienst (BND) hatten am Montag dem Bericht der „New York Times“ heftig widersprochen, wonach deutsche Agenten vor dem Krieg Geheimpläne an die USA weitergeleitet und so die US-Kriegsführung stärker als bislang bekannt unterstützt hätten. Aus Amerika kommen leisere Töne.

Der BND hat laut eines Zeitungsberichts den USA beim Irak-Krieg mit geheimen Verteidigungsplänen Bagdads geholfen. Foto: dpa

Der BND hat laut eines Zeitungsberichts den USA beim Irak-Krieg mit geheimen Verteidigungsplänen Bagdads geholfen. Foto: dpa

HB WASHINGTON/BERLIN. „Wir wissen nicht, über was er (der Autor des Zeitungsbeitrags) spricht“, sagte Militärsprecher Leutnant Jim Krohne am Montag in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia. Die in der Zeitung zitierte Studie sei als geheim eingestuft. Krohne ist Sprecher des US-Militärkommandos, von dem die Studie stammen soll. Die Angaben über die Zusammenarbeit deutscher und amerikanischer Geheimdienste vor dem Irakkrieg würden derzeit von seiner Abteilung geprüft.

Die US-Zeitung hatte unter Bezug auf ein Dokument des US-Oberkommandos aus dem Jahr 2005 berichtet, die zwei im Jahr 2003 in Bagdad eingesetzten BND-Beamten hätten sich einen geheimen Plan zur Verteidigung Bagdads beschafft. Der deutsche Verbindungsbeamte in Katar habe ihn dann den US-Truppen übergeben. Die rot-grüne Regierung sei deshalb in Washington als stiller Unterstützer eingestuft worden, obwohl die Schröder-Regierung den Irak-Krieg zuvor vehement öffentlich abgelehnt hatte.

Die Bundesregierung hatte den Bericht am Montag ungewöhnlich heftig zurückgewiesen. Sowohl Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, als auch der BND bezeichneten ihn als falsch. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte in Brüssel, er habe den Äußerungen von Bundesregierung und Bundesnachrichtendienst nichts hinzuzufügen. Die Opposition in Deutschland will die neuen hingegen Vorwürfe restlos aufklären.

Der BND beharrt darauf, dass ein irakischer Verteidigungsplan der Behörde nicht bekannt gewesen sei, er also auch nicht einen Monat vor Kriegsausbruch den USA übergeben werden konnte. Alle Berichte des BND-Teams im Einsatzzeitraum vom 15. Februar 2003 bis zum 2. Mai 2003 seien im Übrigen dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG) des Bundestages vorgelegt worden. Offenbar hat auch der damalige deutsche Verbindungsbeamte im US-Kommando in Katar ausgesagt, er könne sich an einen solchen Bericht nicht erinnern.

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