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20.09.2011

14:48 Uhr

Versuchte Vergewaltigung

Banon bekräftigt Vorwürfe gegen Strauss-Kahn

Nach Dominique Strauss-Kahns Fernsehinterview hat sich nun auch die französische Schriftstellerin Tristane Banon zu Wort gemeldet. Sie bleibt bei ihren Vorwürfen, der Ex-IWF-Chef habe versucht, sie zu vergewaltigen.

Tristane Banon: Sie kündigte eine Zivilklage an, wenn die französische Staatsanwaltschaft kein Strafverfahren einleite.  AFP

Tristane Banon: Sie kündigte eine Zivilklage an, wenn die französische Staatsanwaltschaft kein Strafverfahren einleite. 

ParisKurz nach dem viel beachteten Fernsehauftritt des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn hat sich das mutmaßliche französische Opfer Tristane Banon ebenfalls im Fernsehen zu Wort gemeldet. Die Schriftstellerin schilderte am Montagabend erneut, wie „DSK“ im Februar 2003 versucht habe, sie zu vergewaltigen. Sie kündigte Zivilklage an, wenn die französische Staatsanwaltschaft kein Strafverfahren einleite. 

Die 32-Jährige schilderte im Sender Canal+, wie der heute 62-Jährige sich bei einem Interview 2003 verhielt. Der sozialistische Spitzenpolitiker habe die Tür hinter ihr abgeschlossen, als sie ihn damals in einer Pariser Privatwohnung getroffen habe, sagte die Französin, die Strauss-Kahn erst im Juli dafür angezeigt hatte. Sie habe sich nicht wohlgefühlt, „aber ich hätte mir nicht vorstellen können, was passieren würde“. Sehr schnell sei sie dann in einen Kampf mit „DSK“ geraten. Nur mit viel Glück sei sie einer Vergewaltigung entkommen, sagte die sichtlich nervöse Banon, die mit ihrem Anwalt ins Fernsehstudio gekommen war. 

Sie habe den früheren französischen Finanzminister jahrelang nicht angezeigt, weil alle ihr davon abgeraten hätten, nicht nur ihre Mutter, die sozialistische Politikerin Anne Mansouret. „Ich habe wirklich Angst vor der Macht“, sagte die Schriftstellerin. Die Staatsanwaltschaft Paris prüft derzeit ihre Anzeige und entscheidet wahrscheinlich in einigen Wochen über ein Strafverfahren. 

Strauss-Kahn wurde dazu vergangene Woche von der Polizei verhört und gab nach Angaben aus Ermittlerkreisen eine „Annäherung“ an Banon zu, allerdings ohne Gewaltanwendung. Banon hatte Jahre nach dem Zwischenfall im Fernsehen gesagt, Strauss-Kahn sei bei dem Interview seinerzeit wie „ein brünftiger Schimpanse“ über sie hergefallen. 

„DSK“ hatte am Sonntagabend im Fernsehen wiederholt, Banons Vorwürfe seien „erfunden“. Er zeigte die Schriftstellerin seinerseits wegen Verleumdung an. Dem Franzosen hängt derzeit in den USA eine Zivilklage an: Das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo, das ihm im Mai vorgeworfen hatte, er habe sie in seinem Hotelzimmer zum Oralsex gezwungen, will nun eine Entschädigung einklagen. Ein New Yorker Gericht hatte Ende August das Strafverfahren gegen Strauss-Kahn eingestellt, nachdem Zweifel an Diallos Glaubwürdigkeit aufgetaucht waren.

Diallos Anwalt Kenneth Thompson kritisierte Strauss-Kahns Fernsehauftritt als „Werbeaktion“. „Es war alles vorbereitet, das war ein Witz“, sagte Thompson zu dem Interview, das eine Freundin von Strauss-Kahns Frau am Sonntagabend führte. Beim Zivilverfahren in den USA müsse der 62-Jährige unter Eid aussagen. „Und wenn er nicht kommt, werden wir nach Paris fahren und seine Aussage aufnehmen“, kündigte der Jurist im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP an.

 

Von

afp

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